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Schenefelder Tageblatt

05. Dezember 2016 | 01:39 Uhr

Schenefeld : Ein Haus der Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Vision: Willy Kanow wünscht sich ein Informationszentrum in Schenefeld.

Schenefeld | Der Schenefelder Diplom-Ingenieur Willy Kanow (77) ist ein Visionär. Er denkt nicht in kleinen Schritten. Er will den großen Wurf. Für seine Stadt wünscht der Rentner sich, dass sie Vorreiter wird bei der Energiewende. Dass sie Bürger einlädt, sich mit regenerativer Energie zu beschäftigen. Nicht nur Schüler, alle Schenefelder sollen sehen, was technisch machbar ist und warum die Abkehr von fossilen Brennstoffen dringend notwendig wird. Wenn es nach ihm ginge, würde das neue Bürgerhaus, das im Zuge der Neugestaltung des Stadtkerns geplant wird, ein Zukunftshaus.

Sein Vorbild ist das Futurium, das in Berlin entsteht. Bei einem kürzlichen Besuch in der Hauptstadt informierte er sich über das Zentrum. Das Mammutprojekt soll die Chancen künftiger Entwicklungen zeigen. Wie werden und wie wollen wir leben? Welche Herausforderungen und Chancen sind mit zukünftigen Entwicklungen verbunden? Wie können Wissenschaft und Forschung dazu beitragen, diese Entwicklungen zu verstehen und die Zukunft zu gestalten? Mit Ausstellungen, Veranstaltungen und einem Reallabor sollen die Offenheit der Zukunft sowie ihre Gestaltungsfähigkeit unterstrichen werden. Im Sommer 2017 soll es fertig sein und 58 Millionen Euro kosten. Die Schenefelder Variante wäre zwar eine Nummer kleiner, das sei Kanow klar. Aber er sagt auch: „Ich habe mich in Berlin mit meinen Vorstellungen genau wiedergefunden.“ Als Dokumentations- und Kommunikationszentrum könnte ein Zukunftshaus in Schenefeld Strahlkraft weit über die Musterkommune hinaus haben, ist sich Kanow sicher. Nicht nur energetisch müsste das Gebäude auf dem aktuellen Stand der Technik, sondern auch bei der Energieversorgung ein zukunftsweisendes Vorbild sein. „Es muss allen Schenefeldern als Forum und Schaufenster für Innovationen anschaulich und stetig die zukünftige Energieversorgung nachhaltig vermitteln“, so Kanow. Schon vor zwei Jahren hatte er die Idee, die alte Post zu einem Zentrum für regenerative Energien umzubauen. Da dieses perspektivisch abgerissen wird und einer neuen Gestaltung des Stadtkerns mit Bürgerhaus weichen soll, appelliert Kanow an Politik und Verwaltung, die Chance zu nutzen und den großen Wurf zu wagen.

Ein Fokus im Schenefelder Zukunftshaus soll laut Kanow die Photovoltaik sein. Der Schenefelder hat selbst Solarzellen auf dem Dach und berät mit seinem Pfiffikus-Team ehrenamtlich Bürger bei der Planung einer eigenen Photovoltaik-Anlage. Zu einem Info-Abend im Rathaus seien 50 Interessierte gekommen. Ein Wechsel auf regenerative Energie sei dringend notwendig. Schenefeld benötige für die Straßenbeleuchtung und 40 eigene Liegenschaften zusammen etwa drei Prozent des Energiebedarfs in der Stadt wie die Dena-Studie „Energieeffiziente Musterkommune“ ergeben habe. Privathaushalte, Industrie, Handel und Gewerbe hätten zusammen mit 97 Prozent Anteil am Jahresstromverbrauch und somit mit Abstand den größten Bedarf.

Die Stadtverwaltung werde aus seiner Sicht ihr ambitioniertes Klimaziel in den kommenden Jahren nur erreichen können, wenn sie sich verstärkt auf Privatnutzer konzentriere und sie dabei unterstütze. Bei der Stadtkernplanung will sich Kanow verstärkt einbringen. Schon jetzt sammelt er Informationen, die nützlich sein könnten, und gibt sie an Stadtplaner Ulf Dallmann weiter. Er hofft, dass Politik und Verwaltung ihn unterstützten, damit seine Vision Wirklichkeit wird und nicht als Papiertiger endet.

Dallmann hält ein Mammutprojekt wie das in Berlin für unrealistisch in Schenefeld. Sollte solch ein Haus einen hohen Personalaufwand nach sich ziehen, habe er Zweifel, ob das finanzierbar sei. Einem Zukunftshaus, das durch intelligente Gebäudetechnik für einen modernen Umgang mit Ressourcen spricht, räumt er aber gute Chancen ein. Letztlich komme es aber auf den Wunsch der Politik an.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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