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Schenefelder Tageblatt

09. Dezember 2016 | 18:34 Uhr

Eine Frau allein unter Installateuren : Schenefelder Start-Up-Gründerin im Porträt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Anfang des Monats hat Kim Sarah Wehrend mit ihrem Geschäftspartner Harald Eichlohn den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Schenefeld | Kim Sarah Wehrend ist 25 Jahre alt, blond, zierlich, schlagfertig – und ausgebildete Meisterin für das Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk. In dieser Woche hat sie ihren Meisterbrief bei einer Feier in Hamburg entgegengenommen. 576 Meisterbriefe wurden verteilt. Nur eine andere Frau habe auch den Meister in ihrem Bereich absolviert. Zuvor hatte sie bereits eine Jury im Jahr 2013 zum Azubi des Jahres gekürt. Die Schenefelderin weiß sich durchzusetzen.

Anfang des Monats hat Wehrend mit ihrem Geschäftspartner Harald Eichlohn den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ihr Alleinstellungsmerkmal will sie zum Markenzeichen machen. Mit ihrer „SHE GmbH“ richtet sie sich vor allem an weibliche Kunden und will mehr Frauen in dem Beruf ausbilden und beschäftigen.

Dass Wehrend sich in einer Männer-Domäne befindet, stellte die Handwerkerin gleich zu Beginn fest. Als sie nach einem Praktikum fragte, meinte ihr erster Chef, sie könne zwar bei ihm erste Erfahrungen machen, aber er würde „generell keine Frauen einstellen“. Er ließ sich eines besseren belehren und drei Monate später begann Wehrend ihre Ausbildung. Davor habe sie in einer Kfz-Werkstatt in Elmshorn gelernt und dort vor allem mit schweren Maschinen zutun gehabt. „Das war aber körperlich noch härter“, erinnert sie sich. Sie brach deshalb die Ausbildung ab, ging ein Jahr ins Ausland, landete dann im Büro – das sei zwar nicht ihr Ding gewesen.Dort traf sie aber ihren späteren Chef, ergatterte das Praktikum und setzte sich letztlich in der Firma durch.

Einfach sei das nicht gewesen. Die Kunden hätten zwar überrascht reagiert, wenn sie dort vorfuhr. Letztlich seien sie aber begeistert gewesen, dass eine Frau sich um ihre Heizung kümmert. „Ich habe vor allem von Frauen unheimlich positives Feedback bekommen.“ Bei den Kollegen in der Berufsschule und später in der Meisterschule blieb die Euphorie allerdings aus. „Ich wurde stark angefeindet. Das war schon Mobbing“, sagt die Installateurin. „Da habe ich mir aber gedacht: Jetzt erst Recht.“ Schließlich könnten auch Frauen den Beruf ausüben. Selbst in ihrer Familie glaubte man nicht daran, dass die 25-Jährige dabei bleibt.

An ihrer Tätigkeit gefällt Wehrend, dass sie viel Kontakt mit Kunden hat und das Ergebnis ihrer Arbeit gleich sichtbar ist. „Ich habe ein vollbrachtes Werk“, sagt sie. Ihr Vater habe sie als Elektriker bereits als Kind mit dem Handwerk in Berührung gebracht. Dass sie körperlich nicht besonders stark ist, sei kein Problem im Berufsalltag. „Ich nehme dann eben eine Tragevorrichtung wie eine Sackkarre oder einen Wagen. Sollen die Männer sich doch einen Bruch heben. Bei denen ist das oft Eitelkeit oder Stolz.“ Zudem seien neue Maschinen leichter gebaut als früher.

Ihren bisherigen scheinbaren Nachteil – ihre Weiblichkeit – will sie nun zum Markenzeichen machen. Derzeit erarbeitet eine Gruppe Studenten an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg ein neues Marketingkonzept. Viele, besonders ältere Frauen, hätten zudem Vorbehalte, einen männlichen Handwerker in die Wohnung zu lassen, da es immer mehr Trickbetrüger gibt. Wehrends Ziel sei es, dass künftig jeder Kunde Frau oder Mann wählen kann, wenn Hilfe gefragt ist. Häufig sei die Herrin des Hauses daheim, wenn die Handwerker klingeln. „Ich glaube, dass eine Frau ein anderes Gefühl dabei hat und sich nicht so dumm fühlt, wenn sie von der Materie keine Ahnung hat.“ Wehrend will auch in die Schulen gehen und auf Berufsmessen informieren, um mehr Frauen für den Beruf zu begeistern und ein überwiegend weibliches Team zusammenzustellen. Zudem sucht sie noch weitere Kooperationspartner.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 14:00 Uhr

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