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Schenefelder Tageblatt

05. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Tiger-Tangas und skurrile Dates

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Interview Schenefelder Autorin Nicole Schaper hat einen Roman über die Partnersuche im Internet geschrieben / Tipps für Nutzer

Zu Familienfeiern muss man allein gehen und abends nach der Arbeit wartet nur die Tiefkühlpizza: Single zu sein, ist für viele Menschen nicht ganz einfach. Mehrere Studien belegen, dass die wenigsten freiwillig allein sind. Immer mehr Menschen begeben sich deshalb online auf die Suche nach einem Partner. Auch die gebürtige Schenefelderin Nicole Schaper (45) loggte sich Abend für Abend bei Dating-Portalen ein, schrieb Männern, traf sich mit ihnen – bis Amors Pfeil traf. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Aus ihren Erfahrungen entwickelte sie ihren ersten Roman „Liebesnetz – Oder warum ,Toter Kofferfisch’ kein guter Profilname ist“. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet sie von skurrilen Dates, sie plaudert aus dem Nähkästchen, was die Gepflogenheiten bei der Online-Partnersuche angeht, und sie gibt Tipps, wie die Partnersuche gelingen kann.

Wieviel von Ihnen steckt in Ihrer Hauptfigur Lena?

Nicole Schaper: Es ist nicht 100 Prozent autobiografisch. 20 Prozent sind dazu erfunden. Teilweise haben die Gegebenheiten stattgefunden, teilweise aber auch nicht. Ich habe meine Erfahrungen verarbeitet, die ich mit Mitte 30    gemacht habe. Ich musste den zeitlichen Ablauf stark straffen. Das waren Erlebnisse, die ich in drei bis vier Jahren gemacht habe. Im Buch sind das dann noch eineinhalb Jahre.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Buch zu schreiben.

Ich war schon immer ein kreativer Mensch. Immer wenn ich diese Internetgeschichten erlebt habe, hab ich das zu Papier gebracht und mich darüber mit Freundinnen ausgetauscht. Und viele haben dann gesagt: Das musst du veröffentlichen.

Macht Online-Dating das Kennenlernen oberflächlicher?

Auf jeden Fall. Es ist ein bisschen so wie Online-Shopping. Man guckt sich Bilder an, vielleicht noch den Profiltext und das war’s. Da blättert man sich an einem Abend locker mal durch 400    Männer oder Frauen ohne sich die näher anzugucken.

Was macht Online-Dating aus Ihrer Sicht so erfolgreich?

Mein Ansporn mit Anfang 30    war, dass man dann gar nicht mehr viele Möglichkeiten hat, jemanden kennenzulernen. Viele der Freunde sind bereits verheiratet und haben Kinder. Party machen und weggehen ist dann nicht mehr häufig. Viele lernen sich dann noch über den Job kennen. Jeder ist in dem Alter beruflich eingespannt und hat weniger Zeit als in der Lehre oder im Studium. Deshalb fällt viel Zeit weg, um unterwegs zu sein und irgendwo jemanden auf natürliche Art und Weise kennenzulernen.

Wie kamen Sie denn zu Ihrem Online-Happy-End?

Leidensweg will ich das nicht nennen. Aber diese Entwicklung, die Lena im Buch macht, habe ich auch gemacht. Man ist Anfang 30, verlassen worden und sucht im Internet die große Liebe. Man erlebt da Aufs und Abs. Meine Eltern haben mir immer vorgehalten, ich sei viel zu anspruchsvoll. So wird das nichts. Du musst von deinem hohen Ross runter. Aber ich dachte mir: Das kann’s nicht sein. Nur weil ich Single bin, habe ich doch einen Anspruch an mich und an meinen Partner.

Gibt es wichtige Regeln fürs Online-Dating?

Wichtig ist, dass man nicht auf Krampf jemanden sucht. Wenn man sich dann irgendwann fragt: ,Warum klappt das denn bei mir nicht und bei allen anderen?’ So wird das nichts. Man muss glücklich sein mit sich und seinem Leben. Man sollte in sich selbst ruhen und sich sagen: Ich kann auch Single sein. Ich bin glücklich. Ich guck mich weiter um, aber ich kann an der Situation nichts ändern. Wenn man keine Angst mehr davor hat, Single zu sein oder zu bleiben, dann klappt das witzigerweise. Das war bei mir genau der Punkt. Ich hatte ein halbes Jahr kein Internet-Dating mehr gemacht und dachte, das bringt doch eh irgendwie nichts. Dann habe ich mich noch einmal angemeldet, wollte nochmal gucken und hatte mich noch mit einem Mann getroffen. Das war jetzt auch nicht Liebe auf den ersten Blick. Aber letztlich hat es gepasst und vor zwei Jahren haben wir geheiratet.

Wo lauern Gefahren beim Online-Dating?

Ich glaube, dass die Zeiten heute schlimmer werden. Früher war das Schlimmste, was passieren konnte, dass er ein altes Foto drin hatte oder keins, und man dachte: Wie sieht der denn aus? In den Medien waren die Gefahren noch nicht so bekannt. Aus heutiger Sicht sollte man da vorsichtig sein. Ich habe aber auch Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Meine beste Freundin wusste immer, wann ich mich mit wem wo treffe. Sie hatte die Telefonnummer von dem Mann. Und wir haben uns nie zu Hause getroffen. Man sollte keine Adressen rausgeben.

Mit wieviel Männer hatten Sie über die Jahre Kontakt?

Getroffen habe ich mich mit ungefähr 30 Männern. Aber mit wievielen ich geschrieben habe, kann ich nicht sagen. Manchmal sind das ja auch nur kurze Mails oder Chats und der Kontakt ist schon schnell wieder vorbei.

Wie entwickelt man da die Geduld, um dran zu bleiben?

Man darf nicht verbissen sein und gleich den Hauptgewinn erwarten. Aber das klappt mit nichts. Auch nicht bei einer neuen Wohnung oder einem Job. Man muss Geduld haben und die Erwartungen nicht zu hoch setzen. Es reicht auch, erst mal eine schönen Abend zu haben. Schlimmstenfalls bist du in 20 Minuten wieder zu Hause. Bestenfalls bist du nächstes Jahr verheiratet. Man muss locker bleiben und gucken.

Haben Sie weitere Tipps?

Man muss auf jeden Fall authentisch bleiben. Es bringt nichts, wenn man sein Foto oder sein Profil schönt. Wenn ich denjenigen kennenlerne, nützt es mir nichts, wenn er denkt, ich sei fünf Jahre jünger. Das findet der sowieso heraus und es bringt mich nicht weiter. Etwas offen zu sein, und sich bei der Optik nicht ganz so festzulegen, sondern sich erst mal mehrere Profile durchzulesen, hilft.

Und beim Chatten oder Mailen? Wie klappt das?

Grundsätzlich sind Männer nun einmal nicht die größten Schreiber. Man sollte es auf jeden Fall einfach halten und keine Romane schreiben und erwarten. Stattdessen sollte man sich möglichst schnell treffen. Das Schreiben ist ja nur ein kleines Abchecken. Wenn jemand eine Kraut-und-Rüben-Rechtschreibung hat, denke ich, der ist entweder besoffen, oder ich bin ihm nicht wichtig genug, dass er darauf achtet. Oder da stimmt intellektuell etwas nicht. Wenn man die Hürde genommen hat, kann man kurz telefonieren, um einen Treffpunkt abzumachen. Alles andere zögert das Ganze ja nur hinaus. Das Ziel ist ja, zu gucken, ob daraus etwas werden kann. Und das geht ziemlich schnell. Es ist immer hart, wenn man nach dem ersten Getränk gehen will. Aber es bringt nichts, den Abend künstlich in die Länge zu ziehen.

Heutzutage sind ja auch einige Online-Dating-Formen nur auf unverfängliche Abenteuer angelegt. Woher weiß ich, ob der andere es ernst meint?

Ich glaube, das weiß man nie. Aber das weiß man auch nicht, wenn man jemanden in der Bar oder im Urlaub kennenlernt. Das muss man herausfinden und riskieren.

Was war Ihre schlimmste Erfahrung beim Daten?

Skurril war, als mir jemand schon nach fünf Minuten sagte, dass es mit uns nichts wird. Das fand ich sehr schnell. Und dann wollte er mir gleich irgendwelche Fonds für wilde Anlagengeschäfte und Schneeballsysteme verkaufen. Er hatte auch Werbematerial dabei und wollte mich direkt zu Info-Veranstaltungen einladen. Das war schon komisch. Und dann passiert es natürlich auch mal, dass man Fotos von den Männern auf den Plattformen freigeschaltet bekommt. Mit einem Mann hatte ich nett geschrieben, und der schaltete dann ein Bild frei, auf dem er im Tiger-Tanga auf dem Sofa lag. Da dachte ich: ,Oh Gott’. Aber das passiert halt mal, wenn man das Online-Dating länger betreibt.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 16:52 Uhr

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