zur Navigation springen

Schlei-Bote

05. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Matthias Nanz in Kosel : Dem Fischer gehen die Heringe aus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kormorane machen Matthias Nanz das Leben schwer.

Seit mehr als 50 Jahren landet die Fischerfamilie Nanz ihren Fang in Missunde bei Kosel an. Ab 10 Uhr herrscht an ihrer Anlegestelle deshalb immer großes Gedränge. Und der 53-jährige Vollerwerbsfischer Matthias Nanz verkauft das „Silber der Schlei“ direkt von Bord, das dann in mitgebrachten Plastiktüten oder Eimern der Kunden landet.

Doch in diesem Jahr ist die Fangmenge begrenzt. „Alle Fischer haben in diesem Jahr unerhört mit Verbiss von Kormoranen zu tun“, klagt Nanz. Das gelte auch für die Fanggründe von Schleswig und Lindaunis. Nach 7 Uhr morgens sei fast jeder Hering im Netz angebissen. Deshalb müsse er auch einige Kunden ohne Fisch nach Hause schicken. Einige würden ersatzweise einige Butt mitnehmen. Doch für seine Meerforelle, die um die vier Kilogramm wiegt und 30 Euro kosten soll, hat er noch keinen Abnehmer gefunden.

Klaus Buchwald aus Rieseby bekommt um 10.15 Uhr noch seine 40 Heringe, die gebraten und zum Teil in sauer eingelegt werden. Am Tag zuvor war er noch vergebens gekommen. Aber da er in Rieseby wohnt, hat er es nicht so weit und kann es sich leisten, einmal eine Tour umsonst zu machen.

Wolfgang Herde aus Stubbe bekommt die letzten 20 Heringe von heute. „Ich habe früher selber geangelt und komme hierher, weil die Heringe gut sind und ich den Fischer unterstützen möchte,“ sagt er. Denn der Fischer habe keinen leichten Job, der nicht mit dem Freizeitangeln zu vergleichen sei.

Dem widerspricht Nanz nicht. Er startet sein sechs Meter langes offenes Fischerboot morgens um 4 Uhr und fährt zu seinen Fanggründen vor dem Gunnebyer Noor und Goltoft. Dabei orientiert er sich in Dunkelheit und Nebel an Landmarken, die sonst kaum jemand wahrnimmt. Früh im Jahr kann es auch sein, dass das Boot noch vereist ist. Auf der Rückfahrt zur Anlegestelle macht er bereits die ersten Heringe küchenfertig. Doch die Arbeit macht ihm Freude. „Fischen ist für mich der schönste Beruf der Welt“, erklärt er, dessen Familie nachweislich seit dem 15. Jahrhundert in der Schlei fischt. Für ihn sei jeder Tag auf dem Wasser Urlaub.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen