zur Navigation springen

Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 03:09 Uhr

40-jähriges Dienstjubiläum bei der Cremilk : „Ein Arbeitgeber fürs Leben“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Von der Ausbildung bis zur Rente: Vier Beschäftigte der Cremilk feiern ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Heutzutage sind Betriebsjubiläen von 40 Jahren schon eher eine Seltenheit. Bei der Kappelner Cremilk, einem Hersteller von Säuglingsmilchnahrung und Kaffee-Milch-Mischgetränken, gibt es in diesem Jahr nun gleich vier Betriebsjubiläen dieser Art. „Das kommt wirklich nicht jedes Jahr vor“, räumt Geschäftsführer Jens Ramsl ein. Doch vor zwei Jahren gab es schon einmal diesen Fall, und im nächsten Jahr werden wohl wieder vier von 200 Beschäftigten ihr 40-jähriges Dienstjubiläum bei der Cremilk feiern. Ansprochen auf die vielen Dienstjahre seiner Mitarbeiter meint Ramsl: „Ja, die Cremilk ist schon ein Arbeitgeber fürs Leben.“ Jetzt sitzt Ramsl mit drei seiner Jubilare an einem Tisch, der vierte ist im Urlaub.

In dem Unternehmen herrscht nicht zuletzt aufgrund dieser langen Betriebszugehörigkeiten so etwas wie eine familiäre Atmosphäre . Da gibt es in der Freizeit einen Tischtennisverein und Kegelrunden der Cremilkmitarbeiter. Für Roswitha Schramm hat die familiäre Atmosphäre in der Cremilk noch eine besondere Bedeutung. Schon Oma und Vater der mittlerweile 59-Jährigen haben dort lange gearbeitet. „Angefangen habe ich als Aushilfe im Büro, daraus sind dann 40 Jahre geworden“, sagt Schramm und lächelt selbst etwas ungläubig. Später kommt sie in die Elektronische Datenverarbeitung (EDV), heute arbeitet sie in der Buchhaltung und ist seit fast 30 Jahren auch Betriebsratsmitglied. In der Cremilk wird sie wohl bis zum Ende ihrer Berufstätigkeit bleiben. Von der Ausbildung bis zur Rente – keine ungewöhnliche Cremilk-Karriere. Übrigens: Ihre Familienmitglieder hat Roswitha Schramm in Sachen Betriebszugehörigkeit längst überholt.

Vor einem Monat hat Uwe Stamer sein 40-jähriges Betriebsjubiläum begangen. Zu Beginn seines Berufslebens bricht er eine Lehre als Landmaschinenschlosser ab, dann ist er bei der Stadt beschäftigt, aber nach der Fusion von Kappeln und Kopperby war sein Posten besetzt. Der Job ist mehr zu Stamer als er zu ihm gekommen. „Ich wusste damals nicht so richtig, was ich wollte“, sagt der heute langjährige Präsident der Nestlé-Tischtennisgruppe. Beim Milchwerk ist er erst Reinigungskraft, dann in der Füllerei, wo die Getränke abgefüllt werden. Zwischenzeitlich ist Stamer auch Heizer und landet schließlich in der Mischerei, wo die Produkte gemischt werden. Stamer kann sich erinnern, wie das Unternehmen noch Zitronen-, Hibiskus oder Fencheltee herstellte – allesamt schon längst aus dem Sortiment der Cremilk verschwunden. Wie die anderen drei Kollegen hat der 60-Jährige sechs Geschäftsführer und einen kommissarischen Geschäftsführer und dazu vier Firmenbezeichnungen erlebt. Denn die Cremilk heißt zunächst Allgäuer Alpenmilch, dann Nestlé, dann Schleswiger Milchwerk und schließlich eben Cremilk. Nach seinem Höhepunkt in der Dienstzeit befragt, antwortet Uwe Stamer sofort: „Dass wir das Werk erhalten konnten, das war das Größte.“

1998 wollte der Nestlé-Konzern das Werk an der Schlei schließen. Doch die Mitarbeiter – unterstützt von dem damaligen Geschäftsführer, dem Betriebsrat und der Kappelner Kirche – kämpften um ihr Unternehmen, schrieben wöchentlich Briefe, und pflanzten einen Apfelbaum vor der Frankfurter Zentrale. Das bekam Jan Beernd Rothfos, Eigentümer der Cafea-Gruppe, mit und war beeindruckt. Im Mai 1999 übernahm die Cafea-Gruppe das Kappelner Werk und ist bis jetzt deren alleinige Eigentümerin. Heute verarbeitet das Unternehmen 55 Millionen Kilo Milch im Jahr, die es von 70 Lieferanten in der Region bezieht oder als Biomilch ankauft. Dabei schreibt die Cremilk einen Jahresumsatz von 64 Millionen Euro.

„Der Kampf um den Erhalt der Firma hat uns Mitarbeiter zusammengeschweißt“, meint Eberhard Weiss. Auch Weiss ist mehr durch Zufall bei dem Werk gelandet. Seine Zeit bei der Marine war abgelaufen, er arbeitet zunächst in einer Kunstschmiede in Winnemark. Dann hat er eine Woche lang als Aushilfskraft in der Packerei der späteren Cremilk gearbeitet. Der damalige Technik-Chef bekommt mit, dass Weiss von Beruf Werkzeugmacher ist und stellte ihn vor 40 Jahren in der Schlosserei an. Später kommt er in die sogenannte Dosenfabrik und steigt bis zum Schichtführer auf. Bald wird der 63-Jährige in Rente gehen.

Passend für so ein familiäres Unternehmen vergleicht Geschäftsführer Jens Ramsl die lange Betriebszugehörigkeit der Beschäftigten mit einer Ehe. „Wir haben es wie in der Ehe in guten und schlechten Zeiten miteinander ausgehalten“, sagt er. In den altgedienten Mitarbeitern sieht der Geschäftsführer einen Vorteil für die Cremilk: „Mit ihrem langjährigen Wissen geben sie mir die Sicherheit, dass die Erfahrung in dem Unternehmen bleibt.“

Trotz der vielen langen Betriebszugehörigkeiten steht kein Generationenwechsel im Unternehmen an. „Wir beobachten das schon länger“, sagt Geschäftsführer Ramsl. Durch Übernahmen von Auszubildenden habe man die Lücken gut gefüllt. Und für die Neuen gilt, was schon für die „Alten“ galt: Sie verlassen selten das Unternehmen – fast wie in einer Familie.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Sep.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen