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Schlei-Bote

24. November 2014 | 17:04 Uhr

Anekdote : Familienhilfe bei Engpässen im Alltag

vom

Anekdote aus Notzeiten oder: Jeder sorgt für seine Leute.

Gelting | 1953 - Provinzstadt in der DDR. Es mangelte weniger am täglichen Brot, denn für dessen Organisation war die Familie präpariert. Jeder hatte etwas dabei. Wo sich vor einem Geschäft eine Schlange gebildet hatte, war auf jeden Fall einer aus der Familie zu finden. Der freute sich schon, die Mutter mit Kohlkopf, ein paar Äpfeln oder sonst einer Besonderheit zu überraschen. Der Wartende erfuhr oft erst durch Gespräche mit den anderen in der Schlange stehenden, wofür er diese Zeit opferte. Wenn’s am Ende gar Bananen waren, deren zwei oder drei er ergattern konnte, eilte er im Sturmschritt heimwärts und die Vorfreude auf das Glück zu Hause war die Belohnung.
Woher aber sollten solche Raritäten wie Schnürsenkel, Knöpfe, Stopfgarn oder gar ein Reißverschluss besorgt werden? In Notzeiten entwickelt sich immer eine Soli dargemeinschaft, ein Netzwerk aus Informationen. So erhielt die Mutter die Nachricht, wer nach Westberlin fuhr und so konnte sie, wie auch andere, bei Reisenden diese begehrten Kleinigkeiten bestellen. Für den wiederum war es fast eine Herzensangelegenheit, diese Bestellungen nicht zu vergessen. Der Reißverschluss für Thomas’ Hose war auf diese Weise bestellt, und er sollte ihn bei Frau Dr. Eichler, unserer Zahnärztin, persönlich abholen.
Zurückgekehrt von dieser, für einen elfjährigen Jungen ohnehin nicht einfachen Mission, klingelte er so heftig, dass ich förmlich zur Tür stürzte, um ihm zu öffnen.
Völlig außer Atem und verwirrt lehnte sich mein Bruder an die Wand in der Diele und stammelte immer nur: "Mensch. Was mir passiert ist, was mir passiert ist, was mir passiert ist - ne, so was!" Kopfschüttelnd griff er sich wiederholt an die Stirn und schloss die Augen. "Na, nun sag schon! Was ist los, was ist dir passiert?", rief ich und da kam es stoßweise heraus. "Na, ich bin bei Frau Dr. Eichler im Wohnzimmer und ich sollte mich in einen Sessel setzen!" Der Zuhörer sollte dazu wissen, dass wir Kinder zu Hause nur auf den Stühlen sitzen durften.
"Ja und? Das ist doch ganz normal", meinte ich. "Ja, aber dann!" "Was dann?" "Dann schob sie mir ein Schälchen mit ganz tollen West-Ostereiern hin und sagte: Bitte." "Das ist doch unheimlich nett gewesen", meinte ich beruhigend. "Ja", wieder Kopfschütteln und Stirngriff, "aber ich habe dann gesagt: Haben Sie vielleicht mal ’ne Tüte?"

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erstellt am 28.Feb.2013 | 08:59 Uhr

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