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Schlei-Bote

17. September 2014 | 03:30 Uhr

Ausbauziele nicht erreichbar : Flaute bei den Meereswindparks

vom

Der Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Auch vor Schleswig-Holsteins Küste gibt es neue Verzögerungen.

Hamburg/Kiel | Thomas Meerpohl zeigte sich am Donnerstag hochzufrieden "Wir freuen uns sehr, dass der Bau unseres Nordsee-Windparks Global Tech I in Kürze losgeht", sagte der Chef der gleichnamigen Betreibergesellschaft in Hamburg. Noch im August will Global Tech I die ersten Turm-Fundamente im 40 Meter tiefen Meer 100 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel Borkum verankern. Mit 80 Turbinen und einer installierten Leistung von 400 Megawatt werde der Park ab Ende nächsten Jahres "einen wichtigen Beitrag zur Energiewende" beisteuern, sagte Meerpohl.
Eine gute Nachricht - doch sie darf nicht davon ablenken, dass der Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland ansonsten weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Rotoren mit einer Gesamtleistung von gerade mal 45 Megawatt sind im ersten Halbjahr 2012 auf dem Meer in Betrieb gegangen; insgesamt sind damit jetzt 200 Megawatt am Netz. "Das ist höchst unbefriedigend - da muss man gar nicht drum herum reden", räumt Thorsten Herdan ein, Chef des Anlagenbauerverbands VDMA Power Systems. Schließlich hat die Bundesregierung das Ziel ausgerufen, bis 2020 im Zuge der Energiewende Windparks mit einer Leistung von zusammen 10.000 Megawatt in Nord- und Ostsee aufzustellen. "Diese Marke werden wir nicht erreichen können", sagt Herdan nun. Allenfalls 7000 Megawatt hält die Branche noch für möglich. An der Misere seien nicht die Investoren schuld, sondern der Bund und der für die Nordsee zuständige Netzbetreiber Tennet, Tochter eines holländischen Staatsunternehmens.
DMA-Chef Herdan sieht den Bund am Zug
Tatsächlich leiden die Planer der Offshore-Parks vor allem unter dem Fehlen von Netzanschlüssen zum Festland. "Wir brauchen endlich Steckdosen im Meer", sagt Herdan. Doch der Bau der Umspannwerke und Seekabel ist aufwendig; Tennet kommt kaum voran. Der Stromkonzern RWE hat daher erst kürzlich den Bau einer Windfarm vor Niedersachsen um ein halbes Jahr verschoben. Auch vor Schleswig-Holsteins Küste gibt es Schwierigkeiten. Die drei Parks nördlich von Helgoland gehen ohnehin schon mindestens ein Jahr später ans Netz als einst geplant. Nun droht auch fast ein halbes Jahr Verzögerung bei dem vor Sylt projektierten Windfeld "Dan Tysk". Denn die benachbarte Umspannstation "Sylwin1" wird nicht wie vorgesehen im Frühjahr 2014 fertig, sondern erst bis zu fünf Monate später.
VDMA-Chef Herdan sieht daher den Bund am Zug. Tennet allein könne die Anschlussprobleme nicht lösen: "Wie soll ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro ein Investitionsvolumen von 15 Milliarden stemmen?", fragt er. Immerhin haben Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kürzlich erste Eckpunkte für ein Gesetz vorgelegt, das Tennet entlasten soll, indem es dem Netzbetreiber erlaubt, die Haftungskosten für Störungen oder die verspätete Einrichtung von Anschlüssen auf die Stromkunden zu überwälzen.
Auch Robert Habeck sieht den Bund in der Pflicht
Doch Herdan reicht das nicht: "Auf die Finanzierungsprobleme hat die Regierung noch keine Antwort." Zudem mahnt er mehr Tempo an: "Das Gesetz sollte vor der Sommerpause vorliegen - aber bis heute gibt es nicht mal einen Referentenentwurf." Der Bund müsse seinen Worten endlich Taten folgen lassen. "Schon jetzt kosten die Verzögerungen die Investoren einige hundert Millionen Euro." Schließlich seien viele Offshore-Komponenten längst fertig und bezahlt, könnten aber nicht installiert werden.
Auch der Kieler Energieminister Robert Habeck (Grüne) sieht den Bund in der Pflicht. "Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt seit Jahren - die politische Verantwortung dafür liegt in Berlin." Der Bund müsse endlich alle Beteiligten an einen Tisch bringen.

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erstellt am 05.Aug.2012 | 11:32 Uhr

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