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Schlei-Bote

11. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Kappeln : Bücherei-Sanierung – Lösung in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Treffen von Leiterin und Vertretern aller Fraktionen. Arbeiten sollen erst 2018 starten, dafür aber in einem Rutsch ausgeführt werden.

Petra Herzig will nichts unversucht lassen. Die Leiterin der Kappelner Stadtbücherei glaubt fest daran, dass die anstehende Sanierung idealerweise auf einmal geschehen soll und nicht, wie vom Hauptausschuss Ende Oktober empfohlen, gesplittet auf drei Jahre. Um ihrem Anliegen noch einmal Nachdruck zu verleihen, luden Herzig und der Förderverein der Bücherei, die „Buchstützen“, jetzt Vertreter aller Fraktionen in die Einrichtung in der Schmiedestraße ein. Und einen ausführlichen Rundgang inklusive Keller, etliche Tassen Kaffee und noch mehr Kekse später offenbarte sich tatsächlich ein Weg, der sich am Ende vielleicht sogar für beide Seiten gleichermaßen als gangbar entpuppen könnte. Der allerdings vor allem von den Bücherei-Verantwortlichen noch ein bisschen mehr an Geduld und Arbeit erfordert.

Die Grundlage ist klar: Die Stadtbücherei benötigt eine Generalüberholung – darüber herrscht auch in der Politik Einigkeit. Lediglich an der Vorgehensweise scheiden sich die Geister. Während der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen im Sommer noch für eine Sanierung in einem Rutsch plädiert hatte, machte der Hauptausschuss vor Kurzem klar, dass er die Angelegenheit, die insgesamt immerhin 245  000 Euro (für Möbel, Heizung, Bauunterhaltung und Anbau eines Wintergartens) beansprucht, gerne auf drei Jahre strecken will. Das wiederum würde mehrfache Schließzeiten der Bücherei bedeuten, woraus Förderverein und Leitung die Gefahr sinkender Nutzerzahlen ableiten. Und so eröffnete Bernd Heuer vom Vorstand der „Buchstützen“ das formlose Treffen mit einem vereinzelt vielleicht etwas zu theatralischen Vortrag, in dem er die Bücherei unter anderem „ein kulturelles Zentrum“ und einen „erheblichen Standortfaktor“ nannte, außerdem eine Einrichtung, die dazu beitrage, „dass sich die Gesellschaft nicht noch tiefer spaltet“. Handfester wurde es danach, als Petra Herzig mit ihren Besuchern durch die Räume zog und ihnen alte Regale zeigte, die „keine ansprechende Präsentation“ ermöglichten und in Einzelfällen sogar einsturzgefährdet seien. Außerdem verdeutlichte die Büchereileiterin die Notwendigkeit, zerschlissenen und schlicht schmutzigen Teppich zu ersetzen, führte alte Wohnzimmer-Sofas als Sitzgelegenheiten und gestückeltes Mobiliar als Ausstellungsfläche vor. „Die Art und Weise der Präsentation hat auch etwas mit Professionalität zu tun“, sagte Herzig. Was sie nicht sagte, was aber deutlich mitschwang: Das hier ist nicht professionell. „Es müssen keine Designerstücke sein, aber doch funktional und einheitlich“, sagte Herzig. „Was Sie hier sehen, ist Improvisation pur.“ Allerdings auch echtes Gefahrenpotenzial wie etwa eine Steckdose, die sich aus der Wand gelöst hat, und Regalbretter, die zu brechen drohen. Im Keller offenbarten sich derweil etliche Kisten und Kartons mit Inhalten, die teils aussortiert und noch nicht entsorgt waren, außerdem ein kleines Labyrinth aus verschiedenen Sitzgelegenheiten.

Genauso klar wie die aktuelle Situation der Bücherei ist indes die Haushaltslage der Stadt, die Volker Ramge (CDU) so umriss: „Nur ein ausgeglichener Haushalt garantiert den Fortbestand freiwilliger Leistungen, und dazu gehört die Bücherei.“ Er war daher auch nicht der einzige, der beispielsweise bei den Wandregalen keinen Ersatz für unbedingt erforderlich hielt, wobei Bernd Heuer dem Mobiliar den fragwürdigen Charme „einer Studentenwohnung aus den Siebzigern“ attestierte. Und während Petra Herzig mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Aktivregion und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit drei Anlaufstellen möglicher Förderprogramme für die Bücherei-Sanierung nannte, plädierte Matthias Mau (CDU) eindringlich dafür, in der Bücherei zunächst aufzuräumen. „Erstmal muss vieles verschwinden“, sagte der Hauptausschussvorsitzende. Und mit Blick auf den Wunsch der Einrichtung, alles in einem Stück zu sanieren: „Es muss nicht gleich alles von heute auf morgen ganz gut sein.“ Auch Rainer Moll (SPD) erinnerte daran, dass die Bücherei nicht der einzige Fall sei, in dem man sich fürs Sparen entschieden habe. „Wir haben genauso Ausgaben bei den Straßen und bei den Schulen gestrichen“, sagte er.

Und dann formulierte Matthias Mau am Ende eines fast zweistündigen Treffens einen Vorschlag, dem gegenüber Petra Herzig nicht gänzlich abgeneigt schien. „Wie wäre es denn“, sagte Mau, „wenn wir die Mittel, die die Bücherei im nächsten Jahr zur baulichen Unterhaltung bekommen sollte, ins Jahr 2018 schieben und dann mit den für 2018 angekündigten Geldern für das Mobiliar zusammenfassen?“ In konkreten Zahlen: 2017 gibt es 20  000 Euro für eine neue Heizung, mehr nicht. Die avisierten 60  000 Euro (Bauunterhaltung) wandern zu den 98  000 Euro (Möblierungskonzept) ins übernächste Jahr, um dann gemeinsam ausgegeben zu werden. Unterm Strich hieße das: Im nächsten Jahr passiert zwar noch gar nichts unmittelbar in der Bücherei, im übernächsten dafür umso mehr. Ein Kompromiss, der idealerweise beiden gut tun könnte – dem Haushalt und der Einrichtung in der Schmiedestraße. Der erste hat Zeit, sich weiter zu erholen, die zweite hat Zeit, um aufzuräumen.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 07:30 Uhr

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