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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Gewerbegebiet in Kappeln : "Auf dem Weg zur Existenzsicherung"

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappeln stellt die Pläne für ein interkommunales Gewerbegebiet vor und wirbt für mehr Beteiligung umliegender Gemeinden.

Kappeln, Arnis, Grödersby, Oersberg, Rabenkirchen-Faulück, Karby und Winnemark – das sind die Städte und Gemeinden, die ihr ausgeprägtes Interesse an einem interkommunalen Gewerbegebiet bereits bekundet oder – im Falle von Kappeln – schon erste Schritte zur konkreten Umsetzung unternommen habe. Um die Zahl der Interessenten noch weiter nach oben zu schrauben, hatte die Stadt Kappeln jetzt zu einer Info-Veranstaltung in die Mensa der Gemeinschaftsschule geladen. Rund 40 Zuhörer kamen und erlebten eine Präsentation, die nicht von geblendeter Euphorie für das Projekt, sondern von realistischer Zuversicht geprägt war.

Die offenbar positive Grundstimmung, die dem interkommunalen Gewerbegebiet entgegenschlägt, machte Bürgermeister Heiko Traulsen in seiner kurzen Einleitung unter anderem an dem Umstand fest, dass das Projekt schon deshalb „Wellen bis nach Kiel“ schlage, da es als interkommunales Gewerbegebiet das einzige im Lande sei, das auch kreisübergreifend agiere. Auch deshalb waren Thorsten Liliental von der Wirtschaftsförderung Rendsburg-Eckernförde und Andrea Kislat von der Wireg Flensburg/Schleswig erschienen, außerdem Gunnar Bock, Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee.

Zur Einstimmung erinnerte Andrea Kislat zunächst an die Vorteile, die ein interkommunales Gewerbegebiet ihrer Erfahrung nach auszeichnen können. Dazu zählte sie unter anderem eine leichtere Finanzierung und eine Arbeitsplatzsicherung für die Region. Nach Kislats Worten könnte das interkommunale Gewerbegebiet, das Kappeln auf dem sogenannten Erdbeerfeld an der B  203 plant, mit einer Regelförderquote des Landes von 50 Prozent rechnen. Eventuell kommen weitere zehn Prozent hinzu, falls sich das Gebiet in die regionale Entwicklungsstrategie einfügen sollte. Mit der Förderung verbunden sind jedoch bestimmte Kriterien, so sollen etwa die Betriebe mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes außerhalb von 50 Kilometern generieren. Kislat stellte zudem klar: „Für die Flächenvergabe im interkommunalen Gewerbegebiet ist die Wireg zuständig.“ Die endgültige Beschlussfassung falle jedoch dem Zweckverband zu, der das Gewerbegebiet organisiert.

Eben diese Zweckverbands-Struktur hat auch Ulrich Bendlin von der Kappelner Stadtverwaltung für das interkommunale Gewerbegebiet auf dem Erdbeerfeld im Blick, denn, so Bendlin: „Wir reden von einem Gesamtvolumen von sieben Millionen Euro für das Projekt. Das ist eine Aufgabe, die eine Gemeinde alleine kaum bewältigen kann.“ Zumal am Ende solch ein Gebiet auch zur Standortqualität einer ganzen Region beitrage. Eine grobe Planung für die 17 Hektar große Fläche hatte Bendlin auch parat: Er stellte eine Erschließung über eine Ringstraße vor, an der sich bei einer geplanten Grundstücksgröße von jeweils 2000 bis 3000 Quadratmetern rund 36 Betriebe ansiedeln könnten. Über die Grunderwerbskosten machte Bendlin derweil keine Angaben, außer: „Sie sind siebenstellig.“ Hinzu kommen Ausgaben unter anderem für Planung, Erschließung samt Breitbandversorgung, Kreditbeschaffung und Vermarktung. Von den beteiligten Gemeinden ist dabei eine einmalige Einlage erforderlich, was fehlt, läuft über Fördermittel und Kredite. Am Ende landeten seine Berechnungen so bei einem Quadratmeterpreis von 39 Euro – „noch ein bisschen hoch“, wie Bendlin einräumte, aber: „Im Idealfall könnten wir 25 bis 30 Euro erreichen.“ Zum Vergleich: Das Gewerbegebiet Schuby liegt laut Andrea Kislat bei 27 Euro – allerdings zuzüglich Anschlussgebühren, die im Kappelner Preis bereits enthalten seien.

Auf Nachfrage aus dem Publikum nach dem tatsächlichen Bedarf eines Gewerbegebiets führte Kislat aus, dass man ortsansässige Betriebe nach ihren Expansionsgedanken befragt und eine „nennenswerte Resonanz“ erhalten habe. Eine weitere Frage bezog sich auf eventuell ähnliche Pläne anderer Gemeinden. Dazu erläuterte Ulrich Bendlin: „Die Landesplanung legt Wert auf Zentralisierung. Sie wird solche Gemeinden eher dazu auffordern, sich Kappelns Plänen anzuschließen.“ Für das laufende Jahr kündigte er an, den Zweckverband gründen und Förderanträge stellen zu wollen. 2017 soll das Grundstück gekauft, 2018 Start des ersten Bauabschnittes sein. „Der Plan ist sportlich“, sagte er. „Aber mit Glück halten wir ihn auch.“

Zum Schluss war es Gunnar Bock, der fast ein leidenschaftliches Plädoyer für das interkommunale Gewerbegebiet hielt. „Wenn wir als Region irgendwann keine Gewerbeflächen mehr anbieten können, haben wir ein gemeinsames Problem“, sagte er. Daher sei es auch ein Stück Eigennutz, sich als kleine Gemeinde zu beteiligen. „Kappeln“, sagte Bock, „ist der gesetzte Ort für solch ein Gebiet. Und wenn wir es nicht schaffen, zusammen zu arbeiten, liefern wir denjenigen, die die Selbstverwaltung kleiner Kommunen ohnehin anzweifeln, Gründe, daran etwas zu ändern.“ Es gehe also um nicht viel weniger als Existenzsicherung.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 07:00 Uhr

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