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Schenefelder Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:29 Uhr

Zufällig Opernsänger : Burkhard Fritz singt auf den großen Bühnen dieser Welt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Burkhard Fritz ist in Schenefeld aufgewachsen. Seine Karriere begann mit einer Schulaufführung.

Schenefeld | In Los Angeles haben ihm 5000 Zuschauer zugehört, in Krakau sang er vor 8000 Menschen. Burkhard Fritz trifft man auf den großen Bühnen dieser Welt– oder im Garten seiner Eltern in Schenefeld. „Ich komme immer gern hierher. Das ist meine Heimat“, sagt der Opernsänger, der im Stimmfach jugendlicher Heldentenor singt und hier seine ersten Schritte zu eine internationalen Karriere gemacht hat. Doch angefangen hat alles mit einer Schulaufführung am Schenefelder Gymnasium.

West Side Story sollte aufgeführt werden und Fritz konnte die Hauptrolle ergattern. „Ich dachte, wenn ich den Toni singen will, sollte ich mir ein paar Tipps holen.“ Mit 18 Jahren nahm er deshalb das erste Mal Gesangunterricht. „Das war aber eher ein Hobby. Ich hatte nur einmal in der Woche Unterricht“, erzählt er. Nach dem Abitur schrieb er sich an der Hamburger Universität im Fach Medizin ein und sang nebenbei immer noch. Bis ein Mitarbeiter vom Arbeitsamt eine seiner Proben besuchte und ihm empfahl, beim Theater vorzusingen. Sein Medizinstudium brach er ab, der Musik wegen.

Die Opernmusik war dabei aber keine Richtung, die Fritz von vornherein im Sinn hatte. In seinem Elternhaus spielte eher Symphonisches und Chormusik eine Rolle. „Die Oper war bei uns zu Hause gar nicht so präsent. Deswegen war ich da ziemlich unbeleckt. Aber ich hatte halt die Stimme dafür“, erzählt er von einem weiteren Glücksfall in seiner Karriere. „Und irgendwann ist meine Stimme dann so groß geworden, dass ich im Wagnerfach gelandet bin.“

Sein Weg führt ihn zu Engagements in Bremerhaven und Gelsenkirchen. Ab 2004 ist Fritz festes Ensemblemitglied an der Berliner Staatsoper. Ein Karriereschritt, mit dem der Schenefelder nicht gerechnet hatte, sollte er in Berlin doch eigentlich nur für eine Zweitbesetzung vorsingen. „Plötzlich sagte man mir, ich soll die Hauptrolle im Parsifal singen. Daran hätte ich nie gedacht.“ Sieben Jahre blieb er in Berlin. Seit 2011 tourt er freischaffend.

Oft in Schenefeld

Auch wenn Fritz mittlerweile mit seiner Frau und zwei Kindern in der Nähe von Berlin lebt, kommt er trotzdem oft nach Schenefeld, um seine Familie zu besuchen. „Ich habe hier bis zu meinen 27. Lebensjahr gelebt. Die Verbindung zu diesem Ort ist sehr stark. Meine Familie ist meine emotionale Basis.“

Wenn Fritz über die Zukunft spricht, verliert er über seine eigene Karriere nur wenige Worte. Singen sei ein Leistungssport und die Stimmbänder können geschädigt werden. „Wenigstens zehn Jahre will ich noch weitermachen.“ Was danach kommt, ist noch nicht klar.

Mehr Worte findet er zur Zukunft der Oper. „Die Oper hat das Problem, dass sie unglaublich viele Menschen beschäftigt“, berichtet er und erklärt, dass deshalb kein Opernhaus kostendeckend arbeiten könne. Seiner Meinung nach muss die Kultur weiter von der Politik gefördert werden, „aber ich kann alle Leute verstehen, die – wenn Bibliotheken und Schwimmbäder geschlossen werden – sagen: schließt lieber die teure Oper.“ Seiner Meinung nach habe die Politik die Aufgabe, die soziale und kulturelle Infrastruktur zu erhalten. Auch sollten kleine Häuser gefördert werden, denn „ich finde es wichtig, dass auch kleine Städte gute Kulturangebote haben. Nicht jeder kann nach Bayreuth kommen.“

„Welche Stars aus Schenefeld habt ihr denn noch angefragt?“, fragt Fritz am Ende des Gesprächs mit dieser Zeitung. Der Name Conny Reimann fällt und prompt mischt sich Fritz’ Vater ins Gespräch: „Der hat mal bei mir in der Firma gearbeitet.“ Auch Boris Lauterbach von Fettes Brot kennt man hier gut. „Mit Boris habe ich früher mal in einer Rockband gespielt“, sagt Fritz. Und bei dem Namen einer weiteren Opernsängerin ist Fritz sichtlich überrascht. „Die kommt auch aus Schenefeld? Mit ihr stand ich ja schon auf der Bühne. Verrückt.“ Man kennt sich in Schenefeld.

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erstellt am 03.Sep.2016 | 10:00 Uhr

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