zur Navigation springen

Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Arnis : Hat dieser Deich überhaupt Sinn?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Landesbetrieb für Küstenschutz will mit Arnis möglichst noch in diesem Jahr ein neues Hochwasserschutzkonzept erarbeiten.

Manchmal geht es auch ganz pragmatisch. Dicht dran an den tatsächlichen Bedürfnissen, möglicherweise sogar Wünschen, ohne die Realität aus dem Blick zu verlieren. Der Marsch über den Arnisser Deich gestern Vormittag offenbarte solch einen Moment, der am Anfang gar nicht unbedingt abzusehen war. 14 Menschen, darunter Bürgermeister, Stadtvertreter, Verwaltungsmitarbeiter, außerdem Vertreter des Wasser- und Bodenverbandes Grödersby sowie des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) hatten sich getroffen, um den Deich in Augenschein zu nehmen. Dabei war klar, dass sich zwei vollkommen zuwiderlaufende Meinungen gegenüber stehen würden: Während der LKN auf die Rodung des Deichs pochte, wollte Arnis dies partout nicht zulassen. Am Ende lief es auf einen gänzlich anders gearteten Beschluss hinaus: Im September will man sich wiedersehen, um dann zu entscheiden, ob der Deich überhaupt Deich sein und damit den Regeln des LKN entsprechen muss und ob Arnis nicht an einer ganz anderen Stelle ein Hochwasserschutz gut tun würde.

Weil der Arnisser Deich als Regionaldeich deklariert ist, fällt er unter die Kontrolle des LKN, und das hatte wiederholt gefordert, den Bewuchs auf dem Deich zu entfernen. LKN-Mitarbeiter Thomas Langmaack erklärte dazu gestern: „Seit etlichen Jahren ist die Deichunterhaltung in Arnis nicht optimal.“ Das Problem steckt vor allem in den Wurzeln des Bewuchses, die den Deich schädigen können. „Es entstehen Sickerpfade für drückendes Wasser“, sagte Langmaack. „Vor allem aber können wir den Zustand des Deiches bei Hochwasser nicht kontrollieren.“ Bis zum Frühjahr 2017 hatte der LKN dem Wasser- und Bodenverband Zeit gegeben, der Aufforderung nachzukommen. Verbandsvorsteher Peter-Martin Dreyer erklärte allerdings gestern, diese Auflage „nicht mit Gewalt“ gegen den Arnisser Wunsch, den Bewuchs unberührt zu lassen, umsetzen zu wollen. „Der Widerstand ist massiv“, sagte Dreyer und wollte gleichzeitig ausschließen, dass der Verband in der Pflicht steht, sollte der Deich nicht standhalten. Dreyer: „Das muss geklärt werden, weil ich nicht die Verantwortung tragen möchte, wenn etwas passiert.“

Tatsächlich machte der Arnisser Bürgermeister Bernd Kugler klar, dass die Stadt zwar in der Vergangenheit bereits Bäume vom Deich entfernt habe, am derzeitigen Bewuchs aber nichts ändern wolle. „Er trägt zum Erholungswert bei“, sagte Kugler, „und existiert nachweislich seit 100 Jahren schon“. Zudem wurzele das Buschwerk ohnehin nicht so tief. „Außerdem“, fuhr der Bürgermeister fort, „gibt es ganz andere Gefahrenquellen, die wir ansprechen sollten“.

Zunächst aber beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit dem aktuellen Zustand des Deiches, der Thomas Langmaack an einzelnen Stellen dazu veranlasste, „eine unbedingt schiere Innenböschung“ einzufordern. Zusätzlich machte er darauf aufmerksam, dass private Eigentümer Maßnahmen der Deichunterhaltung zu akzeptieren hätten. An anderen Stellen konnte er sich derweil „sogar gewisse Kompromisse“, etwa für alte Bäume, vorstellen, wenn auch gleichzeitig der Grundsatz gelte, auch für mutmaßlich seltene Ereignisse, wie etwa eine schwere Sturmflut, zu planen.

Dass in Arnis indes tatsächlich die Gefahr von einem anderen Punkt aus droht, griff noch einmal Peter-Martin Dreyer auf, der Arnis „keinen leichten Fall“ nannte. Denn: „Das Wasser steht schon lange in den Straßen, ehe es überhaupt über den Deich kommt, weil Arnis von hinten vollläuft.“ Konkret seien Dreiviertel der Stadt ungeschützt. Thomas Langmaack reagierte prompt und stellte eine Gegenfrage: „Wollen Sie vielleicht eine Hochwasserschutzwand an anderer Stelle, wenn der Deich hier eh’ keinen Sinn macht?“

Nachdem dieser Gedanke laut formuliert war, ging es sehr schnell, denn Langmaack machte gleich weiter. „Wir sollten uns kurzfristig und unabhängig von der Deichunterhaltung ein Hochwasserschutzkonzept für Arnis überlegen“, sagte er. Und: „Solange im Raum steht, dass Sie den Deich gar nicht mehr als Deich haben wollen, braucht er auch nicht gerodet zu werden.“ Bis Weihnachten, spätestens im Januar soll diesbezüglich Klarheit herrschen, damit im Fall der Fälle im Februar doch noch der Bewuchs weichen kann. In der zweiten September-Hälfte soll, auch darauf einigte man sich, der erste Gesprächstermin stattfinden. Bernd Kugler war von dieser spontanen Entwicklung durchaus angetan. „Es ist toll, dass der LKN so kompromissbereit ist“, lobte er. „Und das man uns die Augen geöffnet hat für andere Möglichkeiten.“ Manchmal geht es eben auch ganz pragmatisch.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2016 | 07:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen