zur Navigation springen

Schenefelder Tageblatt

11. Dezember 2016 | 07:05 Uhr

Alarm: Kein Entkommen im Parkhaus

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Sicherheit Besucherin kritisiert geschlossene Schranken beim Schenefelder „Stadtzentrum“ während Evakuierung nach Brand

Lange Schlangen, nervöse Menschen: Als die Hamburgerin Martina Wiecha in der vergangenen Woche im Schenefelder „Stadtzentrum“ einkaufen wollte, hatte sie sich einen ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht. Denn an diesem Tag geriet eine Friteuse auf dem Marktplatz in Brand, das Center musste evakuiert werden. Als Wiecha ins Parkhaus gefahren war, ging der Alarm los. Aufgrund eines „technischen Defekts“ – so schallte es aus den Lautsprechern– sollten alle Besucher das Gebäude zügig verlassen.

Wiecha stellte den Wagen ab und machte sich auf zum Parkautomaten, um ihre Karte zu entwerten. Nun war es allerdings mit der Zügigkeit vorbei. Denn dort hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet. „Junge Familien mit kleinen Kindern standen da. Es war ein sehr ungutes Gefühl für alle“, schildert sie. „Viele wurden nervös und beschwerten sich. Man wusste ja nicht, was los war.“ Sie habe nach dem Vorfall im Münchener Olympia-Einkaufszentrum gleich an einen Terroranschlag gedacht. Wiecha hätte es richtig gefunden, die Schranken gleich zu öffnen. Denn auch an der Ausfahrt hätten sich Kolonnen gebildet.

Ein Sprecher der zuständigen Firma Apcoa erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es an dem Mitarbeiter vor Ort liege, ob die Schranken geöffnet werden. Die Einfahrt werde sofort nach einem Alarm geschlossen, bei der Ausfahrt ist die Sache komplexer. Denn würden alle Autos gleichzeitig rausgelassen, würden sie die Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge behindern. Apcoa sei dieses Problem als größter Parkhausbetreiber Europas bestens bekannt. Es komme immer wieder vor, dass Feuerwehrleute nicht zum Brand vordringen können, weil sich Rückstaus bilden. „Dieses Chaos kommt, weil die Menschen nicht rausgehen, sondern erst mal ins Parkhaus laufen. Es gibt Durchsagen, an die muss man sich halten“, sagt der Sprecher.

Jedoch war in der Aussage im „Stadtzentrum“ von einem „technischen Defekt“ die Rede – nicht von einem Feuer. „Bei einem technischen Defekt nehm ich doch meinen Wagen mit“, sagt Wiecha. So hätten die Besucher den Ernst der Lage zunächst nicht begriffen, glaubt sie. Die Hamburgerin verstehe, dass es „unglücklich“ ist, wenn die Feuerwehr behindert wird. Deshalb schlägt sie vor, die Besucher des Centers auf den Ernstfall vorzubereiten. „Man muss den Leuten helfen, sich richtig zu verhalten.“ Besonders in heutigen Zeiten mit Terroranschlägen ist dies aus ihrer Sicht unerlässlich. Zudem seien die Besucher lediglich zum Verlassen des Centers aufgefordert worden. Es sei nicht deutlich geworden, ob zu Fuß oder mit dem Auto.

Oliver Carstens, Sprecher des für den Brandschutz zuständigen Kreises Pinneberg, gibt Apcoa Recht. „Wenn eine Durchsage alle im Gebäude befindlichen Personen zum Verlassen auffordert, so soll dies auf schnellstmöglichem Weg passieren. Das heißt, ein Fahrzeug sollte umgehend verlassen werden und auf schnellstmöglichen Weg sind die gekennzeichneten Notausgänge zu Fuß aufzusuchen, welche ein Flüchten in einen gesicherten Bereich oder ins Freie ermöglichen.“ Auch Dennis Fuchs, Pressesprecher der Feuerwehr Schenefeld, rät, sofort und ohne Umwege ins Freie zu gehen.

Center-Managerin Corina Schomaker erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Ansage mit Hilfe eines automatisierten Textes erfolgt. Es sei „gängige Praxis“, von einem „technischen Defekt“ zu sprechen. „Eine Durchsage über ,Feuer’ führt in der Regel zu unkontrollierbaren Panikreaktionen der Besucher und lässt eine kontrollierte Räumung nicht mehr zu“, sagt Schomaker. Die Worte „Notfall“, „Feuer“ oder „akut“ müssten vermieden werden. Die Durchsagen seien „vorgegeben und abgestimmt mit den Behörden“. Carstens entgegnet, dass die Durchsagen individuell verfasst werden können. Ein Zusatz, dass das Gebäude zu Fuß verlassen werden muss, sei „prüfenswert“.

Eine Evakuierungsübung ist laut Schomaker bisher im Schenefelder Center nicht durchgeführt worden. „Derzeit ist geplant, dies im Rahmen der Optimierung der Brandschutzorganisation im nächsten Jahr zu initiieren.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Nov.2016 | 16:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen