zur Navigation springen

Schlei-Bote

08. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

Angelner Dampfeisenbahn : 20.000 Euro – aber ein Gleis muss weg

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Weniger Fahrzeuge, Verzicht auf einen Schienenstrang: Kappeln unterstützt die Angelner Dampfeisenbahn unter bestimmten Voraussetzungen.

Auch ein Rechenfehler entpuppte sich für Iver Schiller am Ende nicht als Fallstrick. Dafür war die wohlwollende Tendenz, die die städtische Politik in der jüngeren Vergangenheit mehrfach ausgesendet hatte, viel zu eindeutig. Gleichwohl hat es sich der Hauptausschuss nicht nehmen lassen, seinen zunächst auf neun Jahre festgelegten jährlichen Zuschuss für die Angelner Dampfeisenbahn an drei Bedingungen zu knüpfen, von denen eine auch endlich mehr Freiraum für die Gestaltung des Südhafens liefern soll.

An seinen Stichtag hatte sich Iver Schiller gehalten. Bis zum Ende des vergangenen Monats sollte der Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn gGmbH ein langfristiges Finanzierungskonzept für eben diese Bahn vorlegen, so hatte es der Hauptausschuss zum Jahresanfang gefordert. In der jüngsten Sitzung des Gremiums fasste er nun sein Papier noch einmal zusammen, sprach von jährlich 14.000 Fahrgästen, deren Zahl mithilfe der Lokalen Tourismusorganisationen weiter erhöht werden soll, von Werbeaktionen im Hamburger Hauptbahnhof, vom Sonnabend als neu eingeführtem Betriebstag neben dem traditionellen Mittwoch und Sonntag, vom „Sorgenkind Infrastruktur“, für das man bislang „das, was eben nötig war“, getan habe, deren Instandsetzung jetzt aber „in geordnete Bahnen“ gelenkt werden solle, davon, in den kommenden Jahren aufgrund des anstehenden kontinuierlichen Schwellenwechsels eine „verlässliche Förderung“ zu benötigen. Aus Schillers Unterlagen geht hervor, dass er für die Angelner Eisenbahngesellschaft (AEG), die die Strecke Kappeln-Süderbrarup betreibt, mit jährlichen Einnahmen von knapp über 100.000 Euro rechnet. Darin sind die erforderlichen 50.000 Euro an Zuschüssen von Kreis, Stadt und Gemeinden bereits enthalten. Aufgesplittet bedeutet das im Idealfall 20.000 Euro aus Kappeln, 15.000 Euro vom Kreis, jeweils 5000 Euro vom Amt und der Gemeinde Süderbrarup. Die verbleibenden 5000 Euro muss die AEG über andere Wege und Sponsoren auftreiben.

Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) machte die Runde dann auf einen Rechenfehler aufmerksam: Im Finanzierungsplan der AEG waren die jährlichen Trasseneinnahmen von gut 16.000 Euro doppelt veranschlagt worden, sodass am Ende ein Überschuss von gut 6200 Euro blieb, dort tatsächlich aber ein Minus von 10.000 Euro stehen müsste. Iver Schiller räumte den Fehler ein, entschuldigte sich dafür und kündigte an, dieses Loch über die ursprünglich geplante Erhöhung bei den Personalkosten um 9000 Euro stopfen zu können. Ungethüm-Ancker betonte derweil: „So etwas ist nicht unbedingt vertrauensbildend.“ Ihr Parteifreund Volker Ramge hielt den Rechenfehler zwar auch für bedauerlich, aber: „Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das Konzept einiges ermöglicht und der Betrieb der Bahn mit überschaubaren Mitteln zu planen ist.“

Michael Arendt (LWG) pochte allerdings darauf, dass das Betriebsgelände der Bahn am Kappelner Südhafen aufgeräumt werden müsse. „Es macht derzeit nicht den besten Eindruck“, sagte er und bereitete damit Matthias Mau (CDU) das Feld, der erneut auf die in diesem Bereich seit Langem angestrebte Entwicklung zu sprechen kam. „Uns ist wichtig, dass man sparsam mit dem rollenden Material umgeht. Und das, was da ist, muss in Ordnung sein“, sagte Mau. Verbindliche Aussagen seien gerade im Hinblick auf den planerischen Fortschritt auf dem gesamten Areal zwingend erforderlich. Iver Schiller sah sich zwar nicht in der Lage, den Materialverzicht ad hoc regeln zu können, aber er erneuerte seine Zusage vom Jahresanfang: „Ein Gleis ist in Kappeln verzichtbar, wenn wir in Süderbrarup eine Abstellmöglichkeit bekommen.“ Und er kündigte Weiteres an: „Wir entfernen Fahrzeuge bevor im Südhafen gebaut wird.“ Den Abbau des Gleises aber müsse die Stadt selber zahlen.

Vorbehaltlich der Gesamtfinanzierung und der Räumung des dritten Gleisstrangs bis zum 30. Juni des nächsten Jahres empfahl der Ausschuss einen jährlichen Zuschuss von 20.000 Euro für die Museumsbahn bis zum Jahr 2025. Außerdem erwartet die Stadt einen sonntäglichen Fahrbetrieb von Mai bis September, in den Sommermonaten zusätzlich mittwochs und sonnabends. Die Stadtvertretung folgte der Empfehlung einstimmig.

Am kommenden Montag stehen nun Gespräche darüber an, wie die künftigen Eigentumsverhältnisse der Infrastruktur aussehen sollen. Ungeachtet dessen formulierte Iver Schiller aber schon mal deutlich: „Ich danke der Stadt, dass sie die Vorreiterrolle übernommen hat.“

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jul.2016 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen