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Schenefelder Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Kerle schwelgen in Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Theater Ensemble der „Komödie im Bayerischen Hof“ in München verzückt Schenefelder mit bitterbösen Sticheleien

„Du kriegst doch eh keinen mehr hoch“ – das Stück „Kerle im Herbst“, das am Montagabend massenweise Zuschauer ins Schenefelder Forum lockte, kam gleich mit den ersten Sätzen zur Sache. Gespielt wurde es von der Münchner Tournee, eine Produktion der Komödie im „Bayerischen Hof“ München. Hergeholt für das Gastspiel hatte die Truppe das Juks für seine Veranstaltungsreihe im Forum.

Genauso frivol, wie es anfing, ging das Stück von Katrin Wiegand auch weiter, denn auf der Terrasse mit Liegestühlen und Grünzeug – das einzige Bühnenbild an diesem Abend – sitzen die drei betagten Herren Manfred (Horst Janson), Rolf (Hans-Jürgen Bäumler) und Wolfgang (Christian Wolff), die sich die Zeit nicht anders zu vertreiben wissen, als sich fiese Spitzfindigkeiten an den Kopf zu werfen.

Der Inhalt: Zwar kennen sich die drei Herren aus der Schule, doch es prallen Welten aufeinander. Der verwitwete Manfred ist ein Möchte-gern-Frauenheld, der superfitte Sportler Rolf war zeitlebens mit seinem Rennrad verheiratet und der schwule Wolfgang liebt seinen Fächer und sein knallpinkes Hemd. Dazu kommt die schwangere junge Haushälterin Dani (Sarah Jane Janson), die für die gesunde Diät der drei Streithähne sorgt. Deren Gesprächsthemen von Erektionsstörungen und anderen Altersschwächen, Cholesterinwerten und „78 Jahren Lebenserfahrung inklusive eines Weltkriegs“ werden aufgemischt, als sich eine alte Schulfreundin per Brief ankündigt. Da wird die Hawaii-Badehose schnell beiseitegelegt und der feine Zwirn aufgetragen. Es kommen aber noch drei weitere Briefe, statt der erwarteten Freundin, die in den Beschreibungen der Drei zwischen dem Schulmädchen mit Zöpfen und der wohl oder übel 78-jährigen Frau, die sie nun sein müsste, schwankt.


Skurrile und dynamische Dialoge


Schnell steht fest: Manfred, Rolf und auch der schwule Wolfgang kommen als Vater für deren Tochter Renate in Betracht. Am Ende kommen weder Karin noch Renate, beide sind schon tot, aber Dani entpuppt sich als Enkelin und bringt auch gleich den Urenkel zur Welt – ein Schock für die frischgebackenen „drei Väter“.

Das Publikum lachte über die bitterbösen Sticheleien und kam aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Das kammerspielartige Stück unter Regie von Horst Jahning kam sehr gut mit dem immer gleichen Bühnenbild aus, lebte es doch von den skurrilen und dynamisch vorgetragenen Dialogen der Darsteller, die ihre Charaktere herrlich gemein, aber trotzdem sympathisch verkörperten – vom Dauerzank bis zum Schwächeanfall. Den großartig pointierten Vortrag des Textes mit Sinn für Timing honorierte das Publikum mit viel Beifall – auch wenn sich die Ereignisse am Ende auf der Bühne fast überschlugen.

Wer die „Kerle im Herbst“ live sehen möchte, hat in der Region noch zwei Gelegenheiten: Am Dienstag, 8. November, stehen die Schauspieler auf der Bühne der Tribühne in Norderstedt, am Freitag, 11. November, sind sie im Stadttheater in Elmshorn zu sehen.


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erstellt am 02.Nov.2016 | 16:09 Uhr

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