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Kappeln : Fahrradkonzept in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Interessengemeinschaft Umwelt legt ein überarbeitetes Papier mit Lösungsvorschlägen für vier Gefahrenpunkte vor.

Im Moment ist die Zahl der Radfahrer noch überschaubar, spätestens mit konstanterem Wetter aber werden sie wieder konzentrierter in der Stadt auftauchen. Und vielleicht mag sich dann der ein oder andere von ihnen fragen, weshalb dieser Radweg immer noch in so einem bedauernswerten Zustand ist. Weshalb die Hinweisschilder nach wie vor kaum vorhanden sind. Weshalb Markierungen nicht zu lesen sind, eine erkennbare Trassenführung nicht vorzukommen scheint. All diese Überlegungen führen am Ende zu dieser Kernfrage: Weshalb existiert das Fahrradkonzept seit gut vier Jahren im Grunde nur auf dem Papier? Die Verfasser, die Interessengemeinschaft Umwelt (IGU), reagieren mit einer Mischung aus Enttäuschung, Geduld und Beharrlichkeit – und haben nun, offenbar auf Wunsch der Verwaltung, eine komprimierte Form ihres Konzeptes vorgelegt. Verbunden mit der Hoffnung, dass es nun endlich Früchte tragen möge.

„Das Problem ist, dass die Verwaltung glaubt, es sei Sache der Politik und die Politik meint, es sei Sache der Verwaltung.“ So erklärt sich IGU-Vorstandsmitglied Dieter Rackow die zeitliche Verzögerung der Umsetzung des Konzepts. Tatsächlich ist die Beschlusslage eindeutig: Im August 2013 wurde die Verwaltung vom Umwelt- und Verkehrsausschuss beauftragt, einzelne Punkte des IGU-Fahrradkonzeptes auf Umsetzbarkeit zu prüfen und jeweils beschlussfähig vorzulegen. Eben das hat die IGU nun selber getan, sich dabei eng an ihrem Ursprungspapier orientiert und eine zusätzliche Idee eingefügt. Enstanden sind so vier potenzielle Beschlussvorschläge für vier besonders kritische Situationen. Allerdings, das betont IGU-Mitglied Wilhelm Busse: „Es ist exemplarisch zu verstehen und könnte auf das gesamte Stadtgebiet übertragen werden.“

Das erste konkrete Beispiel nimmt Bezug auf die Einmündung in die Eckernförder Straße aus Loitmark kommend, etwa vom Fitnessstudio „4 Fun Fitness“, wenn der Autofahrer einen Radweg überfahren muss, um auf die Eckernförder Straße einzubiegen. Dieter Rackows Beobachtungen in Kurzform: „Kein Hinweis, keine Markierung, kein Schild.“ Gleichzeitig doppelte Gefahr, weil die Radfahrer an dieser Stelle von beiden Seiten kommen können. Der Lösungsvorschlag sieht daher eine eindeutige Markierung auf der Fahrbahn und mindestens ein „Vorfahrt achten“-Schild vor. Und Wilhelm Busse betont: „Diese Situation betrifft viele Einfahrten in der Stadt.“

Zweites Beispiel betrifft den Radweg zur Jugendherberge, der ebenfalls an der Eckernförder Straße entlangführt und in den Augen der IGU viel zu schmal gehalten ist für die Masse an Radfahrern, der er gerecht werden muss. Busse sagt: „Die Verwaltung müsste die Grundstücksgrenzen überprüfen. Auf diese Weise könnte der Radweg eventuell ganz leicht verbreitert werden.“ Wünschenswert sind mindestens drei Meter. Wahlweise könne die Straße auch halbseitig zur Fahrradstraße erklärt oder aber auf der gegenüberliegenden Seite der Jugendherberge um eine Spur verbreitert werden, um so eine Fahrbahn ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen.

Beispiel drei und vier hat eine klare Ost-West-Trasse zum Ziel, mit der die IGU den Schülerverkehr von Ellenberg zur Gemeinschaftsschule und zum Gymnasium steuern, aber eben auch Urlauber auf dem Rad in die Stadt lotsen will. Entscheidend ist dabei die Ausweisung der Feldstraße als Fahrradstraße und das vom Zob bis zur Einmündung Arnisser Straße. Schwierig könnte es derweil am Parkplatz zwischen Hohlweg und Arnisser Straße werden, den viele Radfahrer nach Beobachtungen der IGU nutzen, weil es auf dem eigentlich vorgesehenen rot geklinkerten Weg oft eng wird. Den Lösungsansatz, den die IGU, genauer Wilhelm Busse, dafür ersonnen hat, nennt Dieter Rackow mit einem Lächeln „echt revolutionär“: Entweder ein neu zu errichtender Radweg führt über die Grünfläche, die südlich des Parkplatzes verläuft. Oder – und das ist das „Revolutionäre“ – die Radfahrer werden nördlich des Parkplatzes hinter der roten Mauer entlang geleitet. Busse sagt: „Das wäre eine Frage des Grundstückserwerbs.“

Und schließlich noch etwas Generelles, was Dieter Rackow anspricht. „Der Zustand der Radwege ist wirklich das Allerletzte.“ Das gelte nebenbei auch für die Wegführung zum Ostseeresort beziehungsweise zum Weidefelder Strand, wo Wilhelm Busse an einem Tag im vergangenen Sommer 250 Räder gezählt hat. Er sagt: „Wir reden nicht nur über unsere Bürger, sondern auch über unsere Gäste.“ Und viele davon kommen nach Schleswig-Holstein, um Rad zu fahren. Gerade für Touristen wäre eine eindeutigere Beschilderung hilfreich. Busse sagt: „Ich wäre bereit, in die Pläne der Stadt die Radwege einzutragen.“

Jetzt aber geht es erst einmal darum, das Fahrradkonzept endlich in die Umsetzung zu bekommen. Vier Hauptthemen hat sich die IGU herausgegriffen, vier Lösungsvorschläge erarbeitet, die nun in politische Beschlussvorlagen umgearbeitet werden könnten. Wie lange das dauert? Dieter Rackow lächelt als er sagt: „Vielleicht müssen wir darauf warten, dass in der Verwaltung jemand dafür zuständig ist, der selber gerne Rad fährt.“

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erstellt am 18.Mär.2017 | 11:30 Uhr

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