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Gemeinschaftsschule an der Schlei : Ein offenes Ohr für Schülersorgen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die „Seniorpartners in School“ helfen den Kindern und Jugendlichen, ihre Konflikte im Schulalltag zu lösen.

Vier Jahre war Dittmer Heil „Seniorpartner in School“ („SiS“) an der Gemeinschaftsschule an der Schlei. Nun steht ein Umzug an, und er muss im Sommer aufhören. Ein Nachfolger für die anspruchsvolle, aber schöne ehrenamtliche Arbeit wird dringend gesucht. Seit 2010 gibt es „SiS“ in Schleswig-Holstein. Vor vier Jahren hat Dittmer Heil das Projekt Schulleiterin Britta Pichatzek vorgestellt. „Und sie war gleich ganz angetan“, erinnert er sich. Die Seniorpartner werden zu Mediatoren ausgebildet. Die meisten von ihnen haben ihr Arbeitsleben bereits hinter sich gelassen und wollen Kindern und Jugendlichen mit ihrer Lebenserfahrung bei der gewaltfreien Lösung der Konflikte im Schulalltag helfen. Dabei geht es nicht darum, den Schülern die Lösung zu präsentieren, sondern eher darum, ihnen einen Weg zu den eigenen Ressourcen und Kompetenzen aufzuzeigen und sie vielleicht noch ein Stück darauf zu begleiten.

Dittmer Heil ist von Anfang an dabei gewesen, zunächst mit einem männlichen Kollegen. Seit zweieinhalb Jahren bildet er zusammen mit Marlies Zschoyan ein Team. Jeden Dienstag von 9 bis 13 Uhr sind sie an der Gemeinschaftsschule in ihrem Mediatorenzimmer – und ihr Terminkalender ist voll: Sie sind ausgebucht. „Der Bedarf ist da“, bestätigt Heil.

„Wir sind für euch da“, steht an der Tür. Eine Unterrichtsstunde lang nehmen sich die beiden Zeit für die Kinder, die freiwillig zu ihnen kommen, weil sie Hilfe brauchen. In irgendeiner Form. „Manchmal ist es schubsen, hauen, auslachen – alles, was im Miteinander passiert“, beschreibt Zschoyan. „Und manchmal wirkt der Konflikt so harmlos, und dann kommen Dinge ans Tageslicht, von denen wussten die Kinder vorher selbst nicht, dass sie uns das sagen würden“, beschreibt sie weiter. Dann ist es oft mit einer Stunde nicht getan, und ein neuer Termin wird vereinbart. Die meisten Kinder, die zu den Mediatoren kommen, gehen in die fünfte und sechste Klasse. Danach wird es immer weniger. „Dann sind sie oft schon gefestigter“, sagt Heil. Ganz wichtig dabei ist, dass die Gespräche streng vertraulich sind und in der Regel in den vier Wänden des kleinen Zimmers bleiben. Wenn es aber zu ernst wird, womöglich sogar das Kindeswohl in Gefahr sein könnte, geht ein Hinweis über die Lehrer an die Sozialarbeiter, die ebenfalls an der Gemeinschaftsschule im Einsatz sind. „Wir sind hier noch zusätzlich – der Bonbon obendrauf. Wie Oma und Opa, die sich Zeit nehmen und die nichts mit Schule an der Backe haben“, sagt Zschoyan und lacht. „Ach, ihr seid wie die Feuerwehr“ – das haben Schüler zu ihnen gesagt.

Ein Mann – eine Frau: Das war ein gutes Team, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen zu können. Und deshalb wünscht sich Zschoyan einen neuen Seniorpartner. Aber sie kann sich auch die Zusammenarbeit mit einer Frau gut vorstellen. Nur zu zweit sollte man im Mediatorenzimmer schon gern sein: Die Gespräche werden dokumentiert. „Und manchmal klopft es an der Tür, und es muss sofort geholfen werden“, beschreibt sie.

Empathisch und zuverlässig sollte der neue Seniorpartner sein: Er muss Lust haben, mit Kindern zu arbeiten und bereit sein, die Zeit zu investieren. „Es lohnt sich“, sind die beiden sich einig. „Manchmal ist es hart, aber es macht Spaß und Freude. Wenn man sieht, dass die Kinder die Hilfestellung umsetzen können, ist es ein Erfolg“, berichtet Heil. Auch die Wertschätzung, die man erfahre – durch die Kinder, aber auch durch das Kollegium, die Sozialarbeiter und die Schulleitung, die komplett hinter dem Projekt steht – tue gut. „Wenn ich nicht wegziehen würde – dann würde ich weiter machen.“

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erstellt am 10.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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