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Schlei-Bote

24. August 2016 | 10:28 Uhr

Angelscheine nur für Einheimische : Arnis an der Schlei: Aus für Angel-Tourismus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt darf Fischerei-Erlaubnis ab sofort nur noch an Einheimische ausgeben. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle.

Arnis | „Hier steht das Telefon nicht mehr still. Die Sache hat einen Riesenstaub aufgewirbelt“, sagt der Bürgermeister von Arnis, Bernd Kugler. Die Rede ist vom einträglichen Verkauf der Angelscheine in der nicht einmal 300 Einwohner zählenden Schleistadt. Jahrelang waren der Verkauf der sogenannten Fischerei-Erlaubnisscheine und der daran hängende Tourismus eine wichtige Einkommensquelle für Arnis. Doch seit Kurzem darf die kleinste Stadt Deutschlands nicht länger Angelscheine an ihre Gäste herausgeben. Auf der Internetseite von Arnis heißt es dazu kurz und bündig: „Erlaubnisscheine für den Fischfang auf der Schlei werden ab sofort (28.01.2016) bis auf Weiteres nur noch für Bürger, die in Arnis gemeldet sind, ausgegeben! Der Bürgermeister“.

Hintergrund dieser neuen Regelung ist offenbar eine kürzlich erfolgte rechtliche Bewertung der zum Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gehörenden Fischereiaufsicht. Laut Informationen von sh:z hatte sich ein in der Fischerei kundiger Bürger mit einer entsprechenden Anfrage an die Behörde gewandt und dazu auf das Fischereibuch verwiesen. In diesem Dokument, das als geltende Rechtsgrundlage für die Fischerei in der Schlei dient, wird zwar Arnisser Bewohnern mit dauerhaftem Wohnsitz in Arnis „die kleine Fischerei mit Angeln und Netzen“ erlaubt, doch die Weitergabe dieses Rechtes, beispielsweise an Gäste, wird darin nicht erwähnt. Das LLUR entschied nunmehr, dass die kleine Stadt nicht länger Angelscheine an Feriengäste verkaufen darf.

Der Büroleitende Beamte Jörg Exner von der Arnis betreuenden Kappelner Stadtverwaltung hat dazu eine eindeutige Prognose. „Das reißt ein Riesenloch in den Arnisser Haushalt“, sagt er. Auch Bernd Kugler spricht von einem jährlichen Verlust von 30.000 Euro für Arnis. Strafzahlungen muss die Gemeinde nach derzeitigem Stand jedoch wohl nicht befürchten. Unklar bleibt allerdings, was mit der – laut Kugler – „erheblichen Anzahl“ von Gästen geschieht, die bereits vor dem 28. Januar einen Angelschein erworben haben. Diese Scheine sind demnach unberechtigt ausgestellt worden. Der Arnisser Bürgermeister hofft, dass diese Personen nicht belangt werden und setzt auf das Einsehen der Verwaltung. „Im Zuge dieser Entwicklung gab es auch zig Stornierungen von Ferienunterkünften. Dass wir keine Angelscheine mehr an unsere Gäste herausgeben dürfen, stößt bei diesen sauer auf“, so Kugler.

Derzeit sucht man in Arbeitsgesprächen mit der Kappelner Verwaltung danach, wie man eine rechtliche Grundlage schaffen kann, damit Arnis künftig wieder Angelscheine auch an Touristen verkaufen kann. Dies ist laut Kugler für den Haushalt wichtig, aber auch für den Service der Touristen. „Dabei wird uns die Fischereiaufsicht kontrollieren. Das hoffe ich auch, damit wieder Ruhe einkehrt“, sagt der Arnisser Bürgermeister.

Auch wenn Bernd Kugler zu möglichen Lösungen nicht ins Detail gehen will, stehen der Stadt vermutlich nur zwei Wege offen, um weiterhin Angelscheine an Gäste verkaufen zu können. Entweder sie pachtet die Fischereirechte für einen bestimmten Abschnitt beispielsweise von Kappeln. Für die Stadt Kappeln steht nämlich im Fischereibuch, dass Kappeln diese Rechte auch (durch Dritte) ausüben lassen kann. Oder Arnis tritt künftig als Filiale eines solchen Fischereirechte-Inhabers wie Kappeln auf. Jörg Exner sagt dazu: „Gespräche darüber sind anberaumt. Das Bestreben ist, dass diese Gespräche möglichst in den nächsten Wochen zum Ziel führen, damit Arnis noch in dieser Saison wieder eigene Angelscheine ausgeben kann.“

So könnte die Stadt Kappeln, deren Angelschein-Preise Arnis zuletzt bewusst unterboten hatte, zum Rettungsanker für Arnis werden. Doch die Zeit drängt, das nächste Arbeitsgruppengespräch ist für den 24. Februar datiert, und die Heringssaison beginnt in der Regel schon im März.

 

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erstellt am 16.Feb.2016 | 16:15 Uhr

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