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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Kappeln : Der Trend geht zum pflegeleichten Grab

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die veränderte Bestattungskultur sorgt auch in Kappeln für weniger Einnahmen. Noch plant die Friedhofsverwaltung keine Gebührenerhöhung.

Kappeln | Die Zahl der Bestattungen sinkt, und die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Wo früher das herkömmliche Erdgrab üblich war, geht heute der Trend zu pflegeleichteren Gräbern, weil viele Menschen ihren Hinterbliebenen die Grabpflege nicht mehr zumuten oder die Bestattungskosten gering halten wollen. Anonyme und halbanonyme Bestattungen, Baumgräber oder Seebestattungen – viele entscheiden sich für alternative Modelle. Eine Entwicklung, die für viele Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein mit wirtschaftlichen Problemen einhergeht. Denn die Verschiebung weg vom Sarg-Grab und hin zur Urne wiegt schwer für die Kirchengemeinden, bleiben viele Grabstellen doch ungenutzt. Sie stehen vor der Herausforderung, ihre Friedhöfe zu erhalten. „Wir haben hier noch nicht so zu kämpfen wie andere Kirchengemeinden“, sagt Pastorin Dr. Gönna Hartmann-Petersen von der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai. „Wir brauchen aber auch gute Ideen.“ Eine erste hat die Kirche schon vor fünf Jahren mit dem Begräbniswald umgesetzt. „Wir haben hier bereits gute Alternativen zur herkömmlichen christlichen Bestattungskultur“, so Hartmann-Petersen. Das Feld des halbländlichen Raumes sei daher gut bestellt.

„Ich stelle eine leichte Tendenz zur Urne fest“, sagt Pastor Jörg Jackisch von der Kirchengemeinde Ellenberg. Die genauen Zahlen kennt Arno Carstensen von der Friedhofsverwaltung, und die geben Jackisch recht: 2006 waren es 33 Prozent Erdbestattungen und 67 Prozent Urnenbestattungen, 2016 sind es bislang 75 Prozent Urnen- und 25 Prozent Erdbestattungen. „In den vergangenen Jahren ist dieses Verhältnis aber relativ konstant geblieben“, so Carstensen. Beim Begräbniswald sei „eine enorme Steigerung“ zu verbuchen. Waren es 2012 noch 13 Gräber, so sind es 2016 bereits 30.

Dennoch: „Es ist eine Einnahmesituation eingetreten, die nicht so ist, wie sie sein könnte“, bilanziert Carstensen. Etwa 4000 Gräber gibt es auf dem Friedhof Kappeln – besetzt sind davon 1400. „Dass nur 30 bis 40 Prozent der Friedhöfe besetzt sind, ist nicht unüblich“, erklärt Carstensen. „Wir müssen auch Reserven vorhalten.“ Wie das Verhältnis zwischen Urne und Erd-Sarg ist, lasse sich derweil nur schwer sagen, weil mitunter auch Urnen auf Erdgräbern bestatten würden, wenn es sich um Familiengräber handele.

Die letzte Gebührenerhöhung war im Mai 2013 von 950 Euro auf 1075 Euro auf 25 Jahre. Der Preis gilt seit 2006 für Urnen- und Erdgräber gleichermaßen. „Das geht nicht nach Quadratmetern wie bei Baugrundstücken“, so Carstensen. „Jeder Friedhofsnutzer nutzt die gesamte Infrastruktur.“ Wie in anderen Branchen auch schlagen bei der Friedhofsverwaltung die Personalkosten am stärksten zu Buche. Derzeit sind fünf Mitarbeiter auf dem Kappelner Friedhof beschäftigt. Auf anderen Friedhöfen würden Stellen gekürzt, nicht neu besetzt oder Arbeiten an Fremdfirmen abgegeben. „Das wollen wir hier nicht“, so Carstensen. „Momentan sieht es so aus, dass wir mit den Einnahmen zurechtkommen und vorerst keine Gebühren erhöhen müssen.“

Was neue Trends oder gar eine Kulturwandel in der Bestattungspraxis angeht, zeigen sich die Kirchengemeinden offen. „Zumindest solange es sich theologisch vertreten lässt und es einen Bezug zum christlichen Glauben gibt“, meint Jörg Jackisch. „Unser Ziel ist es, den Menschen eine würdige Bestattung zu ermöglichen“, sagt Gönna Hartmann-Petersen. Bestattungsevents wie es sie bereits in einigen Großstädten gibt, werde es in Kappeln nicht geben. Hartmann-Petersen: „Wir haben unser christliches Programm. Das ist gut und das trägt.“

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erstellt am 30.Nov.2016 | 05:45 Uhr

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