zur Navigation springen

Alte Volksschule in Mehlby : Das Wahrzeichen der Schulstraße wird abgerissen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ehemalige Schüler und Lehrerin Ingrid Borgert erinnern sich an ihre Zeit in der Volksschule.

Kappeln | „Wir haben jetzt die Abrissgenehmigung für die alte Schule in Mehlby“, sagt Stefan Lenz, der Geschäftsführer der Kappelner Werkstätten. Was für Lenz der erste Schritt zur Realisierung eines neuen Wohnheims ist, stimmt die Anwohner der Schulstraße eher wehmütig. Viele sind in dem 1892 errichteten Gebäude noch zur Schule gegangen.

Kay Dufour, der heute noch direkt gegenüber wohnt, kann sich gut an seine Schulzeit erinnern. „Der Schulleiter und sein Stellvertreter wohnten in der Schule“, erzählt er. „Sie hatten dort eigene Gartengrundstücke. Es gab aber auch einen Schulgarten für den Unterricht. Ich weiß noch, wie alle Kinder zusammen einmal eine Hecke gepflanzt haben. Und wir hatten einen großen Sportplatz. Nach dem Unterricht haben wir dort Fußball gespielt. Aber wenn wir während der Mittagszeit zu laut waren, gab es Backpfeifen.“

Auch Holger Lüdtke, der sogar noch sein altes Zeugnis besitzt, erinnert sich an Handgreiflichkeiten der Lehrer. „Wenn wir Jungs uns gekloppt haben, mussten wir zum Schulleiter, und dann gab er jedem eine Kopfnuss. Das war eben damals so“, sagt er.

Ingrid Borgert war seine Lehrerin. Auch sie wohnt noch heute in der Schulstraße. „Es war eine Volksschule mit neun Klassen. Ich war an dieser Schule ab 1965 und hatte die erste und die zweite Klasse, alle zusammen in einem Klassenraum“, erinnert sie sich. „Da waren dann so 50 Schüler im Raum. Es gab nur eine Lehrkraft. Die hat dann querbeet alle Fächer unterrichtet, Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport.“ Borgert erzählt, dass der Unterricht mit unheimlich primitiven Mitteln gestaltet werden musste. „Im Kunstunterricht hatten einige einen Tuschkasten, andere nicht. Es gab eine einzige Nähmaschine für den Handarbeitsunterricht. Und die lieh sich meistens die Frau des Schulleiters aus. Wir hatten auch nur eine Garnspule. Ich habe dann irgendwann ein paar Spulen gekauft. Toiletten waren auf dem Hof, und die Klassenräume wurden im Winter mit Öfen beheizt. Während des Unterrichtes mussten wir immer Holz und Briketts nachlegen. Aber richtig warm wurde es nie. Die Schule war auch öffentliche Bücherei, und wir Lehrer waren nachmittags noch für die Ausleihe zuständig.“

1974 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Die Stadt richtete Dienstwohnungen für ihre Angestellten in dem Gebäude ein. Später wurden daraus Sozialwohnungen, in den vergangenen Jahren waren dort Flüchtlinge untergebracht. Holger Lüdtke findet: „Es ist schade, dass man nicht versucht hat, für dieses solide Gebäude eine neue Nutzung zu finden und es jetzt abgerissen wird. Es ist doch sozusagen das Wahrzeichen der Schulstraße. Damit geht auch ganz viel Geschichte verloren.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen