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Schenefelder Tageblatt

05. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Mit Löwengebrüll zurück zu mir : Das erste Mal Yoga - ein Selbstversuch

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Redakteurin Tanja Plock geht in Schenefeld das erste Mal zum Yoga. Die Atmung steht im Zentrum bei der Entspannung.

Schenefeld | Ein Haufen esoterisch angehauchter Frauen treffen sich zum gemeinsamen Atmen. Dazu bringen sie ihre Bio-Smoothies mit und tragen bevorzugt Batik-Oberteile, während sie sich über ihre innere Mitte austauschen: So lauteten meine Vorurteile zum Thema Yoga – bis ich es selbst in Schenefeld ausprobierte.

Vorab: Ich bin leider kein besonders gelassener und auch kein besonderer sportlicher Typ. Eher das Gegenteil. Bei bisherigen Meditationsversuchen bin ich meistens eingeschlafen.

Mittlerweile macht alle Welt Yoga. Doch was ist dran am aufschauenden Hund? Kann Yoga mir wirklich dabei helfen, abzuschalten und „zu mir selbst zu finden“? Was schon abgehoben klingt, stellte sich am Ende als Kern-Erkenntnis meinerseits heraus. Denn das kann Yoga. So viel sei gesagt. Ich ging gespannt zu meiner ersten Probestunde mit Wolf-Dieter Gödecke (65). Er bietet unter anderem Kurse mit der Volkshochschule in Schenefeld an.

Die Kobra klappt schon ganz gut.
Die Kobra klappt schon ganz gut. Foto: Dirbach
 

Was auffällt: Der Yoga-Lehrer ist einer der entspanntesten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Dann sollte Yoga doch auch in mir zumindest etwas mehr Gelassenheit hervorrufen, denke ich. Als Gödecke hört, was mein Ziel ist, scheint er alles andere als überrascht. Viele Menschen lebten in einem „Rappelzustand“, seien nicht mehr in der Lage, ihren Körper zu spüren und zu hören, was er benötigt. Aus diesem Grund sind auch die anderen Teilnehmer gekommen. Von Batik, Bio und übermäßig viel Esoterik keine Spur.

Was dann folgt, überrascht mich: Die Übungen machen mich in der Tat ruhiger, konzentrierter auf mich selbst und meinen Körper. Während ich mich so strecke und dehne, verändert sich etwas in mir. Ich kann mich schon bald ganz gut auf die Atmung konzentrieren und diese steuern. Herabschauender Hund, Kobra und die anderen einfacheren Sonnengrüße, die ich zunächst lerne, sind nicht so schwer auszuführen, wie ich gedacht habe.

Dehnung gehört zum Yoga ebenso wie die Atmung.
Dehnung gehört zum Yoga ebenso wie die Atmung. Foto: Dirbach
 

Es folgen Bewegungs- und Entspannungsübungen, bei denen ich wie ein Löwe brülle, durch den Raum tanze und am Ende wie eine Tote auf dem Boden liegen muss. Als Löwe komme ich mir zwar zunächst noch etwas dumm vor. Denn mein Fauchen klingt eher nach Hauskatze. Aber es hilft dabei, loszulassen. Meine Gedanken sind nicht mehr bei der Themenplanung, beim Abendessen, das noch nicht fertig ist, oder bei der schmutzigen Wäsche, die auf mich wartet. Sie sind bei mir.

„Yoga ist für mich die Hinführung zur Meditation“, erklärt Gödecke. Trotzdem würden die „körperlichen Bedürfnisse und Bewegungswünsche“ erfüllt. Der Schenefelder hat unter anderem Kurse in Indien belegt. Vorher war er Lehrer an einem Hamburger Gymnasium. Zum Yoga sei er über die Meditation gekommen.

Zu sich selbst finden im Lotus-Sitz: Das kann dauern.
Zu sich selbst finden im Lotus-Sitz: Das kann dauern. Foto: Dirbach
 

Ein Problem beim Yoga sei, dass viele nur in den Bewegungen hängen blieben und nicht das Sammeln und Zentrieren der Gedanken im Mittelpunkt sehen. „Sie dringen nicht zu dieser reinen Stille und Form von Meditation vor. Das sehe ich sowohl im Westen als auch im Osten“, sagt Gödecke. Was ist mit mir los? Was bin ich? Diese Fragen stehen aus seiner Sicht im Mittelpunkt beim Yoga. Es dauere aber, bis dieser Zustand erreicht werden kann, räumt er ein.

Für Gödecke führt der Weg zu sich selbst vor allem über eine konzentrierte Atmung. Das ist auch schwieriger als man denkt. Trotzdem lächle ich bereits am Ende der Stunde beseelt. Ich werde tatsächlich nicht mehr abgelenkt von dem Fluss der Gedanken, die mich sonst durch den Tag tragen.

Der Sonnengruß soll Körper, Geist und Seele aktivieren.
Der Sonnengruß soll Körper, Geist und Seele aktivieren. Foto: Dirbach
Yoga ist im Kern eine philosophisch spirituelle Lehre. Bewegungsabläufe und Körperhaltungen unterstützen die Harmonie von Körper und Geist. Der Begriff steht für Verbundenheit, Vereinigung mit dem Universum und auch für persönliches Wachstum. Der positive Effekt auf den Körper ist wissenschaftlich nachgewiesen.
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erstellt am 19.Okt.2016 | 16:15 Uhr

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