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Schlei-Bote

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

VHS Kappeln : Die Volkshochschule steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kein Geld, kein Nachwuchs: Der Vorstand des Trägervereins beendet seine Tätigkeit zum Jahresende.

Das Wunder ist ausgeblieben. Die Kappelner Volkshochschule (VHS) wird es aller Voraussicht nach mit Ablauf dieses Jahres nicht mehr geben. Das zumindest ist der Stand der Dinge, den die drei Vorstandsmitglieder Swantje Kretschmann, Christina Kohla und Volker Ramge jetzt so deutlich formulierten. Allerdings stirbt, um ein bekanntes Sprichwort zu bemühen, die Hoffnung zuletzt: Selbst wenn der Trägerverein in etwas weniger als vier Monaten nicht mehr existieren sollte, laufen im Hintergrund Bemühungen, die VHS und den Auftrag, der sie ausmacht, auf andere Weise am Leben zu erhalten.

Das Problem ist seit Langem bekannt, und mindestens genauso lange kämpft der VHS-Vorstand darum, es zu lösen: Es fehlt an Nachwuchs für die Vorstandsarbeit. Immer wieder ist die Vorsitzende Swantje Kretschmann daher stellvertretend für den Vorstand nach vorne getreten und hat um Unterstützung und mittelfristig auch um Ablösung gebeten. Genutzt hat es nicht. Im fünften Jahr der Vorstandsarbeit wurde zudem ein zweiter Aspekt immer deutlicher: „Eine VHS dieser Größenordnung ehrenamtlich zu leiten, funktioniert eigentlich gar nicht mehr“, sagt Kretschmann. Zumindest dann nicht, wenn man, was für sämtliche Vorstandsmitglieder zutrifft, voll berufstätig ist. Dritter Knackpunkt ist, auch das überrascht nicht, die finanzielle Lage. Im vergangenen Jahr verlor die VHS zwei langjährige Kursangebote, die mit einer regelmäßig großen Teilnehmerzahl aufwarten konnten. „Dieses Loch konnten wir nicht stopfen“, sagt Kretschmann. Auch nicht mit den 5000 Euro, die die Stadt als jährlichen Zuschuss bereitstellt – und über die Kretschmann sagt: „Wenn man das mit anderen Volkshochschulen vergleicht, ist die Summe eher gering.“ Zudem ist es mit den Jahren immer schwieriger geworden, Unterrichtsräume für die VHS-Kurse zu finden.

Alle vier Punkte, jeder einzelne prekär genug, waren bereits im Vorfeld der jüngsten Mitgliederversammlung im vergangenen März bekannt, ungeachtet dessen waren damals nur 13 stimmberechtigte Mitglieder von möglichen 75 erschienen. Ein Umstand, der Christina Kohla enttäuscht. „Wir fühlen uns von unseren Mitgliedern im Stich gelassen“, sagt sie. Auch auf das Schreiben, in dem der Vorstand vor Kurzem die aktuelle Situation ausführlich schilderte und eindeutig betonte, „die Tätigkeit zum Ende des Jahres 2016 zu beenden“, habe es bis auf zwei Ausnahmen keine Reaktionen gegeben. Dabei ist der erste Schritt hin zum Ende bereits getan: Der Mietvertrag für das VHS-Büro in der Mühlenstraße ist zum Jahresende gekündigt. Auch deshalb sagt Volker Ramge: „Wenn man es genau nimmt, ist die VHS tot.“

Ohne es noch genauer nehmen zu müssen, sind Frust und Enttäuschung beim Vorstand fast greifbar. Christina Kohla etwa sagt: „Es ist eine Frechheit, dass wir ins Bewerberverfahren für die Räume in der Förderschule hineinmüssen. Alle bestätigen uns, dass sie uns und unsere Arbeit wollen, aber wenn wir Ansprüche stellen, etwa bei Räumen, spielt das plötzlich keine Rolle mehr.“ Kohla spricht davon, dass das Ehrenamt grundsätzlich Gefahr laufe, ausgenutzt zu werden, davon, dass die Motivation drastisch sinke, wenn die Perspektive fehle, davon, dass von anderer, offizieller und auch gesellschaftlicher Seite Verantwortung nötig sei, will man nicht ehrenamtlich Tätige verheizen. Und sie sagt auch: „Will man die VHS nicht sterben lassen, muss man jetzt sofort in die Puschen kommen.“

Überlegungen dazu gibt es bereits, konkrete Taten derweil noch nicht. So kündigt der Vorstand Verhandlungen mit der VHS Schleswig an, um abzuklopfen, ob die Kappelner VHS in der Schleswiger aufgehen könnte. Swantje Kretschmann sagt: „Dann gibt es vielleicht den Standort Kappeln noch, aber die Identität fehlt.“ Auch die schon im März geäußerte Idee, die VHS in städtische Trägerschaft zu überführen, ist noch nicht vom Tisch.

Nach den Worten von Bürgermeister Heiko Traulsen soll auch das – neben der Übernahme durch die Schleswiger VHS – geprüft und von der Politik beantwortet werden. „Die VHS ist eine ganz wichtige Einrichtung“, sagt Traulsen. „Und es würde mir wirklich leid tun, wenn sie nicht zu retten ist.“ Eine Erhöhung des städtischen Zuschusses hält er dennoch für schwierig, „weil dann auch andere Vereine Ansprüche anmelden könnten“.

Seit 1952 fungiert die Kappelner VHS als eingetragener Verein. Nach 64 Jahren droht der ehrenamtlichen Erwachsenenbildung das Aus. Das Wunder wäre ihr zu wünschen gewesen.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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