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30. Figurentheater-Tage : Bühne frei für die Puppen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nächste Woche starten die Figurentheater-Tage an Schlei und Ostsee – zum 30. Mal. Puppen an Fäden und an Händen erleben dann ihren ganz großen Auftritt.

Warum sie immer zu besonderen Daten gebucht werden, kann Silke Technau auch nicht beantworten. Vor fünf Jahren hat Technau gemeinsam mit Stephan Schlafke vom „Kobalt Figurentheater“ in Lübeck das silberne Jubiläum der Figurentheater-Tage an Schlei und Ostsee eröffnet. Jetzt werden die beiden dasselbe mit der 30. Auflage tun: Am Freitag, 10. März, läuten sie das einwöchige Festival ein – mit einem besonderen Revival-Trip.

„Linie 1“ heißt das mehr als zwei Stunden dauernde Stück, das die Lübecker bei ihrem erst zweiten Engagement in Kappeln zeigen wollen und das die Besucher zurück ins West-Berlin Mitte der 80er-Jahre katapultiert. „Es hat etwas Nostalgisches“, sagt Silke Technau und zwar in Kleidung, Musik, Sprache. Ja, Gesang gibt es auch – „live“, kündigt Technau an. Außerdem gut 40 verschiedene Rollen, denen die beiden Puppenspieler mit ihren 80 Zentimeter großen Figuren Leben einhauchen. Damals, vor fünf Jahren, beim „Weißen Rössl“, waren es ein paar weniger, und Silke Technau hat durchweg gute Erinnerungen an diesen Auftritt. „Das war das erste Mal, dass wir schon vor Aufführungsbeginn Programmhefte verkauft haben“, sagt sie und klingt fünf Jahre später immer noch ein bisschen ungläubig. Und voller Euphorie für ihr Publikum. „Die Kappelner waren sehr aufgeschlossen und haben sich gefreut auf den Abend“, sagt Technau. „Sodass auch wir selber heiter in die Aufführung reingegangen sind.“

Ebenfalls erst selten in Kappeln aufgetreten ist Marc Schnittger, dafür oft in Süddeutschland, in Österreich, in der Schweiz. Zusammen mit Arne Bustorff setzt er den Schlusspunkt der Figurentheater-Tage: In „Handlungen“ zeigen die beiden etwa zwölf abgeschlossene Szenen, die sie ausschließlich mit ihren Händen und einigen Requisiten spielen. Inspiriert vom Werk des bekannten Puppenspielers und Germanisten Gerhard Mensching haben Schnittger und Bustorff dessen künstlerische Grundlagen erweitert, bedienen sich aber einer von Mensching entwickelten Fantasiesprache, über die Schnittger sagt: „Man hat den Eindruck, als würde man jedes Wort verstehen, weil es auf der Bühne von Gestik getragen wird. Das macht es gleichzeitig weniger abstrakt, dafür so poetisch und sinnvoll.“ Absolut menschlich derweil der Inhalt seiner „Handlungen“: „Es geht um Träume, Unzulänglichkeiten, Missgeschicke – eben die ganze Bandbreite des menschlichen Seins“, sagt Schnittger. Dass er dazu nur seine Hände nutzen kann, empfindet er als Vorteil. „Die Hand wechselt zwischen Figur und Körperteil. Dadurch können und müssen wir viel differenzierter agieren“, sagt er und freut sich auf eben diesen Aspekt der Doppelbödigkeit.

Und ganz nebenbei ist Marc Schnittger auch gespannt auf seine Spielstätte: Erstmals nämlich wird die Aula der Klaus-Harms-Schule zur Bühne der Figuren – eine Idee von Nicole Itzke, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung und Co-Organisatorin der Veranstaltung neben Christopher Dank. Mit Schnittgers „Handlungen“ hat Dank derweil zum dritten Mal eine zweite Abendveranstaltung im Programm – zum ersten Mal allerdings richtet sich diese auch inhaltlich ausdrücklich an Erwachsene (nach „Räuber Hotzenplotz“ und dem „Sams“ in den vergangenen zwei Jahren). „Und wir freuen uns darauf, das anbieten zu können“, sagt Dank, der neben den Nachmittags-Vorstellungen auch eben für den Abschlussabend noch Karten in petto hat. Eröffnung und Vormittagstermine sind bereits ausverkauft.

Ungeachtet dessen fiebern Silke Technau und Stephan Schlafke ihrem Auftritt in der Koslowski-Halle entgegen und ihrer „Linie 1“, die sie, obwohl vor 30 Jahren angesiedelt, als „erstaunlich aktuell“ ankündigen. Das passt. Die Figurentheater-Tage an Schlei und Ostsee bleiben in ihrem 30. Jahr nämlich ebenfalls erstaunlich aktuell.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 07:30 Uhr

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