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Schlei-Bote

01. Mai 2017 | 00:36 Uhr

Kappeln : Baumschutz mit System

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Politik einigte sich auf ein Verfahren, das einen jährlichen Ortstermin mit Experten beinhaltet. Und 5000 Euro für regelmäßig für Neupflanzungen.

Keine Baumschutzsatzung, stattdessen ein bewussterer Umgang mit den Bäumen auf städtischem Grund – das ist das Ergebnis, zu dem der Ausschuss für Umwelt und Verkehr gefunden hat. Ausgangspunkt war dabei der gemeinsame Antrag der Fraktionen von CDU und SPD sowie der – nach Hinweis des Ausschussvorsitzenden Michael Schattka (Grüne) nicht antragsberechtigten – Interessengemeinschaft Umwelt (IGU), in der sich alle drei Gruppierungen für eine Richtlinie zur Fällung und die Erstellung eines Baumkatasters ausgesprochen hatten. Aus der Verwaltung kam dann ein abgeänderter, in Teilen erweiterter Beschlussvorschlag, der sogar regelmäßige Begehungen beinhaltet, auf den Tisch – und auf den sich der Ausschuss schließlich einstimmig einigte. Die unmittelbar vor der Sitzung kurzfristig gefällten Bäume waren indes nur noch eine Randnotiz.

Zunächst aber war es Volker Ramge (CDU), der die Beweggründe für den fraktionsübergreifenden Antrag noch einmal erläuterte. Vorab wies er darauf hin, dass es Vertretern von CDU und SPD ein Anliegen gewesen sei, sich einige, der laut städtischem Baumprotokoll zur Fällung vorgesehenen Bäume, selber anzusehen – „weil wir ja den Stadtgärtner nicht fragen konnten“. Die IGU habe bei dieser Baumbegehung für „weitergehende Hinweise“ gesorgt, an anderen Stellen auch Lob für eine „erfolgreiche Pflege“ verteilt, außerdem Möglichkeiten aufgezeigt, wo Neupflanzungen sinnvoll scheinen könnten (beispielsweise am Museumshafen, um die lückenhafte Allee zu schließen). Ramges Fazit: „Auch in Zukunft wünschen wir uns, den Sachverstand der IGU zu nutzen.“ Der Antrag sah nun zum einen die Erstellung eines Baumkatasters vor, das, so die Idee der Antragsteller, die Arbeit des Gärtners vereinfachen und für Außenstehende nachvollziehbarer machen könnte. Zum anderen beinhaltete er eine Richtlinie zur Baumpflege beziehungsweise eventuellen Fällung, aufgeteilt in sieben Unterpunkte, die Ramge „allein für die Stadt“ angewandt wissen wollte. Rainer Moll (SPD) unterstützte seinen Vorredner, indem er sowohl Richtlinie als auch Kataster eine Möglichkeit der „Instandhaltung und Zukunftssicherung der Bäume“ nannte. Und auch aus der Verwaltung kam schnell Zustimmung. Elke von Hoff aus dem Bauamt sagte: „Ein EDV-gestütztes Kataster kann ich mir gut vorstellen. Es ist übersichtlicher und leichter zu pflegen.“

Danach ergriff Ulrich Bendlin das Wort und versuchte sich – vor allem mit Blick auf die von den Grünen angestrebte Baumschutzsatzung, die auch noch auf der Tagesordnung stand, inhaltlich aber deutlich weiter ging als der CDU/SPD-Antrag – an einem allumfassenden Ansatz. Mit Erfolg. „Ich glaube, dass am Ende alle dasselbe wollen“, begann der Mann von der Bauverwaltung bedeutungsvoll. „Im Detail mag es Unterschiede geben. Aber wenn man gemeinsam vor einem Baum steht, wird sich eine einheitliche Meinung herauskristallisieren.“ Diese Vorstellung war fast ein bisschen zu romantisch, um am Ende wieder bei einem schnöden Kataster landen zu können. Ungeachtet dessen hatte Bendlin, gemeinsam mit Elke von Hoff und Bürgermeister Heiko Traulsen, einen Beschlussvorschlag erarbeitet, der einen „pfleglichen, rücksichtsvollen und nachhaltigen Umgang“ mit den städtischen Bäumen einforderte und ein systematisches Verfahren beinhaltete: Demnach soll der Bauhof im August eines jeden Jahres eine Liste der zu fällenden Bäume vorlegen, die dann im September von Ausschussmitgliedern, Mitarbeitern des Bauhofs und der Verwaltung, Vertretern der IGU und einem externen Gutachter abgelaufen werden, um im Oktober eine politische Entscheidung zu treffen. Steht ein Baum außerplanmäßig zur Fällung an, soll sein Zustand zuvor sorgfältig dokumentiert und der Ausschuss davon in Kenntnis gesetzt werden. Auf Anregung von Lars Braack (SPD) sieht der Beschluss zudem eine jährliche Ausgabe von 5000 Euro für Neuanpflanzungen, also Pflanzungen unabhängig von vorangegangenen Fällungen, vor. Und schließlich wird ein EDV-Programm angeschafft, mit dessen Hilfe das Baumkataster erstellt werden soll.

Als „nicht ausreichend effizient“ urteilte Norbert Dick (Grüne) danach über den Beschlussvorschlag. „Das ist schon sehr gut, hat aber keine wirkliche Schutzfunktion“, sagte er. Deshalb blieb er beim Antrag seiner Fraktion auf Wiedereinführung der Baumschutzsatzung, die eben viel eher tatsächlichen Schutzcharakter habe. Auf ein wenig Verständnis stieß er dabei bei Knut Grieger (bürgerliches Mitglied, SPD) und Thorsten Schacht (SPD). Schacht sagte: „Ich möchte mich dem nicht für alle Zeiten verschließen, finde aber, wir sollten erstmal mit einem Kataster anfangen.“ Zumindest den letzten Punkt teilte der gesamte Ausschuss und gab den von Ulrich Bendlin vorgestellten Beschluss als Empfehlung der Stadtvertretung mit auf den Weg. Die Vorsitzende der IGU, Eva Heimsoth, streckte danach den Daumen in die Höhe. Das durfte sie auch ohne Antrag.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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