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Schenefelder Tageblatt

09. Dezember 2016 | 06:54 Uhr

Tobias Stein im Interview : Vom Comic-Leser zum Künstler

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Tobias Stein stellt für den Kunstkreis Schenefeld seine Pop-Art-Werke unter dem Titel „Zukunftsmusik“ in der Galerie aus.

Schenefeld | Pop-Art ist seine Leidenschaft: Der aus Bad Pyrmont stammende Künstler Tobias Stein absolvierte seine Grafikdesign-Ausbildung in Hamburg und beschäftigte sich während dieser Zeit auch mit Ästhetik und Design der Kunstrichtung, die durch triviale Bildmotive besticht. Seine elf Bilder unter dem Titel „Zukunftsmusik“ sind in einer aktuellen Ausstellung im „Stadtzentrum“, in der Galerie des Kunstkreises, erstes Obergeschoss, oberhalb der Sparkasse zu bewundern. Er erläutert im Interview mit shz.de unter anderem seinen Stil und informiert über zukünftige Projekte.

Ihre im „Stadtzentrum“ gezeigten Bilder erinnern ein bisschen an den Pop-Art Maler James Rizzi. Wie sind Sie zu ihrem Stil gekommen?
Tobias Stein: Ich habe meinen Stil eher zufällig gefunden, habe nicht bewusst einen comichaften Malstil gewählt. Es ist wahrscheinlich eher zufällig geschehen, da ich als Kind viele Comics gelesen habe. Diese Einflüsse haben sich unbewusst im Hinterkopf festgesetzt. Als ich mich später mit der Malerei beschäftigte, waren natürlich auch Künstler der Pop-Art für mich wichtig, Dabei ging es aber nicht darum, einen Malstil zu übernehmen. Den hatte ich ja schon. Meine Studien waren für mich eher eine Bestätigung, dass ich mit dem Vorhaben, Illustratives und Comichaftes in Gemälde zu transportieren, kunsthistorisch nicht ganz alleine bin.

Welche Künstler haben Sie beeinflusst?
Keith Haring hat mich sicherlich beeinflusst. Friedensreich Hundertwasser und Eugen Egner wären weitere Namen, die schon Betrachtern meiner Bilder eingefallen sind, ohne dass ich mich weiter mit dem Schaffen der entsprechenden Herren auseinandergesetzt hätte.

Die Pop-Art gilt als fröhliche Kunstrichtung , die das Leben nicht tragisch nimmt. Was fasziniert Sie daran? Ist es vielleicht auch der Optimismus?
Eher das Gegenteil. Meine Bilder haben häufig etwas Destruktives und Konfliktgeladenes. Mich reizt es, dies durch Niedlichkeit zu konterkarieren. Von daher geht für mich durchaus von Optimismus und Fröhlichkeit eine Faszination aus, aber sicherlich von einem anderen Standpunkt aus, als den Sie jetzt vermutet hätten.

Wie gehen Sie beim Kreieren ihrer Werke vor?
Zuerst kommt die Idee, die kann durch Eingebung entstehen. Ich sehe irgendwo etwas, und habe dann die Idee für ein Bild. Die besten Ideen füge ich aus älteren Bildern zu etwas Neuerem zusammen, manchmal steht auch der Titel des Bildes am Anfang. Dann kommen massenhaft Skizzen und Notizen, bei denen ich mir viele Gedanken über Bildaufbau und Farbgebung mache. Wenn es dann konkreter wird und das Ganze auf der Leinwand landen soll, spielt aber auch der Zufall eine große Rolle. Ich denke, ich habe die richtige Balance zwischen Zufall und Planung gefunden.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?
Keine Ahnung. Denn meine Bilder sind klüger als ich. Im Idealfall lasse ich den geneigten Betrachter aufgrund der Informationen, die ich ihm gebe – Bildtitel und Bild – selber eine Interpretation finden.

Welche zukünftigen Projekte beziehungsweise Ausstellungen haben Sie geplant?
Im Laufe der Ausstellung „Zukunftsmusik“ werde ich jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr für einen Malkurs vor Ort zugegen sein. Meine nächste Ausstellung wird vom 9. April bis zum 12. Mai im Kulturladen St. Georg stattfinden – zusammen mit den Künstlern Siko Ortner und Andy Hunter. Projekte? Mein nächstes Ziel ist erst einmal Kunst zu unterrichten, um konkret mit meinem Schaffen Geld zu verdienen. Dies wird allerdings vorerst auf ehrenamtlicher Basis für Kinder, Flüchtlinge und andere Zielgruppen stattfinden. Ich werde irgendwann in naher Zukunft meinen comichaften Stil einmal in eine Graphic Novel überführen. Dazu müsste ich allerdings den Kopf etwas freier haben.

Welchen Einfluss übt die Stadt Hamburg auf Ihre Kunst aus?
Ich bin überzeugt davon, dass meine Kunst anders aussehen würde, wenn ich in einer anderen Stadt leben würde. Wie sich mein Wohnort Hamburg aber konkret auf meine Kunst auswirkt, kann ich leider nicht sagen. Bewusst hamburgerisch male ich nicht. Meine Szenarien wie Endzeitvisionen und Baumwollfelder in den Südstaaten sind ja auch eher global als lokal.

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