zur Navigation springen

Schenefelder Tageblatt

10. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

„Persönliche Situation entscheidet“ : Sehr gut besuchter Vortrag über Asylverfahren im Juks

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Juks: Sehr gut besuchter Vortrag über Asylverfahren. Journalist Reinhard Pohl informiert über die rechtliche Lage.

Schenefeld | Mit zumindest etwas Hoffnung haben Flüchtlinge aus Afghanistan das Juks in Schenefeld verlassen. Der Journalist Reinhard Pohl hatte im vollbesetzten Raum über das Asylverfahren wie über die Geschichte Afghanistans informiert. Dolmetscherin Rayana Fakhri übersetzte den Vortrag für die Flüchtlinge ins Dari (Ostpersisch). Flüchtlinge, Helfer und interessierte Bürger lauschten gespannt.

Pohl kam beim Teil über die Verfahren und das Asylrecht besonders auf den wichtigsten Punkt Anhörung zu sprechen. Er wies darauf hin, dass Flüchtlingen hier „ein Recht auf Übersetzung“ zusteht. Die meisten Betroffenen nähmen von diesem Recht keinen Gebrauch. Pohl empfahl den Flüchtlingen, hier ihre Chance zu nutzen und ihre jeweilige persönliche Situation darzustellen. Denn die Entscheidung über den Status, das Bleiberecht, habe immer etwas mit dem Einzelschicksal zu tun. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werde bei der Antragsbearbeitung von Monat zu Monat schneller.

Die Vortragenden stiegen beim Teil über Afghanistan, der sich vor allem an die Flüchtlingshelfer richtete und über das Land informieren sollte, mit einem Vergleich ein: Insgesamt 30 Millionen Menschen leben in Afghanistan auf einer Fläche von 652.864 Quadratkilometern. 81 Millionen Einwohner leben in Deutschland auf einer Fläche von 357.376  Quadratkilometern. Das Pro-Kopf-Einkommen beläuft sich bei uns auf 21.900 Euro, bei den Afghanen lediglich auf 500 bis 900 Euro. Der größte Teil der Einwohner des wesentlich ärmeren Landes besteht aus Sunniten, lediglich eine Minderheit sind Schiiten. Die gebirgige Struktur erschwere es, Verkehrswege zu errichten.

Pohl lieferte darüber hinaus Informationen über Geschichte, Demokratie und innere Sicherheit wie politische Persönlichkeiten des Landes. Pohl streckte einen Bogen vom vornehmlich unter britischem Einfluss stehenden Kolonialismus über Putsch des Königs (1973) bis hin zum von 1990 bis 1994 dauernden Bürgerkrieg und der Besetzung durch die USA im Jahre 2001.

Pohl kam auch auf die seit Monaten von Aufständischen gestoppten Fahrzeuge zu sprechen. Identifizierte Regierungsmitglieder, Sicherheitskräfte und Mitarbeiter internationaler Organisationen werden nur allzu häufig bedroht, entführt und getötet. Die Zuhörer lauschten gespannt Pohls Ausführungen über Mitglieder aus Regierung und aus Taliban-Kreisen. Die komplett von internationaler Hilfe abhängige Wirtschaftsleistung wie der Wirtschaftsfaktor „Schlafmohn“ waren ein weiteres Thema. Afghanistan ist seit 1992 Weltmarktführer für Schlafmohn, aus dem Opium wie Heroin gewonnen wird. „Der Vortrag ist bei den Flüchtlingen sehr positiv angekommen“, bilanzierte die ehrenamtliche Helferin Ulrike Behn nach der Veranstaltung.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Nov.2016 | 16:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen