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Schlei-Bote

16. September 2014 | 19:28 Uhr

Cannabis - die unterschätzte Gefahr

vom

Experten warnen vor leichtfertigem Umgang mit der Einstiegsdroge / Schwarzmarktpreise in Schleswig: fünf bis zwölf Euro pro Gramm

Schleswig | Wer sich in der Szene auskennt, wird schnell fündig. Die Droge Cannabis ist in Schleswig weder ein seltener noch ein teurer Artikel. Zwischen fünf und zwölf Euro kostet ein Gramm Marihuana, für das etwas weniger intensive Haschisch sind fünf bis neun Euro zu bezahlen. Konsumiert wird die Droge vor allem von jungen Leuten. Kriminalbeamter Jörn Reichel, bei der Schleswiger Kripo zuständig für die Bearbeitung von Drogendelikten, kennt ihre Motive: "Die jungen Konsumenten wollen cool sein und sind neugierig."

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Doch diese vermeintliche Coolness kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Denn Cannabis-Produkte sind bei weitem nicht mehr so harmlos wie vor 20 Jahren, als ein "guter Joint" auf manchen Partys zum guten Ton gehörte. "Der Wirkstoffgehalt ist heute deutlich höher als früher", sagt Reichel. Einige Experten sprechen von einer Steigerung um den Faktor drei, einige halten sogar dies für zu niedrig. Hintergrund sind Hanfanpflanzungen in Gewächshäusern. Ein optimales Pflanzenwachstum mit entsprechenden Wirkstoffwerten ist die Folge.

Was kann geschehen ? Uwe Friedrichs von der "Brücke" und Andreas Creutzberg vom Betreuungsverein haben regelmäßig mit Drogenkonsumenten zu tun. Sie wissen: Wer mehrere Male einen Joint geraucht hat, kann in eine akute Psychose geraten. Nehmen die Betroffenen zusätzlich Alkohol ein, wird der negative Effekt noch verstärkt. Die Mitarbeiter der Schleswiger Polizei-Zentralstation sehen sich mindestens einmal im Monat Jugendlichen gegenüber, die im Drogen- und Alkoholrausch völlig ausgeflippt sind. Die Betroffenen fallen auf durch eine hohe Aggressivität und eine sehr geringe Schmerzempfindlichkeit. "Die sind kaum zu bändigen", sagt ein Beamter.

Das Problem Cannabis ist allgegenwärtig. Kinder und Jugendliche sind nach den Erkenntnissen der Polizei nur in den Grundschulen sicher. "Alle anderen Schularten sind betroffen", so Kripomann Reichel. Wurde das Problem vor

20 Jahren noch weitgehend totgeschwiegen, gehen die Lehrer heute anders an die Sache heran. Die Pädagogen seien sensibilisiert, scheuten sich nicht mehr, die Polizei um Hilfe zu bitten, macht Reichel deutlich. Er stellt den Lehrern ein gutes Zeugnis aus: "Die sind sehr kooperativ."

Was den zwanglosen Umgang der Konsumenten mit Cannabis noch verstärkt, ist die irrige Annahme, der Besitz kleiner Mengen sei legal. "Das Gegenteil ist der Fall", so Reichel. Nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die juristischen Folgen würden unterschätzt. Der Besitz eines halben Gramms führe automatisch zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Die weiteren Schritte: Die Betroffenen werden vernommen, die Ermittlungsunterlagen zur Staatsanwaltschaft weitergegeben. Dort wird über den weiteren Verlauf des Verfahrens entschieden. Handelt es sich bei der entdeckten Drogenmenge um weniger als sechs Gramm, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen, bisweilen geschieht dies gegen Auflagen, zum Beispiel Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung.

Was Reichel stets Sorgen bereitet, ist der mögliche Wechsel der Cannabis-Konsumenten zu härteren Drogen. "Nicht jeder, der Cannabis geraucht hat, nimmt irgendwann härtere Drogen. Aber jeder, der härtere Drogen nimmt, hat vorher Cannabis konsumiert."

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von
erstellt am 24.Feb.2012 | 08:12 Uhr

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