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Schlei-Bote

10. Dezember 2016 | 19:36 Uhr

Kunsthaus Hänisch Kappeln : „Eine Umarmung mit den Augen“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehr als 100 Gäste waren bei der Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Hänisch dabei. Gezeigt werden Bilder von Frauke Gloyer.

Was Nikolaus Störtenbecker eigentlich sagen wollte, schwang ziemlich offensichtlich zwischen den Zeilen mit. Der Maler aus Munkbrarup fand in seinen einführenden Worten anlässlich der gestrigen Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Hänisch zwar immer wieder zu aufschlussreicher Sachlichkeit zurück. Das Ungesagte allerdings war mindestens ebenso aussagekräftig. Nikolaus Störtenbecker war der Malerei von Frauke Gloyer im besten Sinne verfallen. Davon zeugte vor mindestens 100 Besuchern seine authentische Begeisterung, die er nicht einen Moment lang verhehlte. Bis zum 25. September können sich Interessierte selbst davon überzeugen, ob diese Hingabe gerechtfertigt ist, so lange ist Gloyers „Land zwischen Wolken und Meer“ zu sehen.

Von „sehr verlockend“ über „hat mich umgehauen“ bis hin zu „unglaublich gut“ – Nikolaus Störtenbecker legte seine seit den 80er-Jahren währende Freude an Frauke Gloyers Malerei schnell offen. In einer Ausstellung in Flensburg ist er erstmals mit ihren Bildern in Berührung gekommen und entdeckte dort jemanden, der ganz ähnlich wie der Norddeutsche Realist Störtenbecker selber, „gegenständlich genau“ malt. „In Frauke Gloyers Bildern zeigt sich eine geschmeidige Malerei“, sagte Störtenbecker gestern, „sicher in der Schilderung des Details“. Gloyer selber malt aus Überzeugung unter freiem Himmel; Störtenbecker benutzte dafür die vielleicht etwas pathetische, aber zugleich fast zärtliche Beschreibung: „Die Freilichtmalerei ist die heftigste, verzweifeltste und liebevollste Umarmung einer Sache mit den Augen.“ Und Frauke Gloyer ergänzte: „Das, was ich sehe, ist mein Anstoß. Daraus kann etwas Wichtiges und auch ganz Eigenes entstehen. Anders kann ich mir gar nicht vorstellen zu arbeiten.“ Störtenbecker jedenfalls erkannte in Gloyers Bildern keine lähmende Bedeutungsschwere, stattdessen eine „leichte Kunst“, für die aber dennoch gelte: „Was die Bilder erzählen können, ist beachtlich.“

Die Bilder, die im Kunsthaus hängen, erzählen vor allem von Frauke Gloyers großer Leidenschaft für ihre Heimat und ihre Landschaft. Raps, Nordsee, Schwäne, Schilf, Fischkutter, Strand, Deich – die klassischen und so vertrauten Elemente ihres Zuhauses finden sich in der Mehrzahl ihrer Bilder. Besonders viel Kraft kommt dabei nicht selten dem Himmel und den Wolken zu, über deren Darstellung Gloyer intensive Stimmungen erzeugt. Gestern sagte sie dazu: „Es ist wohl meine Faszination darüber, dass die Natur so stark ist, die daraus spricht.“ Wasser, Luft, beide Elemente im Zusammenspiel – „und auf einmal fühlt man sich als Mensch ganz klein“, resümierte Gloyer.

Zu ihrem „Land zwischen Wolken und Meer“ gehören allerdings auch noch einige Stillleben sowie Blumen- und Tierdarstellungen. Gerade über Letztere sagte Nikolaus Störtenbecker: „Es gibt einige Kritiker, die diese Bilderwelt nicht für ganz echt halten. Die wissen aber nicht, wie Frauke Gloyer lebt.“ Nämlich in einer alten Kate mitten auf einem Deich in Nordfriesland, und da gehören Schafe, Krähen oder Krabben eben praktisch zu den Mitbewohnern einer Idylle, die vor Motivfülle nur so zu schreien scheint. Einen kleinen Ausschnitt davon zeigt das Kunsthaus Hänisch. Und vielleicht klappt es ja auch mit der ein oder anderen Umarmung.

> „Land zwischen Wolken und Meer“, bis 25. September, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet

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erstellt am 18.Jul.2016 | 07:00 Uhr

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