zur Navigation springen

Quickborner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

Kein Job, den jeder machen kann : Unterstützung für behinderte Menschen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bundesfreiwilligendienst: Moritz Biehl und Tim Hachmann unterstützen behinderte Menschen in einer Tagesförderstätte.

Quickborn | Der wichtigste Rat, den junge Menschen vor ihrem Berufseinstieg erhalten, ist eigentlich eine Binsenweisheit: Seht zu, dass in eurem Lebenslauf Dinge stehen, die zu eurem angestrebten Beruf passen. Das ist der Grund, warum zukünftige Tierarzthelfer ein Praktikum im Zoo machen oder Jugendliche, die Zweitradmechaniker werden wollen, in ihrem Lebenslauf von ihrem Hobby Motorcross berichten.

Moritz Biehl, 21, und Tim Hachmann, 19, haben gerade Abitur gemacht. Beide möchten nächstes Jahr eine Ausbildung zum Industriekaufmann machen, aber in ihren Lebensläufen wird etwas stehen, was zu diesem Wunsch nicht richtig zu passen scheint: Sie absolvieren den Bundesfreiwilligendienst in der Tagesförderstätte Himmelmoor, und kümmern sich um Menschen mit schwersten mehrfachen Behinderungen. „Ich habe immer viel Glück gehabt im Leben. Ich hatte das Gefühl, ich muss etwas zurückgeben“, sagt Biehl. Der Abiturient hat Anfang Oktober den Bundesfreiwilligendienst begonnen. Durch Reisen hat er etwas von der Welt gesehen; war auch ein Jahr lang in Australien: „Ich habe gesehen, wie andere leben müssen. Da wird man dankbarer – allein für ein Bett.“

Beim Bundesfreiwilligendienst können sich Menschen jeden Alters für das Allgemeinwohl engagieren. Möglich sind zum Beispiel Einsätze in Kultureinrichtungen, der Umwelt- oder Integrationshilfe oder im sozialen Bereich. Die Dienstzeit beträgt zwischen sechs und 18 Monate. Viele junge Menschen nutzen den Bundesfreiwilligendienst, wenn sie auf einen freien Ausbildungsplatz warten oder sich noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren wollen. Dieses Problem kann auch Biehl nachvollziehen: „Manche Jugendliche sind ja erst 17 wenn sie ihr Abitur machen. Mit 17 hätte ich noch nicht gewusst, was ich später werden will.“

Auch Hachmann wollte die Zeit bis zum Berufseinstieg nutzen und sich sozial engagieren. Seit September unterstützt er in der Einrichtung für Behinderte das Therapeuten- und Pflegeteam. In der Tagesförderstätte packen die beiden Männer überall dort an, wo Hilfe gebraucht wird. „Wir sind voll im Team integriert“, sagt Biehl.

Der Tag in der Tagesförderstätte beginnt für die beiden um 8.15 Uhr. Dann kommen die Busse mit den Betreuten an und es wird zusammen gefrühstückt. „Meine Gruppe braucht es bisschen länger, weil viele gefüttert werden müssen“, erklärt Hachmann. Nach dem Frühstück bekommen die Betreuten Aufgaben zugeteilt. Sie sollen zum Beispiel Dinge sortieren. „Wir müssen die Menschen hier sehr viel unterstützen. Deswegen ist es wichtig, dass sie regelmäßig Aufgaben bekommen, die sie alleine schaffen“, erklärt Hachmann. Selbstbewusstsein stärken und Motivieren gehört so den zu Aufgaben der Bundesfreiwilligendienstler. Aber die jungen Männer helfen auch beim Umziehen, auf Ausflügen oder beim Essen reichen. „Ich glaube, diesen Job kann nicht jeder machen. Deswegen wird hier immer erst ein Probetag vereinbart“, sagt Biehl. Emotional anstrengend findet er den Job aber nicht. „Ich nehme die Gedanken nicht mit nach Hause, weil ich sehe, dass es den Menschen hier gut geht“, sagt er und Hachmann ergänzt „Ich glaube, die Menschen sind hier glücklich. Vielleicht glücklicher als manch einer ohne Behinderung.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 28.Okt.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen