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Schlei-Bote

11. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Kappeln : 40 Jahre Ladenstraße: Über Stolpersteine zur Flaniermeile

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Vor 40 Jahren wurde die neue Ladenstraße in der Kappelner Innenstadt mit einem großen Fest eröffnet - Zeitzeugen erinnern sich.

Kappeln | Sie misst samt ihren Abzweigungen knapp ein Kilometer und ist gemächlichen Schrittes in einer Viertelstunde erkundet. Die Ladenstraße in der Innenstadt ist neben der Hafenpromenade das Herzstück Kappelns. Heute vor 40 Jahren, am 26. November 1976, wurde sie offiziell eröffnet. Bis es soweit kommen konnte, mussten jedoch einige Stolpersteine überwunden werden.

Ende 1975 beschloss die Politik das „Jahrhundertprojekt“. Mit dem Umbau zu einer Ladenstraße verfolgte die Stadt ein hehres Ziel: Kappeln sollte zum Zentrum Nordschwansens und Ostangelns werden. Doch was von der Politik beschlossen wurde, stieß nicht bei allen ansässigen Geschäftsleuten auf Wohlwollen. Zu groß war die Frucht, dass Kunden wegblieben, weil sie mit dem Auto nicht bis vor die Tür fahren konnten oder Geschäfte vorrübergehend geschlossen werden mussten.

Andere Ladenbesitzer sahen in der Modernisierung der Innenstadtstraßen derweil eine Chance. Zu schmal waren die Bürgersteige für den Einkaufsbummel, zu eng die Straßen für Autos und Busse (siehe Foto unten). „Es war katastrophal, wie sich der Verkehr durch die Innenstadt drängen musste“, erinnert sich Albrecht Hansen, der zu dieser Zeit in der Schmiedestraße wohnte. Häufig habe es kein Durchkommen mehr gegeben. Flanieren in der Innenstadt? Fehlanzeige.

Trotz zum Teil heftiger Kritik begannen die Bauarbeiten und mit ihnen das Leid einiger Ladenbesitzer. Wegen der Bauarbeiten wurden die Straßen abschnittsweise vollgesperrt – auch zur Saison. „Für die Geschäfte war das schlimm“, weiß Joachim Ramge, dem früher die Adler-Apotheke in der Schmiedestraße gehörte und der heute Leiter des Arbeitskreises für Stadtgeschichte der Volkshochschule ist. „Weil die Straßen gesperrt waren, sind die Kunden zu Hause geblieben oder zur Konkurrenz gegangen.“ Zu der damaligen Zeit habe das Geschäft aber gerade von der persönlichen Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer gelebt – besonders in einer Kleinstadt. Die Hoffnung der Anwohner? „Mögen die Bauarbeiten ein schnelles Ende finden.“ Das Wetter sollte den Ausschlag geben, wie lange die Bauarbeiten andauern würden. Dank des Jahrhundertsommers 1976 verliefen sie zügig.

Im Herbst 1976 wurde die Ladenstraße wiederöffnet. Mit Musik, Tanz und Tombola glich ihre Einweihung einem Volksfest. Vertreter aus Politik und Wirtschaft hoben die Bedeutung der Ladenstraße für die Schleistadt hervor. Der festliche Rahmen ließ erahnen, was sie sich von der Flaniermeile für die Stadt erhofften und welche Hürden auf dem Weg zur „echten“ Fußgängerzone genommen werden mussten.

Der damalige Kreispräsident Andreas Franzen brachte die Bedeutung dieser städtebaulichen Entwicklung auf den Punkt: „Kappeln reiht sich mit der Gestaltung der Innenstadt in die Reihe der Städte ein, die ihre Plätze mit Marktcharakter ausgestalten.“ Für die Stadt Kappeln sei dieses Werk kein „leichter Brocken“. „Die Sanierung der kleinen Innenstädte ist eine der dringendsten Aufgaben der Kommunalpolitik.“ Die Stadtkerne seien durch die Entlastung vom Verkehr zu ruhigen Zonen geworden, wenn sie dem Verkehr angepasst würden, würden sie zerstört werden.

Die Bemühungen sollten sich ausgezahlt haben. „Die Stadt hat durch die Ladenstraße ein ganz neues Gesicht bekommen“, weiß Joachim Ramge. Es sei die richtige Entscheidung gewesen. „Die Ladenstraße hat Kappeln attraktiv gemacht.“ Am Ende seien sogar ihre wildesten Gegner von der Ladenstraße überzeugt gewesen. Sie haben erst sehen müssen, wie ihr Geschäft zu florieren begann. „Alles war plötzlich ganz anders. Es passierte viel mehr. Das hat Kappeln verändert“, sagt auch Waldtraut Walberg. Mit der Fertigstellung der Ladenstraße wurde auch die anliegende Parfümerie der Familie Walberg eröffnet.

Ein ersten Grund zu feiern hatten die Kappelner bereits 1972. Eine einfache Asphaltdecke markierte den Fußgängerbereich, jedoch noch nicht in seiner endgültigen Form. Auf „ihre“ Ladenstraße mussten die Kappelner noch vier Jahre warten. Gehwegplatten in gleicher Höhe und von Wand zu Wand waren das erklärte Ziel. Damit wollte die Stadt zu diesem Zeitpunkt jedoch noch warten. Der Grund: Es sollte zunächst die Kanalisation verlegt werden, die in der Innenstadt bis dahin fehlte.

Viele Anwohner hatten noch eigene Klärgruben. Ihre Eimer wurden einmal in der Woche Freitagabend vom sogenannten „Goldwagen“ abgeholt. „Dann konnte man hier nicht mehr spazierengehen, weil es so stank“, erinnert sich Waltraud Walberg. Mit den Arbeiten für die Kanalisation war die Stadt vergleichsweise spät dran. Jahrelang fehlte es an Geld, dann gab es welches „von oben“, sodass das „Jahrhundertwerk“ in die Tat umgesetzt werden konnte. Der Ausbau der Kanalisation zog sich über zwei Jahre und fand mit Einweihung der Ladenstraße in ihrem heutigen Antlitz seinen Höhepunkt.

So viel Gutes die Ladenstraße auch brachte, ein Stück Geschichte ließ sie endgültig verschwinden: Zu Beginn der Bauarbeiten auf dem Rathausmarkt wurde der ins Pflaster eingelassene Christophorus sorgsam Stein für Stein herausgenommen, in Tüten verpackt, beziffert und im Bauhof eingelagert. Er sollte nach den Arbeiten wieder seinen angestammten Platz auf dem Rathausmarkt finden. Doch bis heute fehlt jede Spur.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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