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Schlei-Bote

28. März 2017 | 04:27 Uhr

Gelungener Balanceakt zwischen Wahrheit und Ironie

vom

Kappeln | Wer möchte das nicht: Ewig jung sein und bleiben ! Dass dies gar nicht so leicht zu bewerkstelligen ist, zeigte die "Broschmann und Finke Theater Company" in einem gewagten Balanceakt zwischen Klamauk und Satire, bitterer Wahrheit und überspitzter Ironie. Die ausverkaufte Koslowski-Halle wurde zur "Seniorenresidenz der Zukunft".

In einem längst geschlossenen Theater haben sich im Jahre 2050 die ehemaligen Schauspieler eingerichtet, verbringen ihre Abende mit Selbstinszenierungen, schwelgen in Erinnerungen und werden nur von der jungen Pflegeschwester (Lena Mahrt) auf den unbequemen Boden der Tatsachen zurück gebracht. Jugendlich arrogant und selbstgefällig weist Schwester Lena die "Alten" immer wieder darauf hin, dass es nun höchste Zeit sei, endlich abzutreten, denn "forever young" sei nun mal das Privileg der Jugend. Sie reduziert die Senioren zu unmündigen Kleinkindern.

Aber kaum ist die lästige Schwester aus dem Raum, drehen die "Alten" so richtig auf. Vergessen sind die typischen Gebrechen des Alters, die "old Lady" (Marita Dorsch-Persch) bringt mit ihrem super-grooven Hit "I love RocknRoll" die anderen mächtig in Fahrt, verdrängt sind lahme Knochen, Schwerhörigkeit oder Demenz. Pianist Nick Nordmann, mit angeblich 93 der "Jüngste" der Truppe, tobt sich auf den Tasten aus, bringt all das zum Ausdruck, was er selbst nicht mehr artikulieren kann. Carola von Sturmfeder (mit hinreißend senilem Gesichtsausdruck) und Dirk Magnussen (tanzfreudig trotz lahmem Bein) spielen sich als altes Ehepaar liebevoll bissig die Bälle zu. Michael Wempner, mit obligatem Goldfischglas, hat sein Hörgerät vergessen, was ihn aber nicht daran hindert den BeeGees-Hit "Stayin alive" überzeugend zu schmettern.

Streit gibt es natürlich auch, nicht nur wenn Schwester Lena kommt. Jeder hackt auf den anderen ein - davor ist man auch im Alter nicht gefeit. Doch all dies ist vergessen, wenn Alt-Hippie Arne Christophersen seine wild-gemixten Potpourris aus Hits der 60er- und 70er-Jahre zum Besten gibt, Joint inklusive. Alte unvergessene Schauspiel-Texte werden bruchstückhaft zitiert, da kabbelt sich Julias Nachtigall mit Cäsar, und Hamlet flüstert Horatio zu: "Der Rest ist Schweigen" - und sinkt zu Boden.

Ist dies das Ende der Truppe ? Aber nein - von wegen alt: Man rappelt sich wieder auf und dröhnt Joan Baez alten, ewig jungen Protestsong "We shall overcome" ins mitsingende und vor Begeisterung tobende Publikum.

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erstellt am 10.Jun.2013 | 03:59 Uhr

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