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Schenefelder Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:22 Uhr

Startschuss für neue Technologien

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Festakt European XFEL in Schenefeld hat gestern mit dem Betrieb begonnen / Elektronen werden bald auf Slalomkurs gebracht

Obwohl die Empfangshalle bei XFEL in Schenefeld mehr als großzügig ist, drängten sich gestern die Gäste dicht an dicht. Der Grund: Die Wissenschaftler feierten mit 350 Gästen die Inbetriebnahme des Röntgenlasers. Im Sommer 2017 soll die gesamte Anlage für 1,2 Milliarden Euro fertig sein. Dann schießen die Elektronenblitze durch den etwa drei Kilometer langen Tunnel zwischen Schenefeld und Hamburg.

Die Redner gestern waren vollen Lobes für die einzigartige Forschungseinrichtung. Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft und Forschung prohezeite, die Forschungsanlage werde die Metropolregion Hamburg „an die Weltspitze der Forschung mit Elektronen-Lasern heben“. Sie freue sich auf neue Technologien zur Medizin- und Materialentwicklung. Vor dem Termin gestern hatte Fegebank noch mit Königin Silvia und König Carl Gustaf von Schweden zu Mittag gegessen. Zunächst habe sie gedacht, das sei der Höhepunkt des Tages gewesen. Die lang erwartete Inbetriebnahme in Schenefeld konnte sie sogar noch mehr begeistern. XFEL sei ein konkretes Beispiel für die „europäische Idee“, für ein gemeinsames Ziel eng zusammenzuarbeiten.

Auch die anderen Redner lobten die großartige Zusammenarbeit der elf beteiligten Länder. Helmut Dosch, Vorsitzender des DESY-Direktoriums, sprach beim XFEL-Team von einer „Familie“. Er wirkte sichtlich gerührt und voller Enthusiasmus. „Mein Körper gibt heute viele Endorphine ab“, witzelte er. Das Schenefelder Forschungszentrum arbeitet eng mit Desy zusammen. Dosch sagte, die Wissenschaftler in Schenefeld seien technisch „besser ausgerüstet als die Raumstation ISS“. Hier werde Technologie-Transfer in reinster Form betrieben. In Hinblick auf die Möglichkeit, bei XFEL künftig Filmaufnahmen von Molekülen zu machen, scherzte er, hier entstehe quasi ein „neuer Discovery Channel.“

Beatrix Vierkorn-Rudolph vom Bundesministerium für Bildung und Forschung lobte die erfolgreiche Planung des Forschungszentrums und betonte die Wichtigkeit
der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die bei XFEL künftig gewonnen werden können. „Eine exzellente Grundlagenforschung ist die Basis für Innovationen und den Wohlstand von morgen“, sagte sie.

Für die Wissenschaftler geht die Arbeit nun weiter:
Der Elektronen-Beschleuniger wird nun schrittweise auf die Betriebstemperatur abgekühlt. Die beschleunigten Elektronenpakete werden voraussichtlich im Frühjahr weiter in den Photonenteil der Anlage geleitet. Dort erreichen die Elektronen die röntgenlichterzeugenden Magnetstrukturen, die Undulatoren, in denen Magnete die Elektronenpakete auf bis zu 210 Meter langen Strecken auf einen engen Slalomkurs bringen. In einem sich selbst lawinenartig verstärkenden Prozess entstehen dabei die extrem hellen und kurzen Röntgenblitze mit laserartigen Eigenschaften. Ab Sommer 2017 kann die Anlage wissenschaftlich genutzt werden.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 16:36 Uhr

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