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Schlei-Bote

05. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Boris Guentel : Den Weltrekord vor Augen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Behindertensportler Boris Guentel will in Kappeln mit einem Liegebike 1000 Kilometer in weniger als 42 Stunden bewältigen.

Das, was Boris Guentel sich vorgenommen hat, klingt wie die Erstbesteigung eines Achttausenders. Wie im Himalaya ist vom Tourteam oder vom Basislager die Rede. Doch tatsächlich will der rollstuhlfahrende Guentel mit seinem neuen Liegebike in Kappeln einen neuen Weltrekord aufstellen: 1000 Kilometer in weniger als 42 Stunden auf einem Rundkurs von Ellenberg nach Olpenitz. Und nicht nur das. Guentel will den Rekordversuch in eine große volksfestartige Integrationsveranstaltung einbinden. Am Pfingstwochenende des nächstes Jahres geht es los.

„Mich haben schon immer Herausforderungen gereizt, an die sich nicht jeder herantraut“, beschreibt der 53-Jährige die Motivation für seinen Rekordversuch. Bereits 2015 hatte Boris Guentel in Kappeln einen Rekord aufgestellt, als er mit einem Handbike von seinem Wohnort Cloppenburg in Niedersachsen bis nach Kappeln fuhr. Für die mehr als 300 Kilometer nonstop benötigte er damals neun Stunden und 55 Minuten reine Fahrzeit. „Doch das jetzt ist noch mal eine völlig andere Hausnummer“, meint der Extremsportler. Immerhin ist diese Strecke gut drei Mal so lang wie die vom Vorjahr. Bisheriger Rekordhalter ist der mittlerweile verstorbene Österreicher Manfred Putz, der die Distanz von 1000 Kilometern in etwas mehr als 42 Stunden schaffte.

Guentel hat sich für seine neue Herausforderung eigens ein neues Fahrrad zugelegt, ein sogenanntes Liegebike. „Dies ist mein neues Arbeitsgerät“, stellt er das Rad auf einer Info-Veranstaltung im Begegnungszentrum vor. Beim Handbike war noch der Rollstuhl an den Antrieb und das dritte Rad angekoppelt. Das Liegebike ist dagegen ein völlig eigenes Sportgerät, das – wie schon der Name verrät – im Liegen gefahren wird. Flach, mit gerade mal acht Zentimetern Bodenfreiheit lassen sich im Liegebike Geschwindigkeiten weit über 50 Stundenkilometer erzielen. Den höheren Speed seines neuen Arbeitsgerätes braucht Guentel aber auch, denn sein Ziel ist es, den 9,1 Kilometer langen Rundkurs in 36 Stunden 111 Mal zu fahren.

Der Rekord ist für den ehemaligen Kappelner, der im vergangenen Jahr auch bei der Abstimmung zum „Mensch des Jahres“ den zweiten Platz belegt hat, jedoch nur schmückendes Beiwerk. „Das soll keine One-Man-Show werden“, so der Ex-Soldat. Dabei schwebt ihm vor, dass andere Radfahrer ihn auf seinen Rundkurs ein paar Kilometer begleiten. Darüber hinaus möchte der 53-Jährige unter Einbeziehung der hiesigen Vereine aus der Veranstaltung ein Volksfest der Integration machen. „Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen, um so Hemmschwellen und Berührungsängste abzubauen“, sagt Guentel.

Für Kappeln als Austragungsort seines Rekordversuches hat sich der ehemalige und bald wohl auch wieder künftige Schleistädter ganz bewusst entschieden. In Schleswig-Holstein sei die Genehmigung solcher Veranstaltungen viel unproblematischer als in Niedersachsen. In Kappeln habe er zudem immer die Unterstützung der Stadtverwaltung gehabt. Diese sichert Rainer Moll als derzeitiger Bürgermeister dem Cloppenburger auch fürs nächste Jahr zu. Und neben den sachlichen Gründen gibt es natürlich auch emotionale Aspekte. „Als ich im vergangenen Jahr am Pierspeicher ankam, war das ein unglaubliches Gefühl. So viele Leute haben mich angesprochen, und ich musste sogar Autogramme geben.“ Kappeln, das unterstreicht Boris Guentel immer wieder, ist eben seine Heimat. Doch bevor er endgültig nach Kappeln zieht, will er noch den Rekord knacken. Aufgrund seines Alters soll es seine letzte sportliche Extrem-Herausforderung werden. Den Rekord zu knacken, wird nicht leicht. Zudem sind auf den 1000 Kilometern auch noch 11  655 Höhenmeter zu bewältigen. Und das übersteigt sogar die Höhe des Mount Everest. 

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erstellt am 23.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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