zur Navigation springen

Schlei-Bote

10. Dezember 2016 | 04:17 Uhr

Klaus-Harms-Schule : Als Austauschlehrerin an die Schlei

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Pädagogin Alena Khamenia aus Weißrussland hospitiert für drei Wochen an der Klaus-Harms-Schule.

„Damit habe ich Erfahrung“, sagt Alena Khamenia, greift zum Schwamm, wischt die Tafel und schreibt mit großen Buchstaben den Namen ihrer Heimat daran: „Belarus“. Seit mehr als zehn Jahren unterrichtet sie in ihrer weißrussischen Heimatstadt Hrodna nahe der polnischen Grenze Deutsch als Fremdsprache. Anfang November ist die 37-Jährige nach Kappeln an die Klaus-Harms-Schule gekommen und hat dort drei Wochen als Austauschlehrerin hospitiert. Beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD) hatte sie sich um die Hospitanz beworben – mit Erfolg. Für die Zeit des Austauschs lebte sie bei einer deutschen Kollegin in der Nähe von Kappeln.

„Ich habe nicht häufig die Gelegenheit, mit Sprachträgern zu sprechen“, erklärt die Gastlehrerin ihre Beweggründe für den Austausch. „Wenn man eine Sprache gelernt hat, braucht man das Gefühl, dass es nicht umsonst gewesen ist.“ Fünf Jahre hat sie an der Universität Hrodna Deutsch und Englisch studiert. Ihr Ziel sei es nun gewesen, in den drei Wochen das Alltagsleben kennen zu lernen und in Kappeln ihre Deutschkenntnisse noch stärker zu vertiefen. Offenbar mit Erfolg: „An den ersten Tagen haben mich Kollegen noch auf meine Aussprache angesprochen, in der zweiten Woche ist sie ihnen schon gar nicht mehr aufgefallen.“

An der Klaus-Harms-Schule hospitierte die Deutschlehrerin vorwiegend in den Fächern Wirtschaft und Politik, Geografie und Religion. „Da wird viel gesprochen – und diskutiert“, sagt sie. Ihr Fach unterrichten braucht sie nicht. „Alle sprechen hier ja schon Deutsch.“ In zwei Vorträgen hat sie den Kappelner Schülern aber ihre Heimat vorgestellt. „Das war sehr interessant.“ Sie habe über Gepflogenheiten berichtet, die Gäste aus dem Ausland komisch finden, wenn sie in Weißrussland sind. Etwa die Ernsthaftigkeit der Verkäufer und ihr fehlendes „Servicelächeln“. „Wenn ein Weißrusse arbeitet, dann arbeitet er. Und Lächeln ist nicht Teil der Arbeit.“ So sei nun mal die Mentalität ihrer Landsleute. Um die Gastfreundlichkeit der Menschen in ihrer Heimat zu erleben, müsse man in die Familien gehen. „Als Tourist ist es schwierig, die weißrussische Mentalität zu verstehen.“

Neben der Mentalität sei auch das deutsche und weißrussische Schulsystem sehr unterschiedlich (siehe Infokasten). „Vor allem was das Abitur angeht.“ Jene Schüler, die in Weißrussland Abi machten, legten schon mit ihren Prüfungsfächern fest, welches Studienfach sie an welcher Universität belegen. „Jemand, der Jura studieren möchte, wird in anderen Fächern geprüft, als jemand, der Biologie studieren möchte.“ Dass es diese Differenzierung in Deutschland nicht gibt, findet Alena Khamenia kompliziert.

Am Wochenende ist sie nach Hrodna zurückgekehrt. Heute wird die 37-Jährige an ihrer Schule wieder den Dienst aufnehmen. „Die erste Woche wird sicher hektisch, bevor ich wieder in meinem Alltag angekommen bin.“ Die Erfahrungen, die sie während ihrer Zeit in Deutschland gemacht hat, werden aber ihre Arbeit zu Hause begleiten. „Ich habe hier so viele Eindrücke gesammelt, die ich als Anstoß für neue Projekte nutzen möchte, wenn ich wieder zu Hause bin.“

zur Startseite

von
erstellt am 28.Nov.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen