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Schlei-Bote

02. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Kappeln : Druck auf die Dampfeisenbahn wächst

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Gesellschaft droht in diesem Jahr ein negatives Betriebsergebnis. Stadt lehnt Bitte um sofortige Auszahlung von 20.000 Euro ab.

„Na, da sind wir ja schon bei Punkt neun, das ist ja rekordverdächtig“, sagte Axel Langkowski (CDU) im Ausschuss für Wirtschaft und Touristik. „Doch jetzt kommt ja noch die ,never ending story’“, fügte der Ausschussvorsitzende hinzu. Mit der niemals endenden Geschichte war die Angelner Dampfeisenbahn gemeint und die hielt, was Langkowski sich von ihr versprach, nämlich viel Diskussionsstoff. „Wie es weitergeht mit der Dampfeisenbahn, ist mit einem großen Fragezeichen versehen“, so Langkowski. Der Kreis habe noch keine Aussage dazu gemacht, „aber der Flurfunk sagt, der Kreis wird sich von den Schienen trennen“, sagte der Ausschussvorsitzende.

Peter Boltz (CDU) fragte, ob die Gesellschaft schon die von der Stadtvertretung für 2017 beschlossenen 20.000 Euro Zuschuss angefordert habe. Langkowski bestätigte, dass bei der Stadtverwaltung ein Eilschreiben eingegangen sei mit der Bitte, die 20  000 Euro innerhalb von zehn Tagen zu überweisen. „Doch die Stadtvertretung hatte beschlossen, diese Summe erst ab 2017 unter Auflagen zu zahlen“, so der Ausschussvorsitzende. Dabei verwies Langkowski darauf, dass in diesem Jahr bereits 8000 Euro gezahlt worden seien. Die 20.000 Euro ab dem Jahr 2017 seien vorbehaltlich der Gesamtfinanzierung sowie der Räumung des dritten Schienenstranges am Südhafen beschlossen worden. Zum Eilschreiben der Dampfeisenbahn sagte er: „So ein Schreiben aufzusetzen, halte ich schon für gewagt, wenn nicht für dreist.“

Nur wenig später betrat der Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn gGmbH, Iver Andreas Schiller, den großen Sitzungssaal im Rathaus. Zu den angeforderten 20.000 Euro sagte er: „Es ging damals um die Finanzsituation 2016, daher bin ich davon ausgegangen, dass das Geld auch in diesem Jahr fließt.“ Zudem habe man 50.000 Euro in die Infrastruktur investiert, um die Strecke instand zu halten. „Wenn die 20.000 Euro nicht fließen, dann wird in der Gesellschaft in diesem Jahr ein Verlust entstehen. Das wollten wir vermeiden“, so Schiller. Und was die Auflagen angehe, sei man voll im Plan. So habe man Interessenten für Fahrzeuge gefunden, um den dritten Schienenstrang räumen zu können, „Und zur Bedingung der Gesamtfinanzierung: Wenn wir die 20.000 Euro erhalten, dann ist auch die Gesamtfinanzierung gesichert.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Moll wandte ein, mit dem Vorbehalt der Gesamtfinanzierung sei nicht die der Eisenbahn, sondern die Unterstützung von Kreis und Gemeinden gemeint. „Wir können unseren eigenen Beschluss doch nicht ad absurdum führen. Die Anderen müssen auch zahlen“, sagte Moll und sah dabei den Kreis als Eigentümer der Strecke in der Verantwortung. „Das ist eine absolute Hängepartie.“

Der Geschäftsführer der Dampfeisenbahn betonte wiederum: „Hätten wir diese Investitionen nicht getätigt, dann hätten wir den Betrieb nicht aufnehmen können.“ Moll beeindruckte das wenig: „Solange der Eigentümer sich nicht bewegt, fließt kein Geld.“ Oder man müsse einen neuen Beschluss fassen, dass die 20.000 Euro unabhängig von den anderen Seiten fließen. „Eine andere Möglichkeit haben wir nicht, und ich glaube nicht, dass so ein Beschluss zu Stande kommt“, meinte Moll.

Beim Kreis deutet vieles auf einen Ausstieg aus der Förderung. Landrat Wolfgang Buschmann sagte gestern, dass die Verwaltung ein Konzept zur nachhaltigen Sicherung der Museumsbahn oder aber zum geordneten Ausstieg des Kreises entwickeln solle. Im letzteren Fall würde der Kreis die Museumsbahn dann wohl mit einer Mitgift verabschieden. „Niemand will die Dampfeisenbahn abwickeln, doch die Möglichkeiten, sie auf Jahre zu finanzieren, sind begrenzt“, so Buschmann.

Das Interesse der Anrainergemeinden, die Schienen zu übernehmen, sei aber nicht da. Der Eigentumswechsel spiele ohnehin eine untergeordnete Rolle. „Wichtig ist, dass man das Geld zusammenkriegt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Auf den Hinweis, dass die Gemeinden auf eine Finanzspritze des Kreises warten, sagte Buschmann: „Jeder hat Angst, dass durch sein Votum der erste Schlussakkord für die Bahn gespielt wird; denn eigentlich finden alle die Bahn gut.“ Da schiebe dann einer die Verantwortung auf den Anderen. Im Kreistag klärten derzeit die Fraktionen ihre Positionen ab. Buschmann: „Meine Wahrnehmung ist, dass die Förderleistung des Kreises endlich ist ebenso wie der Zeitraum dieser Förderung.“ Mit anderen Worten: Für den Kreis soll die Museumsbahn keine „never ending story“ werden.  

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erstellt am 09.Okt.2016 | 10:45 Uhr

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