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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Kappeln : Drohnenflug über Dothmark

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Ingenieurbüro aus Itzehoe erfasst mit einer Vermessungsdrohne den Straßenzustand aus 40 Metern Höhe.

Das Zeitfenster ist eng bemessen. Maximal 20 Minuten, abzüglich Start und Landung – länger kann Siegfried Beese seine Vermessungsdrohne kaum in der Luft halten. Schuld ist der Akku, den die Drohne schnell an seine Kapazitätsgrenze bringt. Zum zweiten Mal sind Beese und sein Kollege Janek Reese vom Ingenieurbüro ISP aus Itzehoe in Dothmark unterwegs, um im Auftrag der Stadt den Zustand der Straßen zu erfassen – und zwar aus 40 Metern Höhe.

Treffpunkt Fritz-Reuter-Straße  /  Ecke Friedrich-Hebbel-Straße. Siegfried Beese und Janek Reese sind leicht zu erkennen an ihren neongelben Warnwesten, noch leichter allerdings an diesem knapp fünf Kilo schweren schwarzen Gebilde mit sechs Armen, sechs Rotoren und leuchtend gelbem Kopf. „Wir werden schon hin und wieder angesprochen“, sagt Beese. „Aber eigentlich nur positiv.“ Fast erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Drohnen in diesen Zeiten nicht unbedingt ein ausnahmslos guter Ruf vorauseilt. Zu groß ist die Sorge vor dem Verlust der Privatsphäre, zu ausgeprägt der Wunsch nach Datenschutz. Beese hat Verständnis dafür. „Die Angst vor Überwachung kann ich nachvollziehen“, sagt er und versichert: „Uns interessieren die Straßen und die Fußwege. Unsere Drohne fotografiert sehr gezielt bis maximal an die Grenze zum Vorgarten.“

Unter der Vermessungsdrohne nämlich hängt eine Digitalkamera. Auf einer Art Schaukel, Beese spricht von Sattel, kann sie ausgerichtet werden und liefert qualitativ hochwertige Fotos. Vor jedem Start tauscht Beese den Akku, er kontrolliert die Propeller und sämtliche Anschlüsse. „Nichts wäre schlimmer, als wenn die Drohne irgendjemanden verletzt“, sagt er. Gleichwohl ist die Gefahr abzustürzen gering. Das Gerät sendet Warnsignale aus, wenn der Akku nachlässt und setzt im Zweifel zu einer automatischen Landung an. Im Normalfall allerdings übernimmt Siegfried Beese Start und Landung selber. Erreicht die Drohne ihre Flughöhe, startet er zunächst eine 360-Grad-Umdrehung. Auf diese Weise kann er 40 Meter weiter unten auf dem Bildschirm seiner Steuerungseinheit erkennen, ob oben irgendwelche Hindernisse warten. Danach beginnt die vorher errechnete und programmierte Flugroute – Beese nennt das, fast ein bisschen martialisch, „Mission“. Diese Mission erledigt der Autopilot, Beese achtet dennoch darauf, den Blickkontakt zur Drohne nicht zu verlieren. Die Faustregel: Je mehr Richtungswechsel eine Mission von der Drohne erfordert, desto aufwendiger ist die Programmierung.

14 solcher Missionen wird die Drohne am Ende über Dothmark geflogen sein, mehr als fünf täglich will Siegfried Beese sich und seinem Kollegen nicht zumuten. „Irgendwann lässt die Konzentration nach, und der Stress nimmt zu“, sagt er. Keine gute Kombination im Drohnenflug, denn, so der Experte: „Sicherheit geht vor.“ Bis Anfang nächster Woche will er alle Daten gesammelt haben, dann beginnt die Arbeit am Rechner. Liefern kann das Itzehoer Ingenieurbüro schließlich sogenannte Orthofotos, also maßstabsgetreue Abbildungen der Oberfläche, bei Bedarf aber auch Höhenraster, Panoramabilder oder ganze digitale Geländemodelle. Die Drohne könnte sogar weit über die 40 Meter hinaus fliegen. Erst in der vergangenen Woche musste Siegfried Beese in Wilster mit einem 52 Meter hohen Kirchturm zurechtkommen – und ließ die Drohne mal eben auf 80 Meter steigen.

Nötig für das Fliegen einer solchen Drohne im öffentlichen Bereich ist eine Fluglizenz, vor deren Erwerb jede Menge Theorie und Praxis geschaltet sind. Missionen wie die in Kappeln sind zudem immer bei Ordnungsamt und Polizei angemeldet. Die Bedingungen in Dothmark sind derweil dank des nur sporadischen Durchgangsverkehrs fast optimal für einen Vermessungsflug, einzig der Wind macht der Drohne etwas zu schaffen. „Eine Windgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde hält sie aus“, sagt Siegfried Beese. Gestern Vormittag klemmt nur einmal kurz der Sattel der Kamera. Das kostet die beiden Experten zwar eine Akku-Ladung, weil es erst nach dem Start auffällt. Aber bei diesen idealen Bedingungen, die Dothmark liefert, hängen sie beim nächsten Besuch eben einen weiteren Flug dran. Bis sie sagen können: „Mission erfüllt.“

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erstellt am 01.Jun.2016 | 07:15 Uhr

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