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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 22:23 Uhr

Kappeln : Amer baut an seiner Zukunft in Kappeln

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der 23-jährige Architekt aus dem Irak macht ein Praktikum im Büro Sunder-Plassmann Architekten. Sein Ziel ist ein Studium in Deutschland.

Kappeln | Pläne, an denen er gerade mitarbeitet, hat Amer noch in der Hand. Andere, die ausgebreitet auf dem Tisch liegen, schiebt er zur Seite, um Platz für die Papierrollen zu machen. Im Architekturbüro von Brigitte und Gregor Sunder-Plassmann arbeitet der 23-jährige Iraker an Modellen für aktuelle Projekte oder zeichnet Pläne. Im August 2015 kam Amer Hikmat aus Bagdad nach Deutschland, seit vier Monaten macht er ein Praktikum bei Sunder-Plassmann Architekten. Flüchtlingspaten, die Amer seit seiner Ankunft in Kappeln unterstützen, haben den Kontakt zwischen ihm und dem Büro hergestellt.

In seiner Heimatstadt hat Amer an der Universität Architektur studiert, seinen Hochschulabschluss gemacht. In Deutschland, fast 5000 Kilometer von Bagdad entfernt, möchte er nun an einer Universität einen anerkannten Abschluss in Architektur machen, um weiter in seinem Beruf arbeiten zu können. „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne in Lübeck studieren.“

Die Grundsteine dafür legt er Tag für Tag. Lernt die Sprache, das Leben und die Menschen in seiner neuen Heimat kennen. Deutsch sei so ganz anders als seine Muttersprache Arabisch. „Die Grammatik ist am schwierigsten, aber ich lerne jeden Tag ein bisschen mehr.“ Sein erstes deutsches Wort? Amer überlegt, lacht und sagt: „Das muss wohl ‚Moin‘ gewesen sein.“

Als er Anfang August das Praktikum in ihrem Architekturbüro begonnen hat, habe er kein Wort Deutsch gesprochen, erinnert sich Brigitte Sunder-Plassmann. Seither habe er jeden Tag ein neues Wort gelernt, versteht inzwischen nahezu jede Unterhaltung. „Wir sind hier selber sehr erstaunt, wie schnell Amer die Sprache gelernt hat.“ Es sei ein Glück, dass er durch das Praktikum nicht nur seine Sprachkenntnisse verbessere, sondern auch in seinem Beruf arbeiten könne – trotz all der Hürden.

Die Architektur sei hier ganz anders als in seiner Heimat, sagt Amer. „Nicht unbedingt zu vergleichen.“ Im Architekturbüro von Brigitte Sunder-Plassmann hat der 23-Jährige gelernt, am Computer zu zeichnen. „Im Irak habe ich das bisher immer nur mit der Hand gemacht.“ Am Anfang sei es schwierig gewesen, sich auf den Computer umstellen zu müssen. „Jetzt ist aber auch diese Arbeit ganz einfach.“

Im Dezember beginnt Amer in Kappeln einen Integrationskurs, um den er sich vor zwei Monaten beworben hat. Er ist der Schlüssel für eine Zukunft in Deutschland. Fünf Monate wird Amer dort seine Sprachkenntnisse vertiefen, sich über das Leben und das System in Deutschland informieren. Einen ersten Sprachkurs hat der junge Mann schon erfolgreich absolviert und die Sprachstufe A1 erreicht. Im Integrationskurs möchte Amer das Sprachniveau B2 erlangen. Es ist die Voraussetzung, um zum Studium zugelassen zu werden.

Amers Familie ist in seiner Heimat Bagdad geblieben, arbeitet dort. Er ist als Einziger nach Deutschland geflohen. Zurück kann Amer nicht mehr. Im Irak wird er politisch verfolgt. Mit seinen Eltern, zwei Brüdern und seiner Schwester hat er täglich Kontakt – telefoniert, schreibt E-Mails oder skypt. Amer vermisse sie, habe auch mal Heimweh. „Natürlich.“ In Kappeln lebt er mit fünf anderen Flüchtlingen in einer Wohnung. Sie seien Freunde und „ein bisschen Familie“. Wenn er den Integrationskurs gemacht, in Deutschland Aufenthalt gewährt bekommen hat, dann möchte er eine eigene Wohnung in Kappeln mieten. Sein Wunsch – hier arbeiten, hier leben, in Deutschland, wo seine Flucht vor 15 Monaten ein Ende fand.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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