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Quickborner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Quickborn : Sie helfen Geflüchteten tatkräftig

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

shz.de stellt Arbeitsgruppen der Quickborner Flüchtlingshilfe vor. Heute: 91 Betreuer kümmern sich um 500 Menschen.

Quickborn | 6.30 Uhr im Kreißsaal des Albertinen-Krankenhauses in Hamburg-Schnelsen: Das syrische Mädchen Tina erblickt das Licht der Welt. An der Seite der Mutter steht eine Quickbornerin und hält ihr die Hand.

Die Stadt Quickborn meldete mit Stand vom August 2016 insgesamt 380 Geflüchtete. Jeweils mehr als 100 stammen aus Afganistan und Syrien, 60 aus dem Irak. 373 Schutzsuchende erhielten eine Erstbetreuung, 73 Prozent werden dauerhaft umsorgt. Von März bis August 2016 kamen zehn Schutzsuchende in der Eulenstadt an. Christian Rohde vom Diakonischen Werk Hamburg-West/Südholstein berichtete, dass seither weitere drei Familien mit insgesamt 16 Personen zugewiesen wurden. Die Zahl der Verwaltung umfasse zudem nur die in städtischen Unterkünften untergebrachten Menschen. Insgesamt rechnet Rohde mit etwa 500 Geflüchteten in Quickborn.

„Wir machen im Grunde genommen alles“, sagte Marianne Berendt gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie gehört zum 91-köpfigen Arbeitskreis (AK) Betreuung des Vereins Willkommen-Team Quickborn. Die ehrenamtlichen Helfer kümmern sich um fast 500 geflüchtete Menschen in der Eulenstadt. „Wenn wir das nicht machen würden, würden die Leute in ihren Unterkünften sitzen und vergammeln“, sagte ein Helfer.

Berendt stieg im September 2015 in die Arbeit ein, als die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland dramatisch anwuchs. Bei Safaris in Afrika hatte sie das Elend der Menschen in deren Heimat mit eigenen Augen gesehen. „Da war es für mich selbstverständlich zu helfen. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht“, betonte die 71-Jährige.

Berendt hat inzwischen 21 Geflüchtete aus Afghanistan und dem Irak unter ihre Fittiche genommen. „Sie nennen mich Mami“, sagte sie. Wenn Berendt über ihre Schützlinge berichtet, spricht sie liebevoll von „meinen Jungs“. Die Aufgaben der Quickbornerin sind so vielfältig wie die Menschen, die ihre Hilfe suchen. Gestern etwa telefonierte Berendt mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg, dann mit der Außenstelle in Neumünster. Anlass: Die Behörde hatte Geflüchteten das Fahrgeld für den Besuch der Sprachkurse nicht gezahlt. Berendt erfuhr: Die Ausgaben werden erst erstattet, wenn die Schule die Anwesenheitsliste eingereicht hat.

Im Sommer lernte Berendt eine im achten Monat mit Zwillingen schwangere Frau aus dem Nordirak kennen. Sie begleitete sie zum Frauenarzt, besichtigte zusammen mit ihr und einem Dolmetscher den Kreißsaal. Nächste Woche wird sie die zwei älteren Kinder der jungen Mutter nach Hamburg in eine Zahnklinik bringen. Die Zähne der Kleinen seien in einem desolaten Zustand. Auch dafür hat Berendt einen Termin vereinbart und einen Übersetzer gesucht.

Die Betreuer bringen unterschiedlich viel Zeit und Kraft ein. „Einer geht alle 14 Tage hin, ein anderer jeden Tag“, erläuterte der AK-Vorsitzende Eckhard Rehm. Der hauptamtliche Ehrenamtskoordinator Mathias Wittig hat die Helfer im Blick. Die Stadt kündigt ihm die Ankunft neuer Asylsuchender an. „Dann sorge ich dafür, dass jemand sie in Empfang nimmt“, sagte er. Die Betreuer erledigen zusammen mit den Schutzsuchenden die ersten Einkäufe, zeigen ihnen, wie sie mit der AKN fahren können. Berendt brachte ihnen bei, die Uhr zu lesen. Eva-Maria Steinkohl berichtete: „Wir sagen ihnen: Wann immer sie ein Schreiben von einer Behörde bekommen, sollen sie sich an einen Betreuer wenden.“ Einige Helfer fanden Wohnungen für Geflüchtete. Johanna Schacht berichtete von einer Person, die selbst eine Wohnung entdeckt hatte. Sie brauchte nur noch die Bescheinigung des Jobcenters zur Mietübernahme. Schacht begleitete sie.

Hauptamtliche helfen den Betreuern

Die hauptamtlichen Betreuer Christian Chinery und Richard Döbler unterstützen die ehrenamtlichen Kräfte. „Manchmal hissen die Leute die weiße Fahne und sagte: Jetzt brauche ich Hilfe“, berichtete Chinery. Aufgrund seiner Fortbildungen in der Konfliktmediation, im Sozialgesetzbuch II und dem Asylgesetz kann er bei kniffligen Fällen weiterhelfen. Steinkohl betonte, dass die Gruppe aber nicht im Auftrag der Diakonie, sondern eigenständig arbeitet.

Berendt empfindet die Tätigkeit als erfüllend. „Man kriegt ganz viel Zuneigung, Warmherzigkeit und Dankbarkeit zurück“, sagte sie. Ihre Schützlinge seien ihr so nahe wie Familienmitglieder. Abschiebungen erlebt sie als schmerzhaft. „Wir haben sie in unser Herz und unsere Gedanken aufgenommen. Wenn sie einfach abgeschoben werden, tut das weh“, sagte sie. Zudem herrsche in den wenigsten Herkunftsländern Frieden. „Da macht man sich schon Gedanken, ob es nicht Gründe geben könnte, dass sie hierbleiben könnten“, so Berendt.

Wer im Arbeitskreis Betreuung mitarbeiten möchte, meldet sich bei Wittig. Er ist erreichbar unter Telefon 0160-3676233 oder per E-Mail an mathias.wittig@ diakonie-hhsh.de.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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