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Schenefelder Tageblatt

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Naturschutz : Eine Vogel-WG für Schenefeld

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Schleswig-Holstein Netz AG stellt Storchenmast auf. 400.000 Euro landesweit in Schutzvorrichtungen investiert.

Schenefeld | Reges Treiben auf der Wiese von Carsten Wisch hinter dem Schenefelder Wohngebiet am Friedrichhulder Stieg. Bohren und Hämmern war zu hören in der sonst idyllischen Natur. Die grasenden Pferde nebenan blickten skeptisch hinüber. Der Grund: Die Schleswig-Holstein (SH) Netz AG hat  einen Korb an einen elf Meter hohen Strommast  montiert, mit einem Kran in die Höhe gehoben und dann in ein Erdloch gesetzt. Alle Beteiligten hoffen, dass sich dort im kommenden Jahr ein Storchenpaar niederlässt und sich ein Nest baut.

Laut Marcus Bumann, technischer Leiter für den Kreis Pinneberg der SH Netz AG, kostet das  Storchennest insgesamt 1500 Euro. Der Energiedienstleister setze sich regelmäßig für den Vogelschutz ein. Für die Spezialisten, die normalerweise Freileitungen reparieren, sei solch eine Aufgabe „kein großes Ding“. Die SH Netz AG hat nach Unternehmensangaben in den vergangenen Jahren 400.000 Euro in Vogelschutzvorrichtungen im Land investiert. Dazu gehören auch Vogelsitzstangen und Schutzhauben. Bei der Errichtung von 60Storchennestern habe der Energiedienstleister geholfen. Wer auch einen passenden Platz für Störchennester habe, kann sich bei Bumann per E-Mail  melden. Allerdings sollte man sich vorher mit Naturschutzorganisationen vor Ort wie dem Nabu kurzschließen, ob eine Errichtung an der Stelle sinnvoll ist.

Das hatte Wisch getan. Den  Unternehmensberater könnte man als Hobby-Ornitologen bezeichen. Seitdem er 14 war, habe er sich mit dem Vogelschutz beschäftigt. An dem neuen Mast soll auch ein  Eulenkasten angebracht werden. Eine  Vogel-WG sozusagen. Überall auf seinem Areal hat der Schenefelder Boxen für verschiedene Vogelarten angebracht. Viele davon habe er mit Kindern aus seiner Straße gebaut und installiert. Bis zum Winter sollen es 40werden. Alle Kästen seien belegt. Die Arbeit zahlt sich also aus. Einen Eisvogel habe er auch schon  gesehen. Und diesen Sommer kam ein Storch vorbei – daher auch die Idee mit dem  Mast. „Wir müssen uns überlegen, in welcher Welt wir leben wollen.“ Deshalb wolle er  Tieren einen Teil des immer mehr schwindenden Lebenraums zurückgeben. „Die Nachbarn haben schon gemerkt, dass es hier mehr Piepmätze gibt“, sagt Wisch. Mit dem 13 Hektar großen Areal hat er noch einiges vor: So plant er, ab kommenden Jahr dort Parzellen zu vermieten, auf denen  Schenefelder Gemüse und Obst anbauen können.

Der Weißstorch ist laut Nabu der einzige Großvogel, der sich eng an den Menschen angeschlossen hat. In Deutschland und anderen Teilen Mittel- und Westeuropas ist heute landwirtschaftlich genutztes Grünland der Lebensraum der Weißstörche. Besonders wichtig sind feuchtes Grünland, das periodisch überschwemmt wird, Teiche und Weiher und extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen. Nur dort kann er ausreichend Nahrung finden. Allerdings wird immer mehr Grünland entwässert, Lebensräume für Pflanzen und Tiere werden zerstört und Pestizide in der Landschaft verteilt. Auch wenn sich der Bestand in den vergangenen Jahren deutlich erholt hat, bedeutet dies laut Nabu keine dauerhafte Trendumkehr. Der Bruterfolg reicht nicht aus, um die natürlichen Verluste auszugleichen. Immer noch gibt es zahlreiche Gefahren für den Weißstorch. In Schleswig-Holstein brüten laut Nabu derzeit 200 Paare des Weißstorchs.
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erstellt am 27.Okt.2016 | 16:30 Uhr

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