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Schenefelder Tageblatt

02. Dezember 2016 | 21:07 Uhr

Initiative in Schenefeld : Sprachunterricht für weibliche Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Verein „Glücksgriff“ ermöglicht mit Hilfe des Förderzentrums Friedrichshulde Sprachunterricht für weibliche Flüchtlinge.

Schenefeld | „Mama!“ Mohammed läuft strahlend auf seine Mutter zu, als sie den Raum betritt, und hält sich an ihren Beinen fest. Im Hintergrund werden Kinderlieder von Rolf Zuckowski gespielt. Was wirkt wie eine gewöhnliche Kita-Situation, spielt sich in den Räumen des Förderzentrums Friedrichshulde in Schenefeld ab. Dort wird im ersten Stock seit dem Frühjahr ein Sprachkursus für weibliche Flüchtlinge mit Kindern angeboten. Das Besondere: Der Nachwuchs wird währenddessen im Erdgeschoss vom Verein Kinderparadies betreut.

Montag und Freitag wird drei Stunden lang gemeinsam gelernt. Derzeit nehmen etwa zehn Frauen daran teil. Zu Beginn waren es sogar 20. Sie kommen aus dem Irak, Afghanistan und dem Kosovo. Die Idee zu dem Kursus hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schenefeld, Ute Stöwing. Sie habe damit beim Willkommens-Café aber offene Türen eingerannt, berichtet sie. Dort hätten die Helfer den gleichen Gedanken gehabt. Denn wenn kleine Kinder da sind, bleiben die Mütter oft zu Hause – während die Ehemänner lernen. Ohne Betreuung sei der Besuch eines Angebots nicht möglich. Häufig seien die Frauen generell zurückhaltender und hielten sich im Hintergrund. Am öffentlichen Leben nähmen einige gar nicht teil, so Stöwing. Deshalb sei es auch schwierig gewesen, die Frauen mit dem Angebot zu erreichen. Zunächst sei Stöwing von Unterkunft zu Unterkunft gegangen. Über Multiplikatoren und Mund-zu-Mund-Propaganda habe sich die Idee dann schließlich rumgesprochen.

Dauerhaft Räume zu finden, war ebenfalls eine Hürde. Stöwing war froh, dass Matthias Wiggers, Geschäftsführer des Förderzentrums Friedrichshulde ihnen schließlich geholfen und die Räume zur Verfügung gestellt hat. Renate Kiesekamp und Kerstin Bendt unterrichten die Flüchtlinge. Schwierig sei die unterschiedliche Ausgangssituation. Während einige Teilnehmerinnen ein Studium abgeschlossen hätten, seien andere nie zur Schule gegangen. Mit viel Geduld sei es schließlich gelungen, die Frauen gleichermaßen zu begeistern. Weil sie unter sich sind, könnten die Frauen sich auch gegenseitig Tipps geben, beispielsweise beim Umgang mit Behörden oder der ärztlichen Betreuung bei Schwangerschaften. Ein Vorteil: Frauen, die kein großes Selbstbewusstsein hätten, könnten voneinander lernen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Möglich ist der Kursus durch das Engagement des Vereins „Glücksgriff“. Bisher haben Chefin Ingrid Pöhland und ihr Team 5000 Euro bereitgestellt. Mit weiteren 5000 Euro ist das Projekt im nächsten halben Jahr gesichert. Die Teilnehmerinnen des Sprachkurses bedankten sich nun mit Geschenken bei Pöhland, die sichtlich gerührt war. Sie sei gleich begeistert gewesen von der Idee, ein Angebot speziell für Frauen zu machen. Deshalb wolle sie das Projekt auch weiter unterstützen.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 16:10 Uhr

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