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Stadtentwicklung : Investor-Pläne sorgen für Zündstoff

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Flächen an Sportplätzen an der Blankeneser Chaussee als Bauland im Gespräch. Nutzer sind verärgert.

Schenefeld | Die Sportplätze an der Blankeneser Chaussee nutzen viele Mitglieder von Blau-Weiß 96. Der Breitensportverein in Schenefeld benötigt mehrere Plätze für seine Fußballer und weitere Sparten. Die Idee, das Gebiet zu Bauland zu machen, diskutierten Investoren und Parteien immer mal wieder. Inzwischen liegt wieder ein für Zündstoff sorgender Antrag von Investorenseite vor. Anvisiert ist, das an den Sportplatz angrenzende Grundstück zu bebauen.

Doch dies lässt sich nur mit großen Einschränkungen für den Sportbetrieb realisieren. Die Ausweisung zu einem Wohngebiet kann nur erfolgen, wenn beispielsweise ein Lärmschutzwall errichtet oder der Sportbetrieb soweit eingeschränkt würde, dass die vorgeschriebenen Lärmschutzimmissionen eingehalten werden. „Diese Sportplätze sind für uns existenziell“, betont Blau-Weiß Geschäftsführer Frank Böhrens.

Mehr als 600 Fußballer trainieren und spielen im Verein. Die Hauptnutzzeit ist von 16 bis 21.30 Uhr. „Die Pläne sind für uns untragbar“, bekräftigt die Vorsitzende Marga Gätjens. Der Schenefelder Fußballer Manfred Korczanowski pflichtet Böhrens bei. Mit politisch engagierten Bürgern gründete er damals die Stadtpartei, mit dem Ziel, die Bebauung der seit dem Jahr 1896 bestehenden Sportplätze zu verhindern. „Wenn wir uns damals umsonst für die Plätze eingesetzt hätten, wäre das hirnverbrannt“, sagt der 79-Jährige. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Einwohner. 15.000 Menschen lebten vor 25 Jahren in Schenefeld, inzwischen sind es an die 20.000 Bürger.

Rückblende: Die Stadt, unterstützt von Parteien und Verwaltung, verfolgte Anfang der 1990er Jahre das Ziel, das Gebiet wirtschaftlich zu vermarkten. Sie plante konkret, die Sportplätze in Bauland zu verwandeln und an Investoren zu verkaufen. „Anvisiert war eine massiv verdichtete Wohnbebauung“, erläutert Anwohner Heinz Grabert. Die Schenefelder gingen auf die Barrikaden. Sie sammelten mehr als zweitausend Unterschriften. Sie schufen damit die Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid. „Das war damals einer der ersten Bürgerentscheide in Schleswig-Holstein“, berichtet Grabert. Mit „Pauken und Trompeten“ gewannen die Bürger gegen Stadt und Politik. Der Erhalt der Sportplätze war gesichert. „Mit über 20 Prozent der Stimmen sind wir in den Rat eingezogen“, erinnert sich das ehemalige Mitglied der Stadtpartei Korczanowski.

Eine Landwirtin schenkte der Stadt das Gebiet an der Blankeneser Chaussee vor mehreren Jahrzehnten unter der Voraussetzung, dass dort Sportplätze entstehen. „Damals wurde vergessen, diesen Wunsch vertraglich zu regeln“, sagt Anwohnerin Mechthild Grabert. Dies sei ein Knackpunkt. Der rechtlich bindende Charakter der damaligen Vereinbarung sei insofern fraglich.

Die aktuellen Investor-Pläne sind durch die offizielle Antragstellung im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss bekannt geworden. Der Ausschussvorsitzende Matthias Schmitz (Grüne) sieht keine Gefahren für den Sportbetrieb. „Bei Blau-Weiß muss sich keiner Gedanken machen“, so Schmitz. Er plant in punkto der Plätze keinerlei Einschränkungen vorzunehmen. „Wir möchten sie erhalten“, so der Grünen-Chef. Bei der Stadt wie in den Parteien werde es hierzu keine zwei Meinungen geben. Wenn der Investor bauen wolle, müsse er sich um den Lärmschutz kümmern. Und das würde teuer.

Falls alle Stricke reißen, hat Korczanowski bereits eine Idee. „Sollte es nötig sein, müssen wir wieder eine Partei gründen“, gibt er sich kämpferisch. Die Politik entscheidet in der nächsten Sitzung Ende März.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 16:30 Uhr

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