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Schenefelder Tageblatt

07. Dezember 2016 | 11:41 Uhr

„Wir drehen uns im Kreis“ : Fraktionen sollen Gründung der Stadtwerke Schenefeld und Ankauf der Stromnetze erneut beraten

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Jetzt befasste sich erneut der Ausschuss für Energie, Wasser und Abwasser mit der Thematik.

Schenefeld | Schenefeld überlegt seit geraumer Zeit, eigene Stadtwerke zu gründen, um die Kommune unabhängig von den Energie-Riesen zu machen und selbst Geld damit zu verdienen. Am Dienstag befasste sich erneut der Ausschuss für Energie, Wasser und Abwasser mit der Thematik. „Wir können mit einer eigenen Gesellschaft mit mehr Risiko mehr Rendite erzielen. Wenn wir eigene Netze betreiben, wäre das Risiko größer, aber es würde vielleicht auch mehr Spaß machen“, fasste Jochen Ziehmann (Grüne) als Vorsitzender des Ausschusses das vorgestellte Konzept der Schleswig-Holstein Netz AG zusammen.

Das Stromnetz in Schenefeld hat laut der Schleswig-Holstein Netz AG eine Länge von 150 Kilometern. Hinzu kommen 75 Kilometer Erdgasnetz. Die etwa 19.000 Einwohner werden in 7700 Haushalten versorgt. Dafür sind 29 Mitarbeiter verantwortlich – davon zwölf Meister. Pro Jahr investiere die Schleswig-Holstein Netz AG 350.000 Euro in Instandhaltung und Neuerungen. Insgesamt 48 Photovoltaikanlage speisten ihren Strom aus Schenefeld ins Netz ein. An diese wurden 2015 Vergütungen mit einem Gesamtvolumen von 108.000 Euro ausgeschüttet.

„Uns ist wichtig, über das Thema ins Gespräch zu kommen und den Austausch mit Ihnen zu haben“, sagte Markus Echt, zuständig für Kommunale Partnerschaften bei der Schleswig-Holstein Netz AG. Sollte sich die Stadt Schenefeld entscheiden, den Wegenutzungsvertrag mit dem bisherigen Anbieter zu verlängern, könnte sie sich an der Aktiengesellschaft beteiligen. „Das ist aber nur für unsere Kunden möglich“, erläuterte Echt. Die Stadt könnte Aktien zu einem Stückpreis von 4695,24 Euro ankaufen und bekäme eine Garantiedividende von 152,11 Euro jährlich für die ersten fünf Jahre. Zudem würde die Schleswig-Holstein Netz AG die Aktien 2021 auch zum Ausgabewert zurückkaufen. „Ihr Geld ist damit sicher“, so Echt. Mindestabnahme seien 22 Aktien, was einer Investition von 103.000 Euro entspräche. Die jährliche Rendite läge bis 2021 bei 13.300 Euro. Maximal könnte die Stadt Schenefeld 2690 Aktien kaufen. Die Investition: 12,6 Millionen Euro. Jährlich würden 1,635 Millionen Euro an Rendite ausgeschüttet. Nach 2021 würde neu verhandelt. Dies entspräche dem theoretischen Wert des Schenefelder Netzes. „Damit haben wir doch mal eine Zahl“, stellte Ziehmann fest. Echt schränkte allerdings sofort ein: „Der Wert ist nur theoretisch. Hier muss zwischen einer Unternehmens- und einer Anlagenbewertung unterschieden werden.“

„Keiner muss mitmachen. Diejenigen, die mitgemacht haben, haben sich aber bestätigt gefühlt“, betonte Echt und verwies auf die bereits bestehende Zusammenarbeit bei der Wärmeversorgung Schenefeld: „Ich denke und hoffe, dass wir da erfolgreich zusammenarbeiten. Das wäre auch im Strommarkt möglich.“ Klar sei aber auch, dass die Hanse Werke immer die Mehrheit an der Schleswig-Holstein Netz AG halten. „Sonst können wir keine Garantiedividende ausschütten, denn dann läge die unternehmerische Verantwortung rein in den Händen der Städte“, so Echt.

„Der Vorteil am Konzept der Schleswig-Holstein Netz AG ist, dass wir uns keine Gedanken machen müssen. Es ist das sicherste Konzept“, sagte Ziehmann. „Wenn wir eigene Netze betreiben, gehören auch Fachleute dazu, die wir teuer einkaufen müssen“, sagte Holm Becker (CDU) und ergänzte: „Stadtwerke zu betreiben ist ein Punkt, der Kauf der Netze ein anderer.“ Ziehmann erläuterte den bisherigen Diskussionsstand der Grünen-Fraktion: „Stadtwerke ohne Netze machen keinen Sinn. Der Vertrieb von Strom und Gas ist nicht interessant genug. Stadtwerke sollten wir nur gründen , wenn wir auch die Netze kaufen.“ Günter Vogelbein (OfS) warnte: „Wenn wir Stadtwerke wollen, müssen wir Fachleute einkaufen. Ich vermute, dass wir in den ersten zehn Jahren keine positiven Zahlen schreiben werden.“

„Ich habe das Gefühl, wir drehen uns im Kreis. Unser Ziel war es doch, kommunale Partner zu suchen“, sagte Bernd Peschka (SPD). „Andere Anbieter, auch regionale, wollen nur unser Geld. Wir müssen sehen, wo und wie wir mitreden können“, konterte Becker und mahnte: „Wir geben nicht unser Geld aus, sondern das der Bürger.“ Er schlug vor, dass Thema in den Fraktionen erneut zu beraten. Peschka: „Ich denke, dass wir mit der Art, wie wir diskutieren, keine Lösung finden. Vielleicht brauchen wir andere Medien oder externe Beratung.“ Ziehmann erläuterte das weitere Vorgehen: „Nach der Beratung in den Fraktionen muss es interfraktionelle Beratungen geben. Vielleicht brauchen wir Hilfe von außen.“

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