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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Kappeln : 20 Jahre Geselligkeit und Gemeinsinn

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Stammtisch „Die Schliejungs“ engagiert sich für Stadtverschönerung, Tafel oder Orgelneubau. Jubiläumsfeier auf der „Schlei Princess“.

Vielleicht liegt es daran, dass sie kein wirklicher Verein sind, kein Zusammenschluss mit klar definierten Strukturen und Hierarchien. Zwar weiß man durchaus, dass es sie gibt, aber sie agieren lieber ein bisschen im Verborgenen. Geradezu still und heimlich haben die „Schliejungs“ in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert, und spätestens aus diesem Anlass darf man ruhig mal ein bisschen offensiver und lauter nach außen treten. Und zurückblicken auf das, was die Gruppe in den vergangenen 20 Jahren so alles ausgemacht hat.

„Zu einer gut gehenden Gastronomie gehört ein Stammtisch.“ Das sagte Michael Hucke zu Beginn des Jahres 1996, und er sagt es auch heute noch. Damals war Hucke Geschäftsführer im „Aurora“ und rief gemeinsam mit Claus-Jens Siemen die „Schliejungs“ ins Leben. Einzige Bedingung zum Mitmachen: Ein „Schliejunge“ ist entweder selbstständig oder arbeitet in einer Führungsposition. „Das ist unser verbindendes Element“, sagt Hucke, „weil wir auch einfach viel über unsere Arbeit sprechen“. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die Mitglieder möglichst verschiedenen Berufssparten angehören, derzeit gehören beispielsweise ein Steuerberater, ein Bäcker, ein Architekt, ein Glaser, ein Friseur, ein Tischler dazu.

Jeden Donnerstagabend kommen die „Schliejungs“ zusammen, seit 2006 nicht mehr im „Aurora“, sondern im Hotel „Stadt Kappeln“, seit Michael Hucke dort die Führung übernommen hat. „Und ein Stammtisch passt auch ins Hotel“, sagt er, „weil er Zugehörigkeit und Verbundenheit mit Ort und Menschen symbolisiert“. Von den zwölf Gründungsmitgliedern sind heute noch fünf dabei, insgesamt gibt es derzeit 19 „Schliejungs“. Und diese Jungs tun nicht nur etwas für die eigene Freizeit, sondern genauso für ihre Stadt. So treffen sie sich jedes Jahr vor den Heringstagen, um die Wanderwege entlang der Schlei vom Müll zu befreien. Andreas Jaich sagt: „Und da kommen leicht sechs 240-Liter-Säcke Müll zusammen.“ Daneben zahlen die „Schliejungs“ Monatsbeiträge und Fehlgelder in ihre Gemeinschaftskasse ein – und geben geschätzte 90 Prozent der Einnahmen wieder für gute Zwecke aus. Michael Huckes Liste ist lang: Beteiligung am Expo-Schiff, Blumenzwiebeln zur Stadtverschönerung, Beiträge für den Orgelneubau, die DLRG, die Tafel, den Brunnen am Rathausmarkt, für den jährlichen Aalbesatz der Schleifischer, auch mal für die Schulbildung des Kindes eines verstorbenen Mitglieds. „Das ist unsere Art, unsere Verbundenheit mit der Stadt zu leben“, sagt Hucke.

Und ganz nebenbei wächst so auch ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den „Schliejungs“. Gemeinsam wird ein privates Osterfeuer entzündet, der Stammtisch hat einen Angelpokal ausgelobt, organisiert ein kleines Bowlingturnier, unternimmt gemeinsame Fahrten, die traditionell in der Verantwortung des jeweiligen Präsidenten liegen – ein Posten, der Jahr für Jahr dem Alphabet folgend weitergereicht wird. Leipzig, Berlin, Köln, Kopenhagen waren bereits Ziele der „Schliejungs“. Der Stammtisch hat die Erdinger Brauerei besichtigt und die Zeche Zollverein in Essen. Und um die Gemeinschaft auch nach außen sichtbar zu machen, gibt es sogar Pullover, Polo-Shirts, Hemden und Jacken mit dem „Schliejungs“-Schriftzug.

Am Wochenende hat die Gruppe ihr Jubiläum groß gefeiert – diesmal nicht im Hotel „Stadt Kappeln“, sondern auf der „Schlei Princess“ mitten auf der Schlei. Wie es sich für echte „Schliejungs“ eben gehört.

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erstellt am 11.Jul.2016 | 10:30 Uhr

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