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Schenefelder Tageblatt

02. Dezember 2016 | 21:07 Uhr

Schenefeld : Ärger um Bau an der Altonaer Chaussee

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ein Investor hat ein Grundstück bereits gekauft. Die Mehrheit spricht sich deshalb gegen die Beplanung des Areals aus.

Schenefeld | Die Stimmung war von Anfang an gereizt während der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Rathaus. „Wenn wir das immer so machen, dann können wir unsere Arbeit hier einstellen.“ Mathias Schmitz, Vorsitzender des Ausschusses, war sauer. Sehr sauer. Der Grünen-Chef wollte ebenso wie die Verwaltung die Bebauung an der Altonaer Chaussee neu regeln. Doch die deutliche Mehrheit der Ausschussmitglieder war dagegen, das Prozedere jetzt anzugehen und wollte stattdessen, dass die Bebauung in dem Bereich vorerst weiterhin nach dem Paragraphen 34 des Baugesetzbuches geregelt wird.

Anlass war der Bauantrag für ein Doppelhaus und ein Dreier-Reihenhaus. Der Investor hat das Grundstück für mehr als eine Millionen Euro gekauft. Und das war das Problem. Denn die anderen Fraktionen wollten dem Bauherren keinen Strich durch die Rechnung machen.

Viele der Häuser an der Altonaer Chaussee sind alt und in einem schlechten Zustand, mal ist ein Gebäude drei- mal zweistöckig, manche der Häuser stehen direkt an der Straße, andere weiter zurück. Der Bereich vor dem Schenefelder Platz ist optisch kein Hingucker, obwohl er von Hamburg aus das Tor in die Stadt darstellt. Deshalb sollte das Gebiet neu überplant werden. Passiert dies nicht, tritt der Paragraph 34 in Kraft. Dann müssen sich Bauvorhaben nur in die nähere Umgebung einfügen. Laut Stadtplaner Ulf Dallmann sind ein Drittel der Flächen in Schenefeld derzeit überplant.

Zunächst stellte Dallmann ein grobes Konzept für den Bebauungplan 82 vor. Dieser sah vor, für künftige Bauvorhaben festzulegen, wie das Areal aussehen soll. Dallmann sah eine „lockere Struktur“ vor. Die Häuser sollten künftig näher an der Straße liegen, es sollten weniger „Löcher“ da sein, die Höhen sollten festgelegt werden, im Hinterland mehr Grünflächen entstehen. Besonders bei der Hinterlandbebauung habe Schenefeld ein Maß an Dichte erreicht, „den wir so nicht wollen“, so Dallmann. Es gehe um die längerfristige Entwicklung. „Wenn man eine andere Struktur haben will, muss man im Kleinen anfangen. So funktioniert Stadt im Wandel“, sagte Dallmann. An der Kreuzung Gorch-Fock-Straße / Engelbrechtweg sollte städtebaulich gekennzeichnet werden, dass hier Schenefeld beginnt. Doch die anderen Fraktionen OfS, CDU, BFB, SPD machten Dallmann und Schmitz einen Strich durch die Rechnung.

Die Dringlichkeit steht in Frage

Der Grund: Der Investor hatte das Grundstück bereits gekauft und sich darauf verlassen, nach jetzigem Recht zu bauen. Die Entwicklung eines B-Plans würde dauern, der Baustart wäre gefährdet. Holm Becker (CDU) sprach sich zwar für eine Überplanung aus, jedoch nicht jetzt. „Ich sehe die Dringlichkeit nicht.“ Über die Höhe der Gebäude herrsche aus seiner Sicht Uneinigkeit in den Fraktionen. Dallmann und Schmitz konnten die Argumentation nicht nachvollziehen. Wenn der Investor bereits den Kaufvertrag unterschrieben habe, sei das „persönliches Pech“. Es werde schwerer, das Gebiet erst dann zu überplanen, wenn durch die Neubauten bereits Fakten geschaffen seien. Da waren sich beide einig. „Der Drops ist dann gelutscht“, so Dallmann.

Der Fehler liegt laut Schmitz und Dallmann beim Investor. Der hätte auf den Vorbescheidsantrag warten und einen Vorvertrag schließen müssen. Schmitz formulierte es drastisch: „Wenn wir uns so verhalten und so handeln, können wir den Ausschuss auflösen.“ Das Gremium stehe im Dienst der Stadt und nicht der Investoren. Das Thema kommt erneut auf den Tisch während der Ratsversammlung am Donnerstag, 29. September, ab 19 Uhr im Rathaus. Schmitz will dann versuchen, auf die anderen Fraktionen einzuwirken. „Sonst entsteht da ein Symbol für die stadtplanerische Inkompetenz von CDU und SPD“, sagte er gestern.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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