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Quickborner Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:57 Uhr

Vortrag über Patchwork-Familien : Wenn Mama einen Neuen hat

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Diakonie, die Stadt Quickborn und das DRK-Familienzentrum laden zum Austausch über den Alltag in Patchwork-Familien ein.

Quickborn | Manche Kinder haben zwei Mütter und drei Opas. An Weihnachten kann die Zahl der Geschenke dadurch in himmlische Höhen steigen. Aber der Alltag kann auch zur Hölle werden. Kaum eine 14-Jährige wird vor Freude jubeln, wenn Papa eine neue Frau mit nach Hause bringt.

„Das Leben in einer Patchwork-Familie ist vielfältig, anstrengend und voller Überraschungen“, sagt die Sozialpädagogin und Systemische Therapeutin Anja Keller von der Erziehungs-, Familien- und Lebensberatung Pinneberg des Diakonischen Werks Hamburg-West/Südholstein. Bei einem Informationsabend am Dienstag, 1. November, im Familienzentrum Quickborn des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) möchte sie mit Stiefmüttern, -vätern und Großeltern über den Alltag von Patchwork-Familien ins Gespräch kommen. „Ich glaube, dass diese Familien lange versuchen, es allein zu schaffen. Ich bewundere das: Sie leisten unglaublich viel“, sagt Keller. Wenn Eltern sich trennen und neue Beziehungen eingehen, muss im Alltag viel organisiert und abgestimmt werden. Wer aus der Familie soll alles zum Kindergeburtstag eingeladen werden? Wo verbringt die Tochter Weihnachten? Mit welchem Paar fährt der Sohn in den Urlaub? Darf die Stiefmutter die Kinder miterziehen? Wie kann eine Mutter damit umgehen, wenn ihr Kind den neuen Lebenspartner ablehnt? Was muss sich der neue Mann bieten lassen?

Manchmal ist Unterstützung nötig

„Ich will Mut machen, das zu sortieren, auch wenn noch nicht ganz etwas Schlimmes passiert ist“, sagt Keller. Mitglieder von Patchwork-Familien dürften sich ruhig zugestehen, dass es Zeiten gibt, in den sie Unterstützung brauchen können. „Man braucht bis zu fünf Jahren, bis jeder mit seiner Rolle zurechtkommt“, berichtet Keller aus Erfahrung. Sie und ihre drei Kollegen in Pinneberg beraten viele Kinder und Eltern aus neu zusammengesetzten Familien. Deren Anzahl wird zwar in keiner Statistik erfasst. „Aber ich glaube, es gibt immer mehr“, vermutet Keller.

Ihre Erfahrung: Während sich die Erwachsenen auf das Leben mit dem neuen Partner freuen, erleben Kinder diesen Schritt häufig als schwierigen Einschnitt. Sie hatten kein Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl des neuen Vaters oder der neuen Mutter und müssen sich darüber hinaus oft mit Stiefbrüder und -schwestern arrangieren. „Kinder befinden sich häufig in einem Loyalitätskonflikt. Darf ich den neuen Freund von Mama nett finden? Ist dann Papa traurig?“, schildert Keller die Probleme.

Die Stadt Quickborn, das DRK-Familienzentrum und die Diakonie laden erstmals zu einem Informations- und Diskussionsabend über das Leben in Patchwork-Familien ein. „Eltern können sich dort auch mal austauschen und sehen: Damit bin ich gar nicht allein“, sagt die Stadtjugendpflegerin Birgit Hesse.

Anja Keller und ihre Kollegen bieten individuelle Beratungen an. Wer in einem Haushalt mit einem minderjährigen Kind lebt, braucht dafür nichts zu bezahlen. Die Gespräche werden vom Kreis Pinneberg finanziert. Interessierte können ohne Anmeldung die offenen Sprechstunden dienstags von 16 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr in der Bahnhofstraße 29-31 in Pinneberg besuchen. Darüber hinaus sind Beratungstermine montags bis donnerstags jeweils von 8.30 bis 19 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 17 Uhr möglich. Ratsuchende können sich montags bis freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr und dienstags von 15 bis 18 Uhr unter Telefon 04101-5055860 oder per E-Mail an die Adresse lebensberatung.pinneberg@diakonie-hhsh.de anmelden.
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erstellt am 25.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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