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Schenefelder Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Schenefeld : Es fährt kein Bus nach Halstenbek

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Tour zum Nachbarort Halstenbek wird für die Senioren aus Schenefeld zur Tagesreise.

Schenefeld | Sie wohnen an der Grenze zwischen Halstenbek und Schenefeld, an der Lornsenstraße. Und kommen von dort nicht weg: Die Senioren fühlen sich abgehängt, denn es gibt keine Busverbindung zwischen den Orten. Es klingt nach einem schlechten Scherz: Mit dem Gehwagen müssen Gerda Wegner (92) und ihre Nachbarinnen etwa einen Kilometer bis zur Friedrich-Ebert-Allee gehen. Von dort geht es mit dem Bus zur nächsten S-Bahn-Station nach Hamburg und zurück nach Halstenbek. Mehr als eine Stunde dauert die Reise – für eine Strecke von etwas mehr als zwei Kilometern.

„Wir sind auf den Bus angewiesen“, sagt Wegner. Für Erledigungen im Rathaus oder Arzttermine. Christa Günther (80) pflegt das Familiengrab auf dem Halstenbeker Friedhof. Doch jeder Trip wird so zur Tortur. „Das ist eine Tagesreise“, sagt Günther. Zumal sie auch noch blind ist. Sie orientiert sich nur mittels Gehör und einem Stock. Auch das Rathaus in Schenefeld sei schwer zu erreichen. Zum Wochenmarkt würden die Frauen gern, schaffen es aber nicht. „Die Bürgermeisterin hat es praktisch. Die kann nach unten gehen und sich ihren Sellerie holen“, sagt Günther trocken. „Da braucht man sich auch nicht wundern, wenn die alten Leute noch mit dem Auto fahren, obwohl sie es nicht mehr sollten“, sagt Wegner. „Ich finde es unmöglich, dass es keine Verbindung nach Halstenbek gibt“, findet auch Leonore Feldhusen (76). „Es ist traurig. Wenn man alt ist, kann man nichts mehr machen – weil es einfach keine Möglichkeiten gibt.“

Den Frust der Senioren kann Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) verstehen. „Es ist schon absurd, dass zwei aneinanderliegende Kommunen über Hamburg verbunden werden.“ Sie sei gemeinsam mit Halstenbeks Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) beim Land und Kreis vorstellig geworden. Das Problem: Die Verbindung müssten die Kommunen finanziell allein stemmen. Denn beide seien grundversorgt. Eine neue Strecke würde einen „mittleren sechsstelligen Betrag“ kosten, so Küchenhof. Ob dafür Mittel zur Verfügung gestellt werden, hänge von der Politik ab. Sie hoffe auf ein Einsehen des Kreises wenn Schenefeld zum Forschungsstandort wird. Das Problem der Anbindung an die S-Bahn werde sich zuspitzen wenn bei XFEL ab dem Sommer 2017 geforscht wird.

Stadtplaner Ulf Dallmann will die Situation bei der verkehrstechnischen Untersuchung berücksichtigen und prüfen lassen. Dabei gehe es auch darum, Konzepte und Alternativen zu entwickeln – beispielsweise Sammeltaxen wie sie im ländlichen Raum genutzt werden.

Mathias Schmitz, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses (Grüne), bezeichnet die Situation als „Vollkatastrophe“. Ohne Unterstützung des Kreises sei eine Verbindung aber nicht finanzierbar. „Das ist ein dickes Brett, das wir bohren müssen.“ Der Bedarf sei unbestritten, jedoch könne die Stadt nicht große Projekte wie die Sanierung der Schulen aufschieben, um eine neue Busverbindung einzurichten.

Oliver Carstens, Sprecher des Kreises Pinneberg, sagte am Freitag, das Thema sei in der Vergangenheit geprüft, die Gesamtfinanzierung mit den Kommunen aber nicht zustande gekommen. Aufgrund der heutigen, besseren finanziellen Lage des Kreises sei aber geplant, eine Verbindung zwischen Halstenbek und Schenefeld neben anderen Projekten erneut aufzugreifen.

Absurde Situation für Senioren - ein Kommentar von Tanja Plock

Für eine Strecke von zwei Kilometern brauchen die Senioren mit Bus und Bahn eine Stunde. Weil Halstenbek und Schenefeld nicht vernetzt sind, müssen sie einen Umweg über Hamburg in Kauf nehmen. Die Situation ist wirklich absurd. Dass diese Verbindung nicht zur Grundversorgung gehört, ist nicht nachzuvollziehen. Für eine hohe Lebensqualität älterer Menschen ist eine ausreichende Infrastruktur notwendig. Schließlich will niemand nur noch im Haus sitzen, nur weil kein Bus fährt.

Die Situation wird sich zuspitzen angesichts des demographischen Wandels. Und nicht nur die Senioren würden von einer Strecke profitieren. Immer wieder wird bundesweit gefordert, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Der Kreis sollte mit gutem Beispiel vorangehen und die Kommunen unterstützen.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 16:14 Uhr

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