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Schlei-Bote

06. Dezember 2016 | 22:58 Uhr

Kappeln : Aldis Verkaufszelt darf bleiben

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Trotz Bedenken wegen drohender Verkehrsprobleme erteilt der Bauausschuss in letzter Minute seine Genehmigung für das Zelt in der Wassermühlenstraße.

Showdown im Bauausschuss. Am Montagabend hieß es nur: Sein oder Nichtsein für das Aldi-Zelt in der Wassermühlenstraße. Abriss oder Baugenehmigung für das Verkaufszelt des Discounters. Dieses knapp 1000 Quadratmeter große Thermozelt soll nahtlos den Altmarkt in Mehlbydiek ersetzen, bis der Neubau im Spätherbst fertig ist.

„Und plötzlich stand da ein Zelt“, fasste Bauausschussvorsitzender Volker Ramge (CDU) wohl das Erstaunen der meisten Einwohner in einem kurzen Satz zusammen. Christian Voiges von der Aldi-Immobilienverwaltung in Nortorf erläuterte den Ausschussmitgliedern, dass sein Unternehmen sowohl mit dem Kreis als auch mit der Stadt Vorgespräche über die Errichtung eines Verkaufszeltes geführt habe. Vom Kreis gab es demnach eine Genehmigung, von der Stadt kam ebenfalls grünes Licht – allerdings in der Annahme, dass es sich bei dem Zelt mit festen Wänden um einen dieser fliegenden Bauten handelt, die keiner Genehmigung bedürfen. Doch der Kreis war nicht dieser Ansicht, und so musste der Bauausschuss jetzt noch mal ran. Dazu Christian Voiges: „Wir haben uns das nicht einfach gemacht, doch irgendwann wurde der Druck so groß, dass wir das Risiko eingegangen sind, ohne Baugenehmigung dieses Zelt zu errichten.“ Wirtschaftliches Interesse sei nicht der Grund für dieses Vorhaben. „Wir wollen damit nur Präsenz zeigen“, sagte Voiges. „Wir haben uns bewusst als einziger Discounter für zwei Standorte in Kappeln entschieden.“

Auf Nachfragen von Ramge antwortete Voiges, dass auf dem Grundstück 50 Stellplätze ausgewiesen seien. „Das ist schon besser als in der letzten Phase drüben in Mehlbydiek“, meinte der Aldi-Immobilien-Experte. „Die Parksituation wird durch dieses Grundstück mehr als erheblich verbessert.“ Auch die Grundstückszufahrt habe man um drei Meter verbreitert. „Uns ist nicht daran gelegen, dass es hier zu einem Stau kommt“, so Voiges. Und auf neun Metern Breite könne man auch mit Links- und Rechtsabbiegespur arbeiten. „Dann kann der Verkehr sauber in die Wassermühlenstraße abfließen“, sagte er.

Das sah Axel Langkowski (CDU) etwas anders. Gegen das Zelt sei zwar grundsätzlich nichts einzuwenden. „Doch in der Wassermühlenstraße haben wir schon Plaza, Edeka und Ford, die mit großen Lastwagen beliefert werden. Ich sehe da die Gefahr eines Verkehrschaos bis hin zum Zusammenbruch. Also, ich habe große Bedenken gegen diesen Standort“, so Langkowski. Norbert Dick stimmte seinem Vorredner zu. „80 Prozent aller Aldi-Besucher kommen mit dem Pkw. Dann ist es doch kein Problem, mit dem Auto nach Ellenberg zu fahren“, meinte der Grünen-Kommunalpolitiker. Und wenn Aldi ohnehin kein wirtschaftliches Interesse damit verfolge, könne das Unternehmen auch auf das Zelt verzichten.

Voiges antwortete, dass es in dem Unternehmen viele Anrufe von Kappelner Kunden gegeben habe, die darum besorgt seien, nun nicht mehr ihre Waren bei Aldi einkaufen zu können. Bei dem Standort würden eher Kunden zu Fuß oder auf dem Fahrrad kommen. Voiges: „Wir denken nicht, dass wir den Verkehrsfluss nachhaltig stören.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Moll betonte, dass im Herbst noch der Verkehrskreisel gebaut wird. Lars Braack (SPD) hatte dennoch große Bedenken gegen das Verkaufszelt wegen des Verkehrsflusses.

Volker Ramge hielt dagegen, dass er dieses Argument nun vier Mal gehört habe. „Es gibt auch eine Versorgungslage“, sagte der Ausschussvorsitzende. „Verkehrsprobleme gibt es doch nur, wenn es da auch einen Bedarf für die Produkte gibt.“ Ramge meinte, er habe Schwierigkeiten, den Bau deswegen abzulehnen. Auf die Bedrohung von Arbeitsplätzen angesprochen, sagte Voiges, dass das Unternehmen die Mitarbeiter aus dieser Region bei einem Verbot dann woanders einsetzen müsse. Man wolle verlässlicher Partner für Kunden wie für Mitarbeiter sein. Voiges: „Wir wollen den Markt abdecken und zeigen, dass wir der Discounter Nummer 1 sind.“

Matthias Mau (CDU) konterte nicht weniger forsch: „Das haben Sie ja auch ganz kühn getan.“ Seiner Ansicht nach ist es schwer vorherzusagen, ob die Verkehrsbelastung mit Aldi höher oder weniger hoch sei. Mau: „Ich hoffe, dass Sie mit den Nachbarn sprechen, und ich hoffe auch, dass nicht gleich die Abrissbirne wieder kommen muss.“ Bei einer Gegenstimme (Grüne) und einer Enthaltung (SPD) erteilte der Bauausschuss sein Einvernehmen. Nun kommt also nicht die Abrissbirne in die Wassermühlenstraße, stattdessen soll heute um 8 Uhr bei Aldi der Verkauf im Zelt beginnen. Gestern Nachmittag sagte Christian Voiges: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“ 

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erstellt am 25.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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