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Quickborner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:28 Uhr

Sie schlichten Streit unter Geflüchteten

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Vermittler Verträge laufen bis Jahresende

Christian Chinery (Foto oben) und Richard Döbler (Foto unten) schlichten pro Woche ein bis zwei Konflikte zwischen Geflüchteten in Quickborn. Seit Mai kümmern sie sich hauptamtlich um Schutzsuchende in der Eulenstadt (diese Zeitung berichtete). „Würden Richard Döbler und ich das nicht gemeinsam machen, hätten wir in Quickborn eine andere Situation“, sagte Chinery gestern.

In erster Linie wollen sie Geflüchtete integrieren und das Verständnis von Menschen aus unterschiedlichen Nationen füreinander wecken. Konflikte blieben im Alltag aber nicht aus. Sie entstünden meist, weil die Neuankömmlinge verschiedene Sprachen sprächen und einander nicht verstünden. In Quickborn leben Menschen aus Eritrea, Afghanistan, Syrien, dem Irak und Armenien. Streit entzünde sich meist an alltäglichen Fragen. „Es geht darum: Wer muss putzen? Und nicht: Wer hat den richtigen Gott?“, so der Diplom-Theologe.

Der 35-Jährige ließ sich zum Trainer, Coach, Moderator, Prozessbegleiter und Konfliktmediator in pädagogischen Arbeitsfeldern weiterbilden. Weisen Betroffene oder ehrenamtliche Betreuer ihn auf Auseinandersetzungen hin, lädt er die Konfliktparteien, Sprachmittler und Döbler zu einem Gespräch ein. Es ist ihm wichtig, dass sein Kollege zuhört. Gemeinsam könnten sie die unterschiedlichen Sichtweisen besser begreifen. Er werbe dafür, sich gegenseitig ausreden zu lassen. Sobald er das Problem verstanden habe, teile er das den Gesprächspartnern mit. „Wenn sie merken: ‚Die wollen uns verstehen‘, dann kommen konstruktive Lösungen von den Bewohnern“, berichtete er.

Die ersten Deutschkenntnisse der Geflüchteten bildeten eine Brücke in der Verständigung. Hilfreich sei es aber auch, zum Beispiel einen Putzplan aufzustellen.

Chinery erlebte oft, dass Streithähne durch Aussprachen zueinander fanden. „Sie bilden eine Gemeinschaft, wenn sie merken: Es ist möglich, sich gegenseitig zu verstehen“, sagte er.

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) bedauerte, dass die Finanzierung der Betreuerstellen ab 2017 nicht gesichert ist. Der Caritasverband für Schleswig-Holstein nahm Döbler und das Diakonische Werk Hamburg-West/Südholstein Chinery bis Jahresende unter Vertrag. Wie berichtet, schloss die Stadt mit beiden Einrichtungen eine Kooperationsvereinbarung und finanziert die Gehälter aus der Integrationspauschale des Landes, das pro Geflüchtetem einmalig 2000 Euro zahlt. „Diese Geldquelle versiegt, wenn es keine neuen Flüchtlinge gibt“, sagte Köppl. Er sieht das Land in der Pflicht, den Kommunen bei der wichtigen Betreuungsaufgabe zu helfen.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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