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Quickborner Tageblatt

27. März 2017 | 01:00 Uhr

Sie staunen über unsere Freiheit : Schüler aus Jerusalem ziehen ein Fazit des Austausches

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

13 Schüler aus Jerusalem besuchten zwei Wochen lang Quickborn. Sie berichten von einer Fülle an Eindrücken.

Quickborn | In einem einzigen Wort fasst Shahd den Unterschied zwischen Jerusalem und Quickborn zusammen: „Es ist die Freiheit. Sie war da, als wir in Booten saßen, sie war in den Vögeln und in den Bäumen“, sagte die 15-Jährige.

Zwei Wochen lang lebten Shahd und weitere zwölf Schüler aus Jerusalem bei Quickborner Familien. Sie besuchten den Unterricht am Elsensee-Gymnasium, unternahmen Ausflüge nach Hamburg und Berlin. Zum ersten Mal in ihrem Leben hielten sich die 14- bis 16-jährigen in Europa auf. Den Kontakt hatte die Quickbornerin Naimeh Hollmann von der Hamburger Gesellschaft für Deutsch-Arabische Begegnungen hergestellt. Bevor die Schüler am Sonntag abreisten, berichteten sie von ihren Eindrücken.

„Hier kann man sicher gehen. Aber immer wenn ich in Jerusalem zur Schule gehen, schaue ich mich um, ob Soldaten mich verfolgen“, berichtete Mohammad. Die Austauschschüler leben als Araber und Moslems im palästinensischen Viertel der Stadt. Aus ihrer Sicht haben die Israelis ihren Staat Palästina besetzt. „An jeder Ecke steht die Army mit hängenden Gewehren“, sagte Mohammad. Immer wieder würden Soldaten Passanten durchsuchen. Er müsse deshalb stets seinen Ausweis mit sich tragen. „Wir haben Angst, dass sie uns anhalten, mitnehmen und töten“, sagte der 14-Jährige. Eines Morgens gegen 4.30 Uhr hätte das Militär seine Familie aufgesucht und sie ohne Vorwarnung aus dem Haus geworfen. Ein halbes Jahr lang habe sie auf der Straße gelebt, ehe sie eine neue Bleibe fand. Juden seien in sein Haus eingezogen.

Raghad betonte: „Alle Palästinenser respektieren die jüdische Religion.“ Mohammad ergänzte: „Wir haben jüdische und christliche Nachbarn. Sie behandeln uns gut. Das Problem sind die Israelis.“ Nicht die Anhänger anderer Religionen, sondern die israelische Regierung mache ihnen das Leben schwer. Der Unterschied von Israelis und Palästinensern zeige sich auch im Lehrplan: „Die Israelis lernen, dass das Land ihnen gehört. Für uns ist das falsch“, erläuterte Shahd.

Fußball nur auf der Straße

In Deutschland erlebten die Schüler eine andere Welt: Sie konnten reisen, ohne sich ständig ausweisen zu müssen. Sie staunten über die moderne Ausstattung des Gymnasiums. „Sie haben hier jede Menge elektrische Geräte. Für jede Stunde gibt es einen Raum“, staunte Mohammad. In Jerusalem würden 20 bis 40 Schüler in viel kleineren Klassenzimmern unterrichtet werden. „Die Schule bietet mehr Aktivitäten nach dem Unterricht an“, sagte Hagjar. Sportplätze kennt Mohammad aus seiner Heimat nicht. Fußball spiele er auf der Straße.

Die Gastfreundschaft erwies sich als die Gemeinsamkeit zwischen Jerusalem und Quickborn. „Die Familien waren so gut und freundlich zu uns“, sagte Mohammad. Raghad betonte: „Es war, als wären wir zu Hause.“ Ihre Lehrerin Leila Sharif lud die Quickborner Gymnasiasten für das nächste Jahr zu einem Besuch in Jerusalem ein.

Der Deutschlehrer Martin Wilckens, der den Austausch betreute, zog eine positive Bilanz: „Ich fand es interessant, so eine Innenansicht kennenzulernen, auch wenn sie nicht immer unserer Sicht entspricht.“ Es habe sich ein kritischer Austausch entwickelt.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 13:00 Uhr

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