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Landtagswahl 2017 : Schüler fühlen Politik auf den Zahn

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

350 Erstwähler des Dietrich-Bonhoeffer- und des Elsensee-Gymnasiums diskutieren mit sieben Landtagskandidaten.

Quickborn | Auf diese Frage war Eka von Kalben nicht vorbereitet: „Sollte man Schalldämpfer für Jagdwaffen erlauben?“, fragte ein Schüler die Vorsitzende der schleswig-holsteinischen Grünen-Landtagsfraktion gestern bei einer Podiumsdiskussion im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) in Quickborn. In Bayern sei das erlaubt, sagte der Schüler. Ihre Antwort: „Vor allem ist Internet an Schulen wichtig, weil es mir eben nicht gelungen ist, das Thema zu googeln.“ Da sie die Haltung ihrer Partei zu dieser Frage über ihr Smartphone nicht nachschlagen konnte, konterte sie schlagfertig: „Da es in Bayern erlaubt ist, könnte man meinen, dass die Grünen dagegen sind.“

Humorvoll, engagiert und kontrovers haben sich gestern die Landtagskandidaten von sieben Parteien etwa 240 Oberstufenschülern des DBG und ungefähr 110 Gästen aus dem Elsensee-Gymnasium vorgestellt. Der DBG-Schülersprecher Tom Lenuweit erläuterte: „Am 7. Mai findet bei uns die erste Landtagswahl statt, bei der auch 16-Jährige wählen dürfen.“ Die Podiumsdiskussion sollte sie darauf vorbereiten.

Schüler befragten die Kandidaten

Lenuweit und seine Mitschüler Ben Lindloff sowie Hanna Wrege befragten mehr als eine Stunde lang die Landessprecherin der Linken, Marianne Kolter, sowie die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Pinneberg-Nord Helge Neumann (SPD), Eva von Kalben (Grüne), Sven Ludzuweit (Piraten), Peter Lehnert (CDU), Annabell Krämer (FDP) und Michael Poschart (AfD). Sie saßen auf dem Podium nach ihrer politischen Ausrichtung von links nach rechts sortiert.

Zwei Runden mit jeweils 30 Sekunden langen Statements rahmten die Diskussion ein. Dazwischen stellten die Moderatoren Fragen zur Bildungspolitik, wie sich die politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen fördern und wie sich die Attraktivität von Schleswig-Holstein für die junge Generation steigern lasse.

Kontroverse Positionen zum Thema Schulmodelle

Die Politiker vertraten kontroverse Positionen. Lehnert forderte etwa eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G  9), um die Vergleichbarkeit mit anderen Bundesländern herzustellen. Dagegen rieten Neumann und von Kalben dazu, die Schulmodelle nicht wieder zu ändern. Krämer forderte die Freiheit für Schulen, selbst zwischen G  8 und G  9 zu wählen. Kolter sprach sich dafür aus, das G  8-Modell zugunsten von Gemeinschaftsschulen (G  9) auslaufen zu lassen. Ludzuweit trat für eine Stärkung des Mitspracherechts für Schüler ein. Poschart verlangte eine bessere IT-Ausstattung der Schulen.

Aus dem Publikum kam die Frage nach der Legalisierung von Cannabis. Lehnert sprach sich dafür aus, den Stoff für die Behandlung von Schmerzpatienten zu erlauben, Neumann trat für eine Entkriminalisierung ein, von Kalben betonte: „Kiffen während der Schulzeit ist nicht so sinnvoll.“

Viele Schüler fanden die Diskussion hilfreich. „Mein Bild der Parteien hat sich deutlich verbessert“, sagte Lars Stolte (16, DBG). Vor allem die Fragen seiner Mitschüler zum Schulsystem hätten ihn weitergebracht. Zoe Raethe (19, ESG) sagte: „Es war gut, einfach mal Infos zu bekommen.“ Tom Heinemeyer (18, ESG) zeigte sich beeindruckt: „Die beantworten alle Fragen, die man ihnen stellt.“ Der Schüler Leon Lammann fand Neumann am überzeugendsten. „Es ist selbstbewusst, jung, frisch“, sagte er. Yannick Fischer (17) betonte: „SPD und CDU sind beide argumentativ stark.“ Jonas (17, DBG) fand von Kalben am besten: „Sie hat nicht versucht, uns durch Fakten zu manipulieren, die wir nicht nachprüfen können“, sagte er.

 

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erstellt am 09.Mär.2017 | 15:00 Uhr

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