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Schlei-Bote

31. Juli 2016 | 02:15 Uhr

Kappeln : Die VHS braucht ein Wunder

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Volkshochschul-Verein will mit der Stadt über einen Trägerwechsel verhandeln.

Die Kappelner Volkshochschule (VHS) steht vor einem äußerst entscheidenden Jahr. Diese Zeit nämlich will sich der Verein geben, um festzuzurren, wohin die Reise der etablierten Bildungseinrichtung geht: Weiter mit neuem Vorstand? Überführung in eine neue Trägerschaft? Auflösung? Eins nämlich ist klar: Der aktuelle Vorstand, der die VHS vor gut vier Jahren übernommen hat, möchte seine Aufgaben weitergeben, hatte das in der Vergangenheit auch schon mehrfach angekündigt und intensiv nach Nachfolgern gesucht – bislang erfolglos.

Trotz eines eindringlichen Aufrufes in der Einladung zur diesjährigen Hauptversammlung waren lediglich 13 Stimmberechtigte von möglichen 75 erschienen. Ihnen legte Vereinsvorsitzende und VHS-Leiterin Swantje Kretschmann zunächst dar, dass die beiden Mitarbeiterinnen im VHS-Büro, Anke Hansen und Bärbel Henrich, ausgeschieden sind und Katrin Pettke zum Jahresbeginn deren Job übernommen hat. Mit Blick auf das Unterrichtsjahr 2015 hat die VHS nach Kretschmanns Angaben 187 Kurse angeboten, von denen 123 stattfanden. 1061 Anmeldungen lagen dazu vor, 1039 Teilnehmer machten tatsächlich mit. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Zahlen Beleg für einen deutlichen Einschnitt: 2014 hatte die VHS noch 261 Kurse im Angebot (198 davon fanden statt) und zählte 1765 Anmeldungen (davon 1659 tatsächliche Teilnehmer). Den Einbruch an Kursangeboten und Teilnehmern knüpfte Kretschmann an den Wegfall von zwei Sportangeboten (Physio-Fitness und Hatha-Yoga), die in der Vergangenheit äußerst gut besucht waren und vor allem mehrfach pro Semester stattfanden.

„Aber der Vorstand hat versucht, aktiver zu werden“, sagte die Vorsitzende. Seit geraumer Zeit hängen Monats-Übersichten der Kurse in mehreren Schaufenster innenstädtischer Geschäfte, es liegen Handzettel in der Bücherei aus, zudem ist die VHS im sozialen Netzwerk „Facebook“ unterwegs. Ungeachtet dessen schlägt sich die Entwicklung auch in der Vereinskasse nieder. Kassenwart Sören Böhlke listete bei den Einnahmen unter anderem 17.150 Euro an Kursgebühren auf. „2014 haben wir noch 35.800 Euro über die Kursgebühren eingenommen“, sagte er. Zwar habe man in diesem Jahr gleichzeitig bei den Kosten der Dozenten gespart – „aber“, so Böhlke, „nicht in gleicher Höhe“. 16.000 Euro hat die VHS im vergangenen Jahr für ihre Lehrenden ausgegeben, außerdem 4000 Euro Miete für ihr Büro in der Mühlenstraße. Insgesamt legte Böhlke für 2015 ein Minus von rund 4700 Euro auf den Tisch, das über die Vereinsrücklage ausgeglichen werden konnte.

Bevor die Anwesenden danach zur Wahl aufgerufen waren, war es Zeit für Grundsätzliches. Schriftführerin Christina Kohla erinnerte zunächst daran, dass man den Vorstand vor vier Jahren übernommen habe, „weil wir nicht wollten, dass die VHS stirbt. Und ich glaube, wir haben sie auch wieder ganz gut in die Spur bekommen.“ Mittlerweile jedoch sei klar, dass die VHS, so wie sie derzeit existiere, „nicht mehr als das Modell der Erwachsenenbildung funktioniert“. Man müsse daher an einem inhaltlichen Konzept arbeiten – „etwas“, das räumte Kohla ein, „das wir in der Vergangenheit nicht so gemacht haben“. Zudem nannte sie die räumliche Situation der VHS „eine Katastrophe“, die vor allem darin begründet sei, dass dem Verein wenig öffentliche Räume zur Verfügung gestellt würden.

VHS-Mitglied Roderich Felsberg sah die Stadt in der Verantwortung, die VHS etwa bei der Raumsuche oder den Kosten für Hausmeister, die für VHS-Veranstaltungen die Schule aufschließen, zu entlasten. Volker Ramge, VHS-Mitglied und Stadtvertreter in Personalunion, betonte den seit Kurzem ausgeglichenen städtischen Haushalt und sagte: „Jetzt ist der Moment da, die Stadt zu fragen, ob sie eine städtische VHS oder eine Amts-VHS möchte.“ Tatsächlich einigte man sich darauf, die zur Wahl stehenden Vorstandsmitglieder Swantje Kretschmann, Sören Böhlke, Christina Kohla, sowie Heidemarie Scheurig, Reinhard Dieckmann und Jördis Könnecke-Sehgal als Beirat zunächst nur für ein Jahr zu wählen. Und mit der 30-jährigen Kulturwissenschaftlerin Sarah Brüning fand sich auch noch eine neue zweite Vorsitzende als Ersatz für Könnecke-Sehgal, die aus beruflichen Gründen ihr Amt zur Verfügung stellte. Gleichzeitig gaben die Mitglieder ihrem Vorstand den Auftrag, in Verhandlungsgespräche mit der Stadt einzutreten, um die Zukunft der VHS zu klären.

Zum Schluss stimmten die Anwesenden mehrheitlich für eine Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrags von 12 auf 20 Euro. Und mit Elke Härtel und Frank Scheurig (je 20 Jahre) sowie Heidemarie Scheurig (23 Jahre) ehrte der Vorstand drei langjährige Mitglieder. Volker Ramge fasste schließlich gegen Ende die Situation der VHS noch einmal zusammen: „In einem Jahr sehen wir uns wieder – entweder zur Auflösungsversammlung oder zur Übernahme durch die Stadt oder zu einem Wunder.“

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erstellt am 24.Mär.2016 | 07:30 Uhr

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